Unwetter-Situation entspannt sich langsam

Insgesamt 15 relevante Murenereignisse hat es gestern Sonntag, 11.11.2012, in Osttirol gegeben – Bezirkseinsatzleitung spricht von Entspannung der Lage am Montag. Bezirkshauptfrau Dr. Olga Reisner hat gestern Sonntag, 11. November, um 16.00 Uhr, den Stab der Bezirkseinsatzleitung einberufen. Dieser Stab hat die Aufgabe, Einsatz- und Sicherungsaktionen sowie die Landesgeologie zu koordinieren, wenn es um Naturgefahren geht, die mehrere Gemeinden betreffen und so von bezirksweiter Relevanz sind. DI (FH) Erich Gollmitzer ist in diesem Stab für die Lagedarstellung und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Insgesamt hat es in Osttirol 15 relevante Murenereignisse gegeben, dazu zahlreiche kleinere Erdrutsche. Wichtig ist, dass wir die Lage weiterhin genau beobachten, weil mit Zeitverzögerung Gestein und Fels immer wieder ausbrechen und es so zu weiteren Erdrutschen kommen kann“, so Gollmitzer am Montagvormittag. Die B100 im Bereich Mittewald konnte am Sonntag noch für den Verkehr freigegeben werden, die Bahntrasse wird noch aufgeräumt, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Dafür musste die B100 bei Greifenburg am Montagvormittag aufgrund einer Mure gesperrt werden. Der Verkehr wird über die Großglocknerstraße B107 (Iselsberg) umgeleitet.

„Die L25 im Defereggental ist zwar befahrbar, Landesgeologe Mag. Hans Schroll ist aber dabei, einen Hangrutsch im Bereich der Erlachgalerie zu begutachten“, berichtet Gollmitzer. In St. Jakob i.D. hat sich ein Hang oberhalb der Straße offenbar mit lauten, krachenden Geräuschen bewegt. „In der Dunkelheit konnte man nur erkennen, dass Bäume umgestürzt waren oder deutlich schief standen. Eine weitere Beurteilung bei Nacht war zu gefährlich und wird daher am Montag bei Tageslicht durchgeführt“, sagt dazu Landesgeologe Dr. Gunther Heißel. Hier gibt es eine örtliche Umfahrung.

Die Felbertauernbundesstraße ist seit Montagfrüh wieder offen, durch die Aufräumungsarbeiten zwischen Huben und Matrei kommt es zu keinen Verkehrsbehinderungen. Zu Schäden an Gebäuden ist es kaum gekommen. „Die Wildbach- und Lawinenverbauung spricht von einem mittleren Ereignis. Ein Hangrutsch in der Nähe des EGO-Werkes sowie ein Wirtschaftsgebäude in Heinfels werden überprüft. Außerdem gibt es ein kleineres Problem bei einem Gebäude im Ortsteil Michlbach im Gemeindegebiet von St. Johann i.W.“, so Gollmitzer.

„Die prognostizierten Niederschläge ließen eine Vielzahl gefährlicher Ereignisse erwarten, sodass etliche Vorkehrungen getroffen werden konnten. Wann und wo genau es aufgrund der massiven Niederschläge beispielsweise zu Muren oder Felsstürzen kommt, läßt sich im Vorhinein natürlich nie genau prognostizieren“, betont Heißel. In der Folge der herrschenden Witterung seien laut dem Landesgeologen Schadensereignisse wie Hangrutschungen, Hangexplosionen oder Block- und Felsstürze noch Tage, vielleicht auch Wochen nach Starkniederschlägen möglich.

Die Pegelstände von Drau und Isel sind in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder abgesunken. „Die Isel hatte zu keinem Zeitpunkt beunruhigende Wasserstände. Die Drau in Sillian hatte den höchsten Pegelstand am Sonntag mit 184 cm. Das entspricht einem 7-jährigen Hochwasserereignis und hat noch kein Übertreten des Flusses über die Ufer zur Folge“, sagte Gollmitzer abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Foto und Video: Brunner Images

12. November 2012 um