Villgratental: Konflikte bei Skitouren vermeiden
Im Villgratental startete ein Pilotprojekt zur Skitourenlenkung. Schutzzonen wurden nach intensivem Dialog ausgewiesen, Panoramatafeln und Wegweiser aufgestellt.
Vor Beginn des Austria Skitourenfestivals stellten DI Dr. Dieter Stöhr vom Land Tirol, die Tourismus-Vorstände Franz Theurl und Josef Schett sowie DI Hubert Sint, Leiter der Bezirksforstinspektion Lienz, das Pilotprojekt „Skitourenlenkung im Villgratental“ den Medien vor. „Wir wollen die führende Skitourendestination in den Alpen werden und sind auf dem besten Weg dazu. Bei diesem Pilotprojekt geht es darum, Konflikte zwischen den Skitourengehern einerseits und Grundbesitzern, der Jägerschaft sowie der Forstbehörde andererseits zu vermeiden. Auch hier sind wir Vorreiter in Tirol“, leitete TVBO-Obmann Franz Theurl ein.
Bei einem Treffen aller Interessensgruppen am 24. August 2015 in der Badl Alm in Kalkstein wurde vereinbart, beim Programm „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“ mitzumachen und das Projekt „Skitourenlenkung im Villgratental“ zu starten. „Ziel ist es, möglichen Konflikten durch entsprechende Maßnahmen vorzubeugen. Konflikte kann es beim Skitourengehen sowohl zwischen den einzelnen Sportlern untereinander, als auch zwischen den Skitourengehern und anderen Beteiligten – wie Grundbesitzern, Jägern, Waldbewirtschaftern usw. – geben. Wir wollen im Dialog mit allen Beteiligten nicht nur lenken, sondern auch das Angebot verbessern“, erklärte Projektleiter Dieter Stöhr. Er ist gelernter Forstwirt, Berg- und Skiführer sowie selbst begeisterter Skitourengeher. „Ich kenne deswegen alle Facetten der Sportarten Ski- und Snowboardtouren, Pistentouren, Freeride, Schneeschuhwandern, Mountainbiken und Klettern ziemlich gut und auch Interessenskonflikte, die sich ergeben können“, so Stöhr.
Dieter Stöhr: „Überall dort, wo Skibergsteiger durch die Ausübung ihres Sports Konflikte auslösen können, sollen diese durch lokale Arbeitsgruppen und Projekte nach den Vorgaben des Tiroler Ski- und Snowboardtourenkonzeptes gelöst werden. Im Villgratental haben wir bereits sehr gute Erfahrungen damit, eine Ausweitung auf andere Osttiroler Skitourengebiete ist angedacht.“
Die Skitourenregion Villgratental hat sich neben dem Sellrain- und Brixental entschieden, beim Tiroler Ski- und Snowboardkonzept mitzumachen. „Auf Basis freiwilligen Verzichts wurden im Villgratental Schutzzonen ausgewiesen und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Wir fördern vom Land aus solche lokalen Projekte auch finanziell“, berichtete der Projektleiter. Als „Schutzgüter“ gelten der Rothirsch, der Objektschutzwald, Steinbock/Gams sowie Birkhuhn/Auerhahn. Mit coolen Videos soll auf die Problematik hingewiesen werden, wenn beispielsweise Hirsch oder Birkhuhn durch Sportler in ihrem Lebensrhythmus (z. B. bei der Nahrungsaufnahme) gestört werden. Auf den Parkplätzen von Kalkstein in Innervillgraten und Reiterstube in Außervillgraten werden große Panoramatafeln mit 3D-Geländedarstellung aufgestellt. Sie enthalten Informationen zu den Schutzgütern und die Verhaltensregeln. Kleine Schilder im Gelände sollen den Skitourengehern die Fahrtrichtung anzeigen. „Diese Schilder werden sehr sparsam und nur unterhalb der Baumgrenze eingesetzt. Sie sollen den Sportlern helfen, sensible Bereiche zu erkennen und diese umfahren zu können“, so Stöhr.
„Das Villgratental hat sich als Projektgebiet angeboten. Schon seit Jahrzehnten setzen wir im Winter in Ermangelung anderer Möglichkeiten auf das Skitourengehen. Es geht vor allem auch darum, die Einheimischen für mögliche Konflikte im Gelände zu sensibilisieren, weil die Gäste erkundigen sich oft bei ihren Unterkunftgebern sowie bei den Berg- und Skiführern“, betonte TVBO-Vorstand LA Josef Schett.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Hannes Gruener, Osttirol heute/Mühlburger


