Turmdecker Martin Berger: Ein Arbeitsplatz zwischen Himmel und Erde
Martin Berger aus Matrei in Osttirol hat sich 2012 als Turmdecker selbstständig gemacht und damit sein Hobby – das Bergsteigen – mit dem Beruf verbunden.
Vom einfachen Wegkreuz bis zu großflächigen Kirchendächern und hohen Türmen – die Tätigkeitspalette von Turmdecker Martin Berger ist groß. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof in der Matreier Fraktion Berg im Tauerntal, zog es den 43-Jährigen immer schon in die Berge. „Dass ich einmal Turmdecker werde, hat sich in meiner Kindheit aber nicht abgezeichnet. Ich erinnere mich sogar zurück, dass ich als kleiner Bub Turmdecker beobachtet habe, die am Dach unserer Pfarrkirche St. Alban arbeiteten und ich mir damals dachte, dass ich so einen Job niemals machen könnte“, schmunzelt der Matreier.
Martin bei Malerarbeiten am Turm der Pfarrkirche Uttendorf im Pinzgau.
Nach Abschluss seiner Maurer-Lehre wechselte Martin zunächst in die Gastronomie, dann war er einige Jahre als Freileitungsmonteur tätig. Viel Erfahrung in der gerüstfreien Außensanierung und dem Arbeiten im Seil konnte er bei der Dölsacher Firma Pondorfer sammeln. „Hermann Aigner, der Dombaumeister von Salzburg, hat mich später dazu motiviert, mich in diesem Gewerbe selbstständig zu machen, und so setzte ich im Jahre 2012 diesen Schritt.“ Die Diözese Salzburg ist auch heute noch einer der Hauptauftraggeber des Handwerksunternehmens, das Martin als Ein-Mann-Betrieb führt. „Es sind vor allem sakrale Bauten, deren Dächer ich mit Holzschindeln eindecke. Ich habe aber auch schon Renovierungsarbeiten am Zauberflötenhäuschen im Garten des Mozarteums oder am Wohnhaus Mozarts mitten in der Stadt Salzburg ausgeführt“, so Berger.
Martin Berger gestaltete auch die Fassade des Biwaks der Schmidt-Zabierow-Hütte in den Loferer Steinbergen.
Über zu wenig Arbeit kann sich der Osttiroler Turmdecker nicht beklagen. „Für das 325 Quadratmeter große Dach der Pfarrkirche Lermoos habe ich beispielsweise 42 Arbeitstage benötigt. Es ist eine aufwändige Arbeit, großflächige Dächer mit vielfach schwer zugänglichen Bereichen zu sanieren. Auch Maler-, Zimmerer- und Spenglerarbeiten kann ich, in eingeschränkter und genau genehmigter Art und Weise, übernehmen.“ Die Schindeln bezieht Martin aus Wiesing im Zillertal, in Söll im Tiroler Unterland hat er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet. „Dort führe ich kleine Reparaturarbeiten durch. Außerdem dient der Raum auch als Lager.“
Die Sanierung des Kirchturm-Daches der Pfarrkirche von Brixen im Thale ist eine Arbeit, auf die Martin besonders stolz ist.
Das Gros seiner Aufträge erhält Martin von Kunden aus Nordtirol und Salzburg. Als Beispiele nennt er das Sanierungsprojekt für die Pfarrkirche Brixen im Thale, das Dach der St. Pankrazkirche in Fügenberg im Zillertal oder die Arbeiten an der Wallfahrtskirche auf der Hohen Salve im Brixental. „Bei letzterer handelt es sich um die höchst gelegene Wallfahrtskirche Österreichs. Auch Kaiserin Sisi war hier zu Gast. Von diesem Kirchendach aus hatte ich übrigens einen für mich persönlich sehr erfreulichen Ausblick auf acht Dächer bzw. Türme, die ich zuvor bereits saniert hatte. Wenn ich Arbeiten in meiner Heimatgemeinde Matrei übernehmen darf, wie dies z.B. bei der Lourdeskapelle oder dem Zedlacher Kirchl der Fall war, dann freut mich das natürlich besonders!“
Besonders freut es Martin, wenn er Arbeiten in seiner Heimatgemeinde Matrei übernehmen kann. Bei der umfassenden Sanierung der Lourdeskapelle war er maßgeblich beteiligt. Foto: Martin Lugger
Der Preis spielt übrigens nicht immer die entscheidende Rolle, um bei einer Ausschreibung den Zuschlag zu erhalten. „Wichtiger ist vielmehr die persönliche Ebene – und gegenseitige Sympathie. Nicht nur der Pfarrer und der Pfarrgemeinderat, auch die Gemeinde und der Bürgermeister sind in die Vergabe involviert. Ein Wörtchen mitzureden hat der Baumeister, und das Bundesdenkmalamt ist praktisch in jede meiner Baustellen eingebunden.“
Das Dach der Angeralm in Hochsöll hat Martin Berger eingedeckt.
In den acht Jahren seiner Selbstständigkeit hat Martin Berger inzwischen auf 105 Baustellen über 5.000 m² Dachschindeln und rund 950 m² Fassadenschindeln verlegt sowie rund 1.000 m² Holzschindeln und ca. 4.500 m2 Mauerwerksfassade gemalt. „Wenn ich mit 75 Schindeln pro Quadratmeter rechne, komme ich in den acht Jahren auf rund 450.000 einzelne Holzschindeln, die ich in der Hand hatte“, erzählt er und betont, dass es für ihn schon ein sehr erbauendes Gefühl sei, dass mit jeder Sanierung Bleibendes für mehrere Generationen geschaffen wird.
Foto: Martin Lugger
„Interessant ist auch, dass jeder Turmdecker seinen eigenen Stil entwickelt. Man lernt natürlich auch von seinen Vorgängern.“ Ausgleich und Entspannung vom Arbeitsalltag sucht der Handwerker aus dem Tauerntal übrigens nach wie vor in seinen geliebten Bergen. „Wenn ich nicht bergsteige, arbeite ich gern im Wald oder in der Landwirtschaft“, meint er abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Berger