Von einer starken Familienbande zwischen dem Pinzgau und den USA
Von den starken familiären Beziehungen zwischen im 19. Jh. in die USA ausgewanderten Pinzgauern und den Familien Voithofer, Lechner und Steger erzählte uns Simon Voithofer.
Vor Kurzem besuchten Stanley Lechner aus dem US-Bundesstaat Maryland und seine Frau ihre Verwandten im Oberpinzgau, insbesondere Stanleys Cousin 5. Grades, Simon Voithofer aus Bramberg am Wildkogel. 2017 ist Simon – er hat Politikwissenschaften studiert und arbeitet bei der Gemeinde Bramberg – zum ersten Mal in die USA gereist, um seinen familiären Wurzeln väterlicherseits nachzuspüren.
Bartlmä Voithofer mit seiner Familie im Jahre 1907. Er kam 1848 in Bramberg zur Welt und wanderte später mit seinem Bruder nach Amerika aus.
„Mein Großvater hieß wie ich Simon und wurde laut Geburtsurkunde am 19. Oktober 1897 in Scottdale/Pennsylvania geboren. Er war der Sohn von Bartlmä Voithofer, der am 18. August 1848 in Bramberg zur Welt kam und später mit seinem Bruder nach Pennsylvania gezogen ist“, sagt er und erklärt die Hintergründe, die damals viele Menschen aus der Region zum Auswandern veranlassten. „In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele Bergwerke im Pinzgau stillgelegt. Damals herrschte in der Region große Armut, weshalb sich zahlreiche Pinzgauer auf der Suche nach Arbeit und in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen in die USA aufmachten. Mein Urgroßvater Bartlmä entschied sich für den Südwesten von Pennsylvania. Die Region südlich von Pittsburgh war und ist eine Hochburg der Kohle- und Stahlindustrie. Hier fanden viele Auswanderer aus dem Pinzgau Arbeit.“
Auswanderer aus dem Pinzgau in Pennsylvania
Auf der Suche nach dem Geburtsort seines Großvaters stieß Simon auf Stanley Lechner, seinen Cousin 5. Grades. „Stanley wohnt in Maryland und ist Jurist. Er arbeitet in Washington D.C. für eine Rechtsanwaltskanzlei und hat sich auf das Dienstrecht in der Kohleindustrie spezialisiert. Stanley hat sich immer schon sehr für seine Vorfahren und die Verwandtschaft in Pennsylvania und in Salzburg interessiert. Viele Auswanderer betrieben als zweites Standbein eine kleine Farm – so auch unsere Verwandten. Heute ist die Landwirtschaft verpachtet. Stanley hat sich aber im Bereich dieser Farm als Zweitwohnsitz ein Blockhaus errichtet“, berichtet der Bramberger.
Am Familientreffen der Nachfahren der Pinzgauer Auswanderer im August 2002 nahm auch Simon Voithofer mit seiner Familie teil.
2022 machte sich Simon erneut auf den Weg in die USA auf, um unter anderem wieder Stanley Lechner und die Region um Scottdale zu besuchen. „Gemeinsam mit meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn reiste ich durch verschiedene Bundesstaaten. Natürlich war das Zusammentreffen mit Stanley und unseren Verwandten sehr emotional. Besonders beeindruckt hat uns, dass wir 2022 am großen Familientreffen der Voithofers und Lechners im westlichen Pennsylvania teilnehmen konnten. Jedes Jahr im August findet ein solches Treffen statt. Unsere amerikanischen Verwandten verstehen es zu feiern, und natürlich fragen sie immer auch nach, was es bei uns im Pinzgau Neues gibt.“
Die Familie des Großvaters von Stanley Lechner im Jahre 1925
Simons Urgroßvater Bartlmä Voithofer kehrte Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie in die alte Heimat zurück und kaufte in Wald im Pinzgau den Bauernhof „Maurach“ an. „Er litt aufgrund der Arbeit in der Kohlenmine an einer Staublunge und starb 1912 im Alter von erst 64 Jahren. Auch mein Großvater Simon, 1897 in Pennsylvania geboren, kehrte als Kind gemeinsam mit seinen Eltern in die alte Heimat zurück. Seine Schwester Mary hingegen blieb zunächst in den USA und arbeitete dort als Haushaltshilfe. Erst später schloss sie sich ihren Verwandten an und wählte den Oberpinzgau als neuen Lebensort“, lässt Simon wissen und erinnert sich daran zurück, dass sein Vater Vitus oft davon erzählte, dass er Briefe von seiner Tante aus Amerika erhalten habe.
Simon und Stanley vor dem Wilhelmgut in Bramberg, wo die Familie Voithofer in früheren Zeiten ihren Lebensmittelpunkt hatte
Bei Stanley Lechners jüngstem Besuch im Oktober 2023 zeigte Simon ihm auch das Wilhelmgut, das der Gemeinde Bramberg seit den 1970er-Jahren als Museum dient. „Es handelt sich dabei um eines der ältesten Gebäude in Bramberg und ist für uns deshalb von Bedeutung, weil die Familie Voithofer dort lange Zeit einen Lebensmittelpunkt hatte.“ Seine Europareise führte Stanley heuer übrigens nicht nur in den Pinzgau, sondern auch nach Italien. Dort spürte er einem Verwandten nach, der als amerikanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg in der Toskana fiel. Anschließend traf er am Lechnerhof in Terenten bei Bruneck Südtiroler Verwandte.
„Die Begegnungen mit unserer amerikanischen Verwandtschaft im heurigen Oktober waren erneut sehr bewegend. Durch solche Treffen und gegenseitige Besuche wird die Verbundenheit zwischen unseren Familien im Pinzgau und in den USA lebendig gehalten“, betont Simon abschließend.
Der Großvater von Stanley Lechner wurde 1880 auf dem Handlhof in Wald im Pinzgau geboren.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller, Voithofer