Trauerwerkstatt Osttirol: Da sein, wenn das Leben aus den Fugen gerät!

Die „Trauerwerkstatt Osttirol“ begleitet Menschen in persönlichen Krisensituationen mit Einfühlungsvermögen und fachlicher Kompetenz. Hinter dem Verein, der ausschließlich ehrenamtlich tätig ist, stehen zwei beeindruckende Frauen.

Alberta Sturm-Frauenschuh und Barbara Kunzer lernten sich vor acht Jahren bei ihrer Tätigkeit für die „Krisenintervention“ des Roten Kreuzes Osttirol kennen. Rasch kristallisierte sich heraus, dass die beiden ähnlich „ticken“, ähnliche Werte und Vorstellungen vertreten und Situationen ähnlich einschätzen. Gemeinsam waren sie in akuten Krisen an der Seite von Menschen, die gerade einen Schicksalsschlag erlitten hatten. Dabei spürten die beiden jedoch zunehmend, dass zwischen dem akuten Kriseneinsatz und dem, was Betroffene in den Tagen, Wochen und Monaten danach brauchten, eine große Lücke klaffte. „Wir wollten den Menschen nicht nur im Moment der Krise beistehen, sondern sie auch danach auf ihrem Weg begleiten. So, wie wir es für richtig halten – empathisch, individuell und mit genügend Zeit“, erinnern sich Alberta und Barbara zurück. Nachdem ihnen dies im Rahmen der „Krisenintervention“ nicht möglich war, verließen sie das Kriseninterventions-Team und gründeten aus ihrer Überzeugung heraus, mehr tun zu können, im September 2024 die „Trauerwerkstatt Osttirol“.

Seitdem haben Alberta und Barbara bereits mehr als 50 Menschen in persönlichen Krisensituationen unterstützt und begleitet. „Alleine zwischen dem 1. September 2024 und dem 31. Mai 2025 verzeichneten wir knapp 500 Einsatzstunden und legten 4.624 Kilometer zurück“, lassen sie wissen und betonen, dass ihre Arbeit dabei immer ehrenamtlich, also kostenlos, für die Betroffenen ist. „Wir führen die Trauerwerkstatt Osttirol als einen Verein und finanzieren unser Angebot aus eigener Tasche und unterstützt nur durch private Spenden und/oder durch Sponsoren.“ Das Angebot der „Trauerwerkstatt Osttirol“, das Menschen aus der gesamten Region nützen können, ist sehr vielfältig und umfasst die Akuthilfe bei persönlichen Krisen, die individuelle Trauerbegleitung, auch von Kindern und Jugendlichen, die Beratung nach traumatischen Erfahrungen, Symbolhandlungen und Rituale für Hinterbliebene sowie den Einsatz von Kräutern, Ölen und Räucherwerk. Darüber hinaus halten Alberta und Barbara Vorträge bzw. bieten Seminare und Workshops (auch im Salzburger Pinzgau oder in Oberkärnten) zu den Themen „Trauerbewältigung und Umgang mit dem Tod“, „Kindertrauer und Trauer in der Familie“, „Suizid und Suizidprävention“ sowie „Psychische Gesundheit und Resilienz“ an.

Nun mag sich so manche/r fragen, warum die beiden Frauen so viel Freizeit in ihren Verein und ihre Arbeit „investieren“ – und dies ehrenamtlich und ohne damit etwas zu verdienen. Die Antwort, die Alberta und Barbara geben, ist ebenso einfach wie beeindruckend: „Wir folgen unserer Überzeugung, dass unsere Arbeit wichtig ist. Wir können Menschen individuell und unmittelbar helfen und bekommen dafür so viel Wertvolleres, als es Geld je sein könnte: ein ehrliches Danke, manchmal auch eine Umarmung und sehr viel Vertrauen. Wir lernen die unterschiedlichsten Menschen kennen und oft entstehen aus den Begegnungen auch Freundschaften. Unsere Arbeit ist nie Belastung, sondern immer etwas sehr Schönes!“ Wichtig ist es Alberta und Barbara, zu betonen, dass sie als Grundlage für ihre Arbeit auf jeweils eine fundierte Ausbildung zurückgreifen können. „Wir kommen beide ursprünglich aus dem Therapie-Bereich und haben im Laufe der Zeit zahlreiche Zusatzausbildungen absolviert“, erklärten sie unisono. Alberta, die heute in Oberlienz beheimatet ist, arbeitete früher als Hebamme, Heilpraktikerin und Heilmasseurin. Sie verfügt über Wissen und Kompetenz in der TCM-Ernährungsberatung, in der Trauerbegleitung, in der Krisenintervention und in der Suizidprävention bzw. im Bereich der psychosozialen Beratung bei Krise und Trauma. Im heurigen Jahr ließ sie sich zudem als „Sterbeamme“ ausbilden. „Nachdem ich einst Menschen beim Beginn des Lebens begleitet habe, ist es mir heute eine Herzensaufgabe, ihnen in der letzten Lebensphase beizustehen und einen würdevollen Abschied zu ermöglichen.“ Ihre Freundin und Kollegin Barbara stammt aus Obertilliach, wo sie auch heute noch wohnt. Sie ist gelernte Heilmasseurin, ausgebildete Rettungssanitäterin, verfügt über Zusatzausbildungen in Krisenintervention, in der Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen sowie in der Herstellung von Kräuter- und Naturprodukten.

Neben all diesem Wissen und großem Erfahrungsschatz ist den beiden auch noch etwas anderes, sehr Wichtiges, zu eigen: Sie können zuhören und begegnen jedem Menschen mit aufrichtiger Empathie und der gebotenen Diskretion. Gerade diese sei von enormer Bedeutung, so Alberta und Barbara. „Die Menschen, die uns anrufen, können sich darauf verlassen, dass wir nichts weitererzählen. Wir gehen immer von dem Prinzip aus, so zu handeln, wie man es für sich selbst in einer ähnlichen Situation wünschen würde.“ Wenn ein Anruf kommt, dann entscheiden Alberta und Barbara, ob sie zu zweit oder alleine zu den Menschen, die Hilfe brauchen, fahren. „Grundsätzlich übernimmt Alberta Anfragen aus dem Raum Lienz und dem Iseltal bzw. aus Kals und dem Defereggental. Barbara hingegen ist schwerpunktmäßig für die Bevölkerung im Oberland da. Wenn erforderlich oder gewünscht, kommen wir aber beide“, informieren sie. Die beiden Trauerbegleiterinnen telefonieren mehrmals täglich miteinander und tauschen sich aus. „Reden hilft uns in der Reflektion – und durch unsere gute Kommunikation und freundschaftliche Zusammenarbeit können wir vieles direkt lösen.“ Wie funktioniert nun der Erstkontakt mit den Trauerbegleiterinnen? „Unbürokratisch und sehr einfach“, antworten die beiden. „Wir begleiten Menschen in unterschiedlichsten Situationen – bei Todesfällen, in persönlichen Krisen, nach Suiziden oder bei schweren Lebensumbrüchen. Krisen und Trauer lassen sich nicht so einfach ‚wegmachen‘. Sie gehören zum Leben und dürfen auch Raum einnehmen. Wer reden will, darf sich jederzeit melden. Wir sind rund um die Uhr erreichbar, um in schweren Zeiten da zu sein. Wir stellen gemeinsam einen ‚Werkzeugkoffer‘ zusammen, helfen bei der (Neu-)Orientierung und entwickeln kreative, lebensnahe Wege, mit der neuen Situation umzugehen. Wer den ersten Schritt machen möchte, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden, unkompliziert und ohne jegliche Verpflichtung. Denn manchmal genügt schon ein Gespräch, um den schwersten Moment ein klein wenig leichter zu machen!”

Kontakt: Tel.: 0664/3460955 (Alberta Sturm-Frauenschuh)
0650/9506060 (Barbara Kunzer)
Mail: trauerwerkstatt.osttirol@gmx.at

 

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger, AdobeStock/Donson/peopleimages.com

29. September 2025 um