Vom jungen Esprit der „Alpinen Gesellschaft Alpenraute Lienz”

Keinerlei Nachwuchssorgen hat der traditionsreiche Osttiroler Bergsteigerverein. Zahlreiche junge Menschen mischen bei der Alpenraute Lienz kräftig mit.


„Wir sind sehr froh, dass unser Vereinsgedanke – nämlich das Bergsteigen und die Kameradschaft zu fördern – durch unsere jungen Bergsteiger weitergetragen wird“, freut sich Markus Huber, der seit  2007 die Alpenraute Lienz als Obmann leitet. 1905 – also noch zu Zeiten der Habsburger-Monarchie – wurde der Verein gegründet. Aktuell gehören der Alpenraute 120 Mitglieder an. „Unser Vereinsjahr beginnt mit dem Laserzlauf. Die Austragung dieses weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Tourenlaufes wäre ohne die Mithilfe unserer jungen Mitglieder nicht vorstellbar“, hält Huber fest. Der Laserzlauf gilt als einer der ältesten und schönsten Hochgebirgsskitourenevents in den Alpen und führt von Lavant aus über die Lavanteralm an der Hochstadelnordwand und der Keilspitze vorbei auf das 2.497 Meter hoch gelegene Laserztörl.

 

Im Bild das Organisationsteam des Laserzlaufs mit jungen Alpenrautlern. Obmann Markus Huber (stehend 3. v. re.) und Bergrettungschef Thomas Zimmermann (stehend rechts). Am Bild auch Hermann Neumair (stehend 4. v.li.), der gemeinsam mit Oswald Gassler sen. den Laserzlauf erfand. Er kam am 19. Jänner 2019 bei einem tragischen Lawinenunfall in seinen geliebten Lienzer Dolomiten ums Leben.

 

An die 70 Helfer – unter ihnen auch viele Bergretter – befinden sich allein am Renntag im Gelände. „Unser Nachwuchs ist stark eingebunden. Die Jungen opfern viele Stunden ihrer Freizeit und sind auch bereit, Verantwortung zu übernehmen“, spricht der Obmann das hohe Engagement aller an. Neben dem Bergsteigen steht bei der Alpenraute Lienz insbesondere die Kameradschaft im Mittelpunkt des Vereinslebens. An jedem 1. Donnerstag im Monat treffen sich die Mitglieder beim Pflichtabend, erzählen von ihren Touren und planen neue Bergfahrten. Mitglied bei der Alpenraute können Bergbegeisterte bereits ab dem vollendeten 16. Lebensjahr werden. „Wenn sich jemand dafür interessiert, Mitglied zu werden, wird er zunächst als Gast zum Pflichtabend eingeladen. Für die Aufnahme benötigt man im Anwärterjahr zwei Alpenrautler als Bürgen und eine Zweidrittel-Mehrheit bei der Abstimmung am Ende des Probejahres“, informiert Markus Huber und ergänzt, dass sich das „Aufnahmeritual” in der über hundertjährigen Geschichte des Vereins nicht geändert hat.

 

Uns erzählten junge Alpenrautler von ihrer Motivation, bei der „Alpinen Gesellschaft Alpenraute Lienz” aktiv dabei zu sein.

Mots Pargger: „Die Alpenraute ist ein Alpinverein mit langer Tradition, dem die besten Bergsteiger der Region angehören. Ich denke, dies ist Motivation genug für jeden jungen Alpinisten, dem Verein beizutreten.“

Lukas Duregger: „Der Austausch mit Gleichgesinnten, das Zusammentreffen mit anderen Bergsportlern und die gemeinsamen Touren mit Kameraden im Sommer wie im Winter machen die Alpenraute zu einem ,super‘ Verein. Der Spaß kommt natürlich auch nicht zu kurz.
Es ist auch schön, bei Veranstaltungen wie dem Laserzlauf mitzuwirken und zu sehen, was alles gelingen kann, wenn man zusammenarbeitet.“

Marian Guggenberger: „Ich schätze an der Alpenraute vor allem auch die Kameradschaft, die Jung und Alt über das Bergsteigen in all seinen Spielarten vereint.“

Dominik Brunner: „Ich wollte neue Menschen kennenlernen und einen tieferen Einblick in unsere wunderschöne Bergwelt gewinnen. Man kann bei der Alpenraute sehr viel von der Erfahrung der Kameraden profitieren. So erfahre ich z.B. viel Interessantes über mir bislang nicht bekannte Routen oder Wege. Mir gefällt auch die lustige Tradition, dass bei den Pflichtabenden alte Protokolle verlesen werden. Und ich finde es super, wie alle bei den zwei Arbeitstagen mithelfen. Es heißt ja oft, Bergsteiger seien egoistisch und stur. Wir von der Alpenraute beweisen das Gegenteil. Eine so schöne Kameradschaft findet man in unserer modernen Welt nur mehr selten.“

Peter Thaler: „Die Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen führte mich zur Alpenraute. Es ist immer wieder interessant und beeindruckend, was die Mitglieder an den Pflichtabenden zu berichten haben und mit welcher Leidenschaft die Geschichten zum Besten gegeben werden. Vor allem schätze ich auch die Erfahrung und das Wissen der anderen Mitglieder, was das Unterwegssein in Fels, Schnee und Eis betrifft. Einige Kameraden geben zu später Stunde auch gerne ihre Gitarrenkünste an uns Junge weiter. Die Ausflüge sind immer ein Erlebnis – egal, ob in der Wand oder am Abend beim Bier in der Hütte. Die Alpenraute ist einfach ein großartiger Verein!“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

27. Januar 2019 um