Von einem tierzüchtenden und von einem malenden Pfarrer

Ganz besondere Leidenschaften haben zwei Pfarrer aus dem Pinzgau: Adalbert Dlugopolsky züchtet in Mittersill alte Geflügelrassen, der Bramberger Pfarrer Stanislav Gajdoš malt.

Es ist ein schöner Herbsttag Anfang September. Im Pfarrhof von Mittersill treffe ich Pfarrer Adalbert Dlugopolsky. „Ich bin gleich mit dem Füttern der Tauben fertig. Dann können wir uns unterhalten“, begrüßt er mich im weitläufigen Garten hinter der Kirche. Im Bereich einer schon vorher bestehenden Holzhütte hat der Geistliche ein Jungtauben- und ein Hühnerhäuschen aufgebaut, die er von seinem vorherigen Wirkungsort im Pongau mitgebracht hat. „Das Hühnerhäuschen war ein Abschiedsgeschenk der Pfarre St. Johann im Pongau“, sagt er. Seit drei Jahren ist Adalbert Dlugopolsky in Mittersill tätig. Tiere haben ihn, wie er sagt, schon von Kindesbeinen an fasziniert. „Als Kind hatte ich Wellensittiche, Schildkröten, Kaninchen, Fische und auch Tauben. Stark beeinflusst von den Forschungen von Konrad Lorenz, begann ich später zunächst Biologie zu studieren. Als ich auf der Universität mit Theologie-Studenten in Kontakt kam, fing ich sprichwörtlich Feuer für Gott und die Botschaft Jesu und entschied mich, Priester zu werden. Es war für mich jedoch immer klar, dass ich im Pfarrhof auch Tiere haben möchte.“

 

 

Den Menschen die Ehrfurcht vor der Schöpfung zu vermitteln, ist dem Seelsorger eines seiner größten Anliegen. „Die Schöpfung und die Natur gehören für mich zu den besten Wegen, um Gott näher zu kommen.“ Pfarrer Dlugopolsky hat sich vor allem auf die Zucht von alten, einheimischen Geflügelrassen, also Tauben und Hühnern, spezialisiert. „Haustiere waren immer schon eine Grundlage der Landwirtschaft und unserer Lebenskultur. Alte Haustier-Rassen gehören für mich deshalb zum Kulturerbe.“ Der Mittersiller Seelsorger ist Mitglied im Kleintierzuchtverein St. Johann i.P., in seinem Pfarrgarten finden sich unter anderem die so genannten Tiroler Hühner. „Diese Hühnerrasse war beinahe ausgestorben, im Sarntal in Südtirol hat man Restbestände entdeckt. Es handelt sich um typische Landhühner, die früher nur in Tirol und in höheren Berglagen Salzburgs gezüchtet wurden. Etwa 180 weiße Eier legt jedes Huhn pro Jahr“, informiert er. Die Eier werden, wie er ausführt, für den Eigenbedarf verwendet oder verschenkt.

 

 

Tauben zu züchten ist in unseren Breiten eher ungewöhnlich. Im Taubenschlag des Mittersiller Pfarrgartens hegt und pflegt Adalbert Dlugopolsky selten gewordene Rassen, wie den Wiener Hochflieger, das Wiener Gansl oder die Österreichische Weißschwanz- und Fischertaube. „Während der Wiener Hochflieger eine reine Flugtaube ist, sind andere Tauben, die ich züchte, wie der Wiener Tümmler oder die Maltesertaube, reine Zier- bzw. Ausstellungstauben.“ Täglich zwei Mal füttert Adalbert Dlugopolsky seine Tiere, auch das Ausmisten gehört zu den täglich wiederkehrenden Arbeiten. „Die Zeiten des Gebets sind mir natürlich sehr wichtig. Bei der Arbeit mit meinen Tieren kann ich recht gut abschalten und mir auch Kraft für meine Tätigkeit als Seelsorger holen“, hält der Geistliche, der auch die Pfarren von Hollersbach und Stuhlfelden mitbetreut, fest.

 

 

Er hat auch initiiert, dass die Hl. Brigitta von Irland zur Patronin der Kleintierzucht erhoben wurde. „Die Hl. Brigitta war die Äbtissin von Kildare und wird vor allem auch in der Landwirtschaft und von den Geflügelzüchtern verehrt. Bei einem Festakt haben wir sie in der Filialkirche St. Brigida in Henndorf am Wallersee am 13. Oktober 2018 zur Schutzpatronin der österreichischen Kleintierzucht erhoben. Sie steht für ein empfindsames Herz gegenüber der Schöpfung und den Tieren. „In den Wundern der Natur können wir unseren Schöpfer erkennen“, sagt Adalbert Dlugopolsky zum Abschluss meines Besuches im Mittersiller Pfarrhof.

 

 

Pfarrer Stanislav Gajdoš ist im Gebiet der Hohen Tatra in der Ostslowakei aufgewachsen. „Am 8. Juni 2000 wurde ich in der Ukraine zum Priester geweiht. Danach war ich Seelsorger in slowakischen Pfarren und in Prag. Im April 2014 wechselte ich nach Salzburg, wo mir übrigens Pater Andreas Steiner von den Herz Jesu Missionaren, ein gebürtiger Osttiroler, beim Erlernen der deutschen Sprache sehr geholfen hat“, lässt er mich zu Beginn meines Besuches in Bramberg wissen. Nach Stationen in Kirchbichl in Tirol und Bad Hofgastein ist Gajdoš seit September 2018 Pfarrer von Bramberg und wirkt über den Pfarrverband auch in Wald, Krimml und Neukirchen.

 

 

Wie er zum Malen gekommen ist, sei eine lange Geschichte, meint der fröhliche Geistliche. „Eigentlich ist es ein Erbgeschenk meiner Vorfahren, meines Großvaters und Vaters. Wie detailgenau mein Vater Blumen gezeichnet hat, hat mich schon als kleiner Bub fasziniert.“ In der Grundschule habe die Lehrerin, so der Bramberger Pfarrer, seine Bilder immer ausgewählt, um sie nach dem Unterricht in den Gängen für alle sichtbar aufzuhängen. „Später erhielt ich die Einladung, eine Kunstschule zu besuchen. Meine Eltern haben sich aber dafür ausgesprochen, dass ich auf ein Gymnasium komme, weil die Kunst ihrer Ansicht nach keine Zukunft hat. Damals, in den Zeiten des Kommunismus, wanderten viele slowakische Künstler nach Westeuropa und Amerika aus. Später begann ich, mit Kohle, Bleistift und Tinte Plakate und Folder zu gestalten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges kam ein Maler in unser Dorf. Er brachte Ölfarben mit, die ich ihm, gemeinsam mit der dazugehörigen Ausrüstung, abkaufte.“

 

Als Pfarrprovisor in Kirchbichl stellte Stanislav Gajdoš das Bild „Abendmahl” nach dem Original von Walter Rane her.

 

Während des Theologiestudiums verblieb Stanislav Gajdoš nur wenig Zeit für die Kunst. Nach der Priesterweihe begann er jedoch verstärkt, sich der Ölmalerei zu widmen.Blumen, Tiere, Landschaften, Religiöses und Figurales sind bis heute seine bevorzugten Motive. „Am liebsten male ich mit Ölfarben und Acryl. In letzter Zeit widme ich mich verstärkt auch dem Aquarell. Diesbezüglich möchte ich mich noch weiterbilden, genauso wie in der Ikonen-Malerei. Mich interessiert aber auch das Arbeiten mit Gips und Holz.“

 

Das Altarbild für die Kirche von Hrboltová malte Stanislav Gajdoš nach dem Original von Matthias Stromer. Das Altarbild ist derzeit auch in der Ausstellung im Samplhaus zu sehen.

 

Im Keller des Pfarrhofes hat sich der Geistliche ein kleines Atelier eingerichtet. Wie gerne er malt, ist inzwischen im Dorf längst bekannt. In der Schule hat er bei seinem Vorstellungsbesuch Comics auf die Tafel gezeichnet und auch mit den Mädchen und Buben im Kindergarten schon gezeichnet. Mit strahlenden Augen erzählt er davon, dass sein großes Vorbild in Sachen Malen Ivan Ivanowitsch Schischkin, ein russischer Maler und Grafiker des 19. Jahrhunderts, ist. Für einen Schulfreund, der ebenfalls Priester ist, hat er, dem Original von Matthias Stromer nachempfunden, ein Altarbild für die Kirche im slowakischen Dorf Hrboltová gemalt. In der aktuell laufenden Ausstellung „Bunte Welt in Bildern“ im Bramberger Samplhaus zeigt Stanislav Gajdoš dieses Werk ebenso wie sein Bild „Abendmahl“, das aus seiner Zeit als Pfarrprovisor von Kirchbichl in Tirol stammt. „Das Original der Abendmahldarstellung malte Walter Rane, ein amerikanischer Pastor“, so der Seelsorger und freut sich darüber, wenn möglichst viele Interessierte seine Ausstellung im Samplhaus besuchen.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

21. September 2019 um