Neue Schlagzeugschule in Lienz: Rhythmus, der verbindet

Seit jeher begleitet der Rhythmus die Menschheit: Von archaischen Trommeln bis hin zu modernen Bühnen ist er eine universelle Sprache, die Kulturen und Menschen miteinander verbindet.

Aus dieser ursprünglichen Kraft entsteht die Mission von Tommaso Niccolai: nicht nur Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger auszubilden, sondern Menschen auf ihrem persönlichen Entwicklungsweg zu begleiten, ihr Selbstvertrauen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, in Verbindung mit anderen zu treten.

Tommaso Niccolai wird 1991 in Graz geboren. In früher Kindheit zieht er mit seinen Eltern nach Italien in die Toskana, wo er aufwächst und seinen künstlerischen Werdegang beginnt. Er wächst zweisprachig auf und spricht von klein auf sowohl Italienisch als auch Deutsch – eine Prägung, die seine persönliche und berufliche Identität nachhaltig beeinflusst und es ihm ermöglicht, sich selbstverständlich in zwei Kulturräumen zu bewegen. Mit zwölf Jahren beginnt er Schlagzeug zu spielen und absolviert eine fundierte musikalische Ausbildung vor Ort. Er schließt seine Ausbildung an der Schlagzeugschule „Scuderie Capitani“ mit Auszeichnung ab. Besonders prägend ist für ihn die Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Gianluca Capitani, mit dem er bis heute menschlich und fachlich eng verbunden ist. Bereits im Alter von 20 Jahren beginnt er selbst zu unterrichten und arbeitet an verschiedenen Musikschulen der Region. Früh entwickelt er eine ausgeprägte pädagogische Leidenschaft. Nach vielen Jahren Unterricht, Studium und Bühnenerfahrung in Italien entscheidet er sich mit 32 Jahren, gemeinsam mit seiner Partnerin nach Österreich zurückzukehren, um neue Lebens- und Musikerfahrungen zu sammeln. In Lienz findet er nicht nur eine Stadt mit beeindruckender Naturkulisse, sondern auch eine lebendige Musikszene mit vielfältigen Möglichkeiten – ein Ort, an dem er sich bewusst niederlässt.

Für Tommaso ist das Schlagzeug ein ganzheitliches Instrument. Hände und Füße arbeiten koordiniert zusammen, der Geist bleibt wach und präsent, der Körper stimmt seine Bewegungen präzise aufeinander ab. Schlagzeugspielen bedeutet, Konzentration, Disziplin und Ausdauer zu trainieren. Mit jeder Übung wachsen Kontrolle und Bewusstsein. Ein stabiler Groove stärkt das innere Gleichgewicht und die persönliche Sicherheit. Rhythmus reguliert die Atmung, löst Spannungen und verwandelt Energie in einen bewussten Ausdruck. Stress wird abgebaut, das Selbstvertrauen gestärkt. Aus kognitiver Sicht aktiviert das Schlagzeugspiel beide Gehirnhälften und fördert Koordination, Gedächtnis sowie Entscheidungsfähigkeit. Bei jungen Menschen unterstützt es die geistige Entwicklung, bei Erwachsenen trägt es dazu bei, geistig beweglich und aufmerksam zu bleiben. Auch körperlich ist es eine umfassende Tätigkeit: Haltung, Ausdauer, Muskelkontrolle und Atemtechnik verbessern sich auf natürliche Weise. Der größte Wert liegt jedoch in der Integration. Schlagzeugspielen bedeutet Mitwirken statt Wettbewerb geht nicht darum, der Schnellste oder technisch Beste zu sein – auch ein einfacher, bewusst gespielter Rhythmus trägt wesentlich zum gemeinsamen Klang bei. In einer Band lernt man, wirklich zuzuhören, Freiräume zu respektieren und andere zu unterstützen. Manchmal übernimmt man die Führung, manchmal begleitet man – eine praktische Schule für Teamarbeit und Verantwortungsbewusstsein. Nicht zufällig ist das  moderne Schlagzeug aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Kulturen entstanden. Es ist ein Instrument, das daraus hervorgegangen ist. Rhythmus ermöglicht es auch schüchternen oder introvertierten Menschen, ihren Platz in einer Gruppe zu finden – ganz ohne Worte. Er schafft Zugehörigkeit, gemeinsame Identität und echte Verbindung. Heute lebt und unterrichtet Tommaso Niccolai in Lienz, wo er seine eigene Schlagzeugschule gegründet hat. In seinem Unterricht verbindet er Bühnenerfahrung mit einem strukturierten, praxisnahen und motivierenden didaktischen Konzept. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er aktiver Schlagzeuger in verschiedenen Formationen der Region, darunter Kyera & Band, Circuit of Agony sowie weiterer musikalischer Projekte, und bringt dabei jene Energie und Werte auf die Bühne, die er täglich an seine Schülerinnen und Schüler weitergibt.

 

 

Text: Redaktion, Foto: © Carlo Settembrini

07. April 2026 um