Ein Leben zwischen Tanzmusik und Kammeroper
Die musikalischen Schätze ihrer Vorfahren nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist der Klarinettistin und Musikpädagogin Gabi Trost aus Matrei ein besonderes Anliegen.
„Wenn die Musikkapelle bei den so genannten Kranzltagen an unserem Elternhaus im Matreier Hintermarkt vorbeimarschierte, war ich früher immer ganz aufgeregt – und voller Freude. Die traditionellen Märsche haben mich seit jeher begeistert“, erinnert sich die heute 30-Jährige an
ihre Kindheit zurück. Mit neun Jahren fing sie an, Klarinette zu spielen, irgendwann nahm sie ihr inzwischen verstorbener Vater Faust Trost zum damaligen Kapellmeister der Musikkapelle Matrei, Helmut Wibmer, mit. „Für ein Mädchen kamen damals eigentlich nur die Querflöte oder Klarinette
als Instrumente in Frage“, berichtet sie.
Ihre Mitgliedschaft bei der Matreier Musikkapelle empfindet sie bis heute als großes Glück. „Ich war bei jeder Probe, bei jedem Konzert dabei und durfte, dank Kapellmeister Hans Klaunzer, schließlich auch Klarinetten-Solos spielen.“ Hans Klaunzer, weit über die Grenzen des Bezirkes durch die Oper „Gruß an Schloss Weißenstein“ bekannt geworden, war einer der großen Förderer der jungen Musikerin. Er motivierte sie auch dazu, sich bei der Militärmusik Tirol zu bewerben. Die Aufnahmeprüfung schaffte Gabi Trost auf Anhieb, und so spielte sie nach ihrer Matura am BORG Lienz rund zwei Jahre bei der Militärmusik mit. 2004 startete das Musiktalent sein Studium am Tiroler Landeskonservatorium (Instrumental- und Gesangspädagogik/IGP) und schloss dieses 2008 mit dem Bachelor ab. Anschließend studierte die Matreierin Klarinette als Konzertfach am Mozarteum in Salzburg und an der Kunstuni in Graz. „In Sachen Musik lernt man nie aus. Derzeit absolviere ich ein Privatstudium bei Ferdinand Steiner, der Soloklarinettist beim Mozarteum Orchester Salzburg ist.“ Für diesen renommierten Klangkörpers konnte Gabi Trost bereits mehrmals als Klarinettistin bei Auftritten mitwirken – ebenso wie bei der Camerata Salzburg, der Philharmonie Salzburg, dem Wiener Kammerorchester oder in der Wiener Kammeroper.
„Schon während meines Studiums begann ich, im Landesmusikschulwerk Oberösterreich zu unterrichten. Später trat ich in Ried im Innkreis meine erste Stelle als Musiklehrerin an“, schildert die Klarinettistin ihren weiteren Werdegang. „Das Landesmusikschulwerk Oberösterreich genießt
europaweit einen ausgezeichneten Ruf. Als Karenz- und Krankenstandsvertretung war ich im ganzen Land unterwegs und konnte auf diesem Wege ungemein viele gute Musiker kennenlernen“, erzählt
sie, die seit 2012 in der Musikschule Essenbach in Niederbayern unterrichtet. Wohnhaft ist sie jedoch weiterhin im Innviertel, spielt dort auch bei der Marktmusikkapelle Mettmach mit. „Das Innviertel würde ich als Boom-Gegend in Sachen Blas- und Volksmusik bezeichnen. Es gibt dort viele ausgezeichnete Kapellen, zahlreiche Blechbläser aus dieser Gegend sind Mitglied bekannter klassischer Orchester. Mit den Innviertlern kann man sich außerdem hervorragend über Musik austauschen, und schließlich motiviert mich der hier herrschende gesunde Wettbewerb auch immer wieder dazu, daran zu arbeiten, noch besser zu werden“, schwärmt die 30-Jährige von dieser auch landschaftlich sehr malerischen Region.
Gemeinsam mit Innviertler MusikerInnen gründete Gabi Trost die Volksmusik-Gruppe „Drunt und Drobm“ und arrangiert für diese Osttiroler, Innviertler und bayerische Musikstücke.
Für die MMK Mettmach leitet Gabi Trost übrigens auch das Jugendorchester. 2012 gründete sie die
Gruppe „Drunt und Drobm“, die sich aus fünf Frauen und sieben Männern – großteils MusikerInnen der MMK Mettmach – zusammensetzt. „Wir spielen Innviertler, bayerische und Osttiroler Volksmusik, wobei ich die Musikstücke für unser Ensemble arrangiere. Mir ist wichtig, dass die traditionellen musikalischen Kostbarkeiten unserer Vorfahren nicht in Vergessenheit geraten“, so die begeisterte
Musikerin. Die berühmte Altmatreier Tanzmusik haben ihr Urgroßvater Alois Trost und dessen Bruder Josef im Jahre 1910 gegründet. „Die beiden waren hochmusikalische Menschen, die in schwierigen Zeiten während und zwischen den beiden Weltkriegen unglaublich viel geschaffen haben. Sie sind für mich auch so etwas wie Idole. Mein Urgroßvater, ebenso wie ich einst bei der Militärmusik tätig, komponierte bekannte Stücke wie den Walzer ,Gruß an Schloss Weißenstein‘ “, erzählt sie voll Begeisterung von ihren Vorfahren.
Ihren Matreier Wurzeln und ihren zahlreichen Förderern aus der Heimat schreibt sie es auch zu, dass sie in verschiedenen Genres Fuß fassen konnte. „Wenn ich meine rund 50 SchülerInnen unterrichte, steht die Klassik im Vordergrund. Im Rahmen der Musikkapelle pflegen wir die Blasmusik, und in meiner Freizeit widme ich mich am liebsten der Volksmusik. Bei jedem Genre kann man etwas
lernen. Mein Herz schlägt aber vor allem für die Volks- und Blasmusik.“

Musik ist für die Matreierin nicht Beruf, sondern Berufung. „Natürlich gibt es viel zu tun und zu organisieren – in der Musikschule, bei der Musikkapelle oder bei unserer Volksmusik-Gruppe. Manchmal ist es auch stressig, aber dafür wird mir nie langweilig“, lacht sie. Ausgleich findet die 30-Jährige beim Laufsport und vor allem bei ihren Besuchen in der Heimat. „Wann immer es sich
mit meinem Leben im Innviertel vereinbaren lässt, fahre ich heim nach Matrei, unternehme Bergtouren und genieße das Nachtleben.“ Mit dem Matreier Nachtleben spricht die Klarinettistin altehrwürdige Matreier Gasthäuser wie das „Kaffeehaus“, den „Panzlwirt“ oder den „Bräu“ an. Besonders gerne besucht sie auch die Wirtin der Zunigalm. „Dort habe ich während meiner Schulzeit in den Ferien gearbeitet und oft auch meine steirische Harmonika ausgepackt, um die Gäste zu unterhalten.“ Auf die abschließende Frage, was sie an der Musik so besonders fasziniert, antwortet Gabi Trost: „Musik geht vom Ohr direkt ins Herz. Ich kenne nichts Vergleichbares, bei
dem dies auf so unmittelbarem Weg möglich ist!“
Übrigens: Gabi Trost spielt auch bei der Bläserphilharmonie Osttirol mit, die das nächste Mal am 26. September 2015 in der Stadtpfarrkirche St. Andrä in Lienz ein Konzert gibt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, privat



