Vom einfachen Leben als Hirten auf der Göriacher Alm im Debanttal

Gemeinsam mit Sohn Johannes und Tochter Anna betreute der pensionierte Tierarzt Dr. Anton Bergmann im vergangenen Sommer wieder die Tiere auf der Göriacher Alm.

Die Tiere sind inzwischen längst abgetrieben. Im Sommer besuchten wir die drei Lienzer auf der Göriacher Alm, wo sie uns vom einfachen, aber durch und durch sinnerfüllten Leben auf der Alm erzählten. Wir sitzen in der gemütlichen Küche der Unteren Göriacher Alm im Debanttal. „Das Warmwasser, auch für die Dusche, heizen wir über einen Holzherd auf, eine kleine Solaranlage liefert uns Strom für Licht und Radio“, erzählt Anton Bergmann von den kleinen Annehmlichkeiten in der Hütte auf 1.452 Metern Seehöhe. Bereits den dritten Sommer hat er heuer, gemeinsam mit Sohn Johannes und Tochter Anna, auf der Alm verbracht.

 

Die Untere Göriacher Alm war im Sommer wieder das „Zuhause“ von Anton Bergmann und seinen Kindern.

 

Der Alpinteressentschaft „Göriacher Alpe“ gehören 14 Landwirte an. „109 Rinder, 5 Pferde und etwa 100 Schafe haben wir in diesem Jahr für sie betreut. Ich liebe es, den Sommer hier bei den Tieren zu verbringen“, schwärmt der 11-jährige Gymnasiast Johannes vom Leben mitten in der Natur. Vom 10. Juni bis Ende September dauert die Almsaison auf der Göriacher Alm. Die Rinder und Schafe bleiben zunächst für etwa vier Wochen auf der Unteren Alm und werden dann auf die Obere Alm auf 1.900 Metern Seehöhe aufgetrieben. In diesem Jahr war dies am 11. Juli der Fall.

 

 

„Die Pferde kommen direkt vom Tal auf die Obere Alm“, informiert Anton Bergmann. Täglich schaut er gemeinsam mit Johannes und Anna – sie besucht die Schule für Kindergartenpädagogik in Klagenfurt – nach dem Rechten und versorgt die Tiere mit Salz. Der 67-Jährige kontrolliert dabei auch, ob die Tiere gesund sind oder ob Probleme auftreten. „Bei den Kälbern kommen Lahmheiten, bakterielle Fußerkrankungen, Euterentzündungen oder Lungenentzündungen nicht selten vor. Tritt dies ein, verständige ich den Bauer, dem das Tier gehört. Dieser schickt dann
seinen Haustierarzt.“

 

 

Manche Rinder kalben während des Sommers ab. Drei Kälber haben heuer knapp unterhalb der Wangenitzseehütte das Licht der Welt erblickt. „Leider fielen im Sommer 15 Schafe auf der Hofalm einem Blitzschlag zum Opfer – ein schlimmes Vorkommnis nicht nur für den Besitzer der Tiere“, so Tiermediziner Bergmann. Er hat seine berufliche Laufbahn 2018 beendet. Zuvor war er zunächst zwei Jahre als Tierarzt in Sillian und ab 1984 in seiner eigenen Tierarztpraxis in Lienz tätig. „Ich bin auf einem Bauernhof in Gaimberg aufgewachsen und wollte immer schon Tierarzt werden“, sagt er und berichtet, dass er gleich nach seiner Pensionierung die Aufgabe als Hirte auf der Göriacher Alm übernommen hat. „Meine Frau Christine ist ebenfalls Tierärztin und betreibt eine Praxis in Lienz. Den Sommer verbringe ich mit unseren Kindern auf der Alm und genieße dies sehr.“

 

 

Das Almleben beschreibt Anton als sehr erfüllend und entschleunigend. „Man steht in der Früh zeitig auf und geht am Abend müde ins Bett. Nach ein paar Tagen braucht man keine Uhr mehr.“ Jeden Tag fahren Anton, Anna und Johannes mit dem PKW rund 20 Minuten auf die Obere Alm, um nach den Kühen und Schafen zu schauen. Das Auto wird bei der Hütte auf 1.900 Metern Seehöhe abgestellt. „Zwei bis vier Stunden sind wir jeden Tag unterwegs. Das Weidegebiet erstreckt sich bis knapp unterhalb der Wangenitzseehütte auf 2.500 m Seehöhe. Manchmal versteigen sich die Tiere im unwegsamen Gelände. Gefährlich werden kann es, wenn es hagelt oder schneit“, so Anton.

 

 

Den täglichen Wetterbericht entnehmen die drei den Nachrichten im Radio. Ist die Wettervorhersage schlecht, treiben sie die Tiere auf den so genannten Boden knapp oberhalb der Waldgrenze. „Dort sind sie relativ sicher“, wirft Johannes ein. Dass er hier im Debanttal kaum Handyempfang hat, stört den 11-Jährigen wenig. „Mir gefällt die Arbeit mit den Tieren, vor allem mit den Kühen.“ Wie sein Vater, der ein passionierter Jäger ist, möchte auch Johannes später einmal die Jagdprüfung ablegen. „Im Debanttal kann man Rehe, Hirsche und Murmeltiere beobachten – und manchmal auch Gämsen“, freut er sich über einzigartige Naturerlebnisse. Als Haustiere hält der Gymnasiast auf der Göriacher Alm auch drei Kaninchen und junge Hunde. „Wie ich hat Johannes einige Zeit auch auf dem Schettlet-Hof in Innervillgraten verbracht, wo mein Vater aufgewachsen ist. Ich selbst habe mich während meines Studiums daheim in Gaimberg um die Landwirtschaft gekümmert, während mein Vater auf der Alm die Kühe gehütet hat. Solche Erlebnisse prägen natürlich“, meint Anton Bergmann abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol Journal

09. Oktober 2020 um