Unvergessene Tragödie: Gedenken in der Peggetz

Angehörige von Kosaken aus aller Welt kamen auch am 1.6. wieder nach Lienz, um an dem seit 1953 stattfindenden Gedenkgottesdienst am Kosakenfriedhof teilzunehmen. Auch wenn die Anzahl jener, die die Kosakentragödie, die sich am Ende des Zweiten Weltkrieges im Lienzer Talboden abgespielt hatte, überlebt haben, immer kleiner wird, so bleibt doch der Wunsch vieler Nachkommen der Kosaken bestehen, das Gedenken an die unglückseligen Geschehnisse des Jahres 1945 am Leben zu halten. 300 Kosaken fanden am Friedhof in der Peggetz, um den sich Erika Pätzold im Auftrag des Schwarzen Kreuzes kümmert, ihre letzte Ruhe. Ihrer und aller anderen Opfer der Tragödie des 1.6.1945 gedachte man beim Gedenkgottesdienst am Samstag, 1.6.2013, den Erzbischof Michael Donskoff aus Genf abhielt. Der „Verein zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie“ unter Obmann Michael Rainer zeichnete wieder für die Organisation der Zeremonien, an denen Kosakenabordnungen aus Deutschland, Russland, der Ukraine, Australien, Kanada und England teilnahmen, verantwortlich.


Erzbischof Donskoff aus Genf zelebrierte den russisch-orthodoxen Gottesdienst.

 

Die geforderte Auslieferung der Kosaken nach dem Zweiten Weltkrieg an Russland hatte 1945 ein Drama ausgelöst, das auch im Bezirk Lienz tiefe Spuren hinterließ. Die bevorstehende Niederlage Deutschlands brachte die Kosaken gegen Kriegsende als Kämpfer auf Seiten Hitlers in arge Bedrängnis. Um nicht in die Gefangenschaft der Roten Armee bzw. der Tito-Armee zu gelangen, flüchtete das Kosaken-Korps Domanov auf dem Rückzug vom oberitalienischen Friaul Anfang Mai 1945 über den Plöckenpass und gelangte in das Gebiet von Oberkärnten und Osttirol. In Lienz wurde das Hauptquartier aufgeschlagen. In den Wiesen und Wäldern rund um die Dolomitenstadt lagerten ca. 25 000 Menschen, davon mehr als die Hälfte Frauen, Kinder und alte Leute. Die Soldaten vom schottischen 8. Regiment der Argyll and Sutherland Highlanders, denen sie sich ergaben, konnten ihnen jedoch nicht den erhofften Schutz bieten. Entgegen anderslautenden Zusagen verluden die Briten, nachdem 1 500 Kosakenoffiziere bereits am 28.5. durch eine fingierte Konferenz in Spittal an der Drau vom übrigen Stan getrennt worden waren, die Kosaken gewaltsam auf LKW und Eisenbahnwaggons. In den Lagern um Lienz und Oberdrauburg spielten sich im Zuge der Auslieferung erschütternde Szenen ab. Mütter sprangen mit ihren Kindern in selbstmörderischer Absicht in die hochwasserführende und eiskalte Drau, Männer erschossen oder erhängten sich. Der Großteil der Kosaken wurde von den Briten nach Judenburg deportiert und dort den sowjetischen Truppen übergeben. Für die allermeisten bedeutete dies das Todesurteil. Viele überlebten den Sommer 1945 nicht mehr, andere nahmen sich aus Furcht vor Verfolgung durch die sowjetischen Organe das Leben bzw. töteten ihre Kinder und Verwandten. Zahllose Kosaken starben auf dem Weg in die Gefangenenlager.

 

Text: J. Hilgartner, Fotos: Brunner Images

02. Juni 2013 um