Vorösterliches Brauchtum: die Ratschen von Thurn
Von Karfreitag bis Karsamstag zogen in Thurn auch in diesem Jahr junge Männer durch die Straßen und kündeten mit ihren bis zu zwei Meter großen Ratschen die Gebetszeiten an.
In der kleinen Osttiroler Gemeinde Thurn wird jedes Jahr in der Karwoche ein besonderes Brauchtum gepflegt: das Ratschen. Dabei werden von Mitgliedern der Landjugend/Jungbauernschaft große Holzkonstruktionen in der Luft geschwungen, wobei durch die Drehung eine Holzplatte über die Zähne eines hölzernen Zahnrades schnarrt und so das charakteristische „Ratschen“ erzeugt wird. Die Ratschen ersetzen ab Gründonnerstag bis zur Ostermette in der Nacht vom Ostersamstag auf Ostersonntag in vielen katholisch geprägten Gegenden die schweigenden Kirchenglocken. Im Volksmund heißt es „die Glocken fliegen nach Rom, um dort geweiht zu werden“.
Seit wann in der Gemeinde Thurn „geratscht“ wird, lässt sich nicht genau eruieren. Aufzeichnungen darüber gibt es keine. Auf den Blättern der Ratschen, die während des Jahres im Dachboden der Pfarrkirche von Thurn aufbewahrt werden, sind mehrere Jahreszahlen um 1870 vermerkt. Bemerkenswert ist die Größe der Thurner Ratschen und damit verbunden auch das Alter derjenigen, die das Ratschen betreiben. Nicht Kinder, sondern junge Männer aus den Reihen der Landjugend/Jungbauernschaft pflegen dieses besondere Brauchtum. Am Karfreitag einmal zu Mittag und dann vor der Abendandacht ziehen die Burschen ratschend vom Kirchplatz ausgehend durch das Dorf. Unterwegs legen sie Pausen ein und werden mit Getränken gestärkt. Wieder bei der Kirche angekommen, wird diese noch einmal umrundet, bevor dann in der „Vorlabe“ der Kirche zusammengeratscht wird. Der nächste Auftritt auf dem Kirchplatz findet am Karsamstag statt, wenn sich um 12.00 Uhr mittags bis zu 14 Ratscher im Kreis einfinden und drei „Gesätzchen“ an Stelle des Zwölfeläutens ratschen.
Osttirol heute-Reporter Alexander Fröhlich begleitete die Thurner Ratscher am Karfreitag 2015 durch den Ort und hielt das ganz besondere Brauchtum in Bildern und im Video fest.
Text: E. Hilgartner, Fotos und Video: Alexander Fröhlich
