Uttendorf/Pinzgau: „Wer jodelt, der jubelt!“

Über seine „Jodelschule Pinzgau, London, Paris, New York and all over the planet“ brachte Thomas Reitsamer schon über 15.000 Menschen das Jodeln bei.

„Jetzt Jodelkurs buchen!“ – dieser Eintrag von Thomas Reitsamer auf Facebook war, wie er uns eingangs bei unserem Besuch in Uttendorf erzählt, eigentlich als Gag gedacht. „Meine Aufforderung
schlug aber ein wie der Blitz“, meint er heute noch staunend über das überwältigende Feedback, das er erhielt. Bekleidet mit Lederhose und Hut und ausgerüstet mit Ziehharmonika und Kassettenrekorder, hielt der Uttendorfer bald danach seinen ersten Jodelkurs im Tauern Spa in Kaprun ab. Zehn Journalisten waren die ersten, denen Thomas nach bestandener Prüfung das „Jodeldiplom“ überreichte.

Inzwischen werden seine Jodelkurse von Hotels und Vereinen ebenso gebucht wie von Firmen unterschiedlichster Branchen. Spannend sind die Auftritte, die der Pinzgauer bei diversen Events absolviert. Dazu zählt die berühmte „Weißwurstparty“ beim Stanglwirt in Going ebenso wie die Demonstration seines Könnens auf dem Roten Platz in Moskau, wohin er im Dezember 2017 der Einladung eines Holzimporteurs folgte. Fest verankert in Thomas‘ Erinnerung sind auch die beiden Jodelkurse, die ihn ins ferne Mexiko führten.

„Jodeln ist eine Vorstufe zur Sprache“, erklärt er und meint weiter, dass sich „…Bauern, Senner,
Jäger und Wilderer in früheren Zeiten über codierte Nachrichten verständigten.“ Aus diesen
Codes sei dann irgendwann der Jodler entstanden, der später in die traditionelle Musik der Alpenregion einfloss. „Der Viehschroa ist ein Lockruf, und der Juchiza drückt Freude und Energie aus“, so Thomas, in dessen Leben Musik immer schon eine wichtige Rolle spielte. Als Jugendlicher war er Mitglied der örtlichen Blasmusik und wirkte als Sänger und Schlagzeuger auch bei regionalen Rockbands mit. Heute ist der vielseitig Interessierte als Schauspieler, Musicaldarsteller, Künstlervermittler und Eventmanager weltweit unterwegs.

Atemübungen, Basistechniken, Mimik, Gestik und Körpersprache sind die Inhalte seiner Jodelkurse. „Das Allerwichtigste ist der so genannte ,Schnaggler‘. Er entsteht, wenn man von der Bruststimme zur Kopfstimme wechselt“, erklärt der Jodeltrainer. Besonderen Wert legt er darauf, dass seine Jodelkurse Spaß machen. „Ich würde das Jodeln sogar als eine Art Prophylaxe für psychische Verstimmungen
bezeichnen. Beim Jodeln werden alle Körperregionen – von den Zehen bis zum Kopf – aktiviert, vor allem auch die Lachmuskeln“, schmunzelt er. Ähnlich wie bei Ausdauersportarten würden, so
Thomas, beim Jodeln auch Glückshormone ausgeschüttet. „Wenn man jodelt, vergisst man die Probleme des Alltags. Nicht nur deshalb habe ich mit dem Jodeltrainer auch einen Traumjob gefunden. Ich kann die Menschen zum Lachen bringen und sie vermutlich auch, zumindest für den Moment, glücklicher machen. Herz, was willst du mehr?“

Wen wundert‘s, dass sich der Tausendsassa aus dem Pinzgau über eine stetig steigende Nachfrage
nach seinen Jodelkursen freuen kann. „Manager, Ärzte und Rechtsanwälte haben bei mir schon Jodeln gelernt und Firmenchefs buchen mich mittlerweile als Überraschung für ihre Teambuildung- oder Coaching-Events.“ Individuell abgestimmt auf die jeweiligen Teilnehmer, hält Thomas seine Kurse im Pinzgauer Dialekt, auf Hochdeutsch oder auch in Englisch oder Spanisch, wobei er zehn bis fünfzig Jodelschüler gleichzeitig „unterrichtet“. Mit seinem „Kabarett zum Mitmachen“ hat der Spaßvogel aus Uttendorf bei Events jedoch auch schon über tausend Menschen zum Lachen gebracht. Aktuell verfolgt
Thomas Reitsamer, wie er uns zum Abschluss erzählt, ein großes Ziel: Hollywood! „Ich würde gerne im Film Hangover 4 mitwirken“, zeigt sich der Pinzgauer, was seine Zukunft betrifft, keineswegs
bescheiden. Wir wünschen ihm auch dafür viel Glück!

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Jodelschule Pinzgau, Videos: YouTube