Toblach/Ahrntal: Vom alten Kunsthandwerk des Klöppelns
Klöppeln ist eine Handwerkstechnik, die im alpinen Raum seit Jahrhunderten Tradition hat. Frieda Steger aus Toblach setzt sich engagiert für den Erhalt dieses Kunsthandwerks ein.
Frieda Steger ist gerade mit einer Trachtenspitze beschäftigt, als ich sie in Toblach besuche. „In Sachen Trachtenblusen arbeite ich mit acht Schneiderinnen zusammen. Früher waren als Klöppelware vor allem Decken gefragt, heute ist insbesondere auch KIöppelschmuck beliebt. In die Ketten, Ohrringe und Armreifen arbeite ich gerne auch Metallic-Perlen ein“, erzählt die Südtirolerin, die in Prettau im Ahrntal geboren und aufgewachsen ist. Dort wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts geklöppelt.
Frieda Steger stammt aus Prettau im Ahrntal und hat das Klöppeln schon als kleines Kind von ihrer Großtante Rosa Mittermair gelernt.
„Wie die Handwerkstechnik ins hinterste Ahrntal gekommen ist, kann man nur vermuten. Überlieferte Erzählungen deuten darauf hin, dass eine Familie aus dem Erzgebirge zum Arbeiten im Kupfer-Bergwerk nach Prettau kam und dieses Kunsthandwerk mitbrachte.“ Die Familie zeigte das Klöppeln den Dorfbewohnern, und bald gab es in Prettau viele Klöpplerinnen und auch Klöppler. Als das Bergwerk 1893 geschlossen wurde, bemühte sich der damalige Pfarrer Franz Josef Kleinlercher, ein gebürtiger Defregger, sehr darum, das Kunsthandwerk im Tal zu erhalten.

Mit Hilfe der Bergwerksbesitzer gelang es, drei Frauen nach Wien in einen Zentral-Klöppelkurs zu schicken, um die Klöppeltechnik zu verfeinern. „Meine Großtante Rosa Mittermair lernte das Klöppeln als Achtjährige von ihrer Tante, einer dieser drei Frauen. Auch Rosa durfte Erfahrungen in Wien, in London und im Erzgebirge sammeln. 1908 wurde in Prettau die Kaiserlich-Königliche Klöppelschule eröffnet, bei der meine Großtante die Führung übernahm. Ich habe das Klöppeln im Alter von fünf Jahren von Rosa gelernt. Meine Mutter und mein Vater, meine Schwestern und Brüder – alle haben geklöppelt, so wie die meisten BewohnerInnen von Prettau. Rosa gilt als Klöppel-Pionierin im Ahrntal. Ab 1951 führte ihre beste Schülerin, Antonia Rubner, ihr Lebenswerk fort.“

Auch in Proveis gab es eine große und bekannte Klöppelschule. „Das alte Handwerk hatte früher eine große Bedeutung für den Zuerwerb der bäuerlichen Bevölkerung. Klöppelspitzen sind eine Art Flechtwerk aus Fäden, die auf besondere Spulen – die Klöppeln – aufgewickelt werden. Mit den Fingern bewegt man die Fäden entlang eines bestimmten Musters, dem so genannten Klöppelbrief. Dabei werden die Fäden untereinander gekreuzt und gedreht. Kunstvolle Muster mit engen und weiteren Verbindungen zu schaffen, Spitzen mit geschwungenen Rändern zu versehen und dabei den Überblick nicht zu verlieren, ist die Aufgabe der Klöpplerin. Man lernt bei diesem Handwerk nie aus. Auch ich mit meiner über 50-jährigen Klöppelerfahrung entdecke immer wieder Neues“, erzählt die Südtirolerin, die ihre Erfahrungen in Klöppel-Kursen an Interessierte weitergibt.
Zusammen mit ihrer Schwester Klara Gruber hält Frieda seit acht Jahren in der Winterschule Ulten Klöppelkurse. „Dabei bilden wir in drei Wintern Klöppel-LehrerInnen aus. Kurse bieten wir z.B. auch in der Bücherei von Niederdorf an. In Mittelschulen halte ich manchmal Vorträge und zeige das Klöppeln den Jugendlichen. Vor allem im Herbst führen wir unser Kunsthandwerk auf Handwerks- und Bauernmärkten vor. Im Sommer veranstalten wir wöchentlich Klöppelvorführungen im Hotel Naturlaub Hirben in Niederdorf“, informiert sie.

Friedas zweite große Leidenschaft ist übrigens das Malen. „Ich liebe es, kreativ zu arbeiten. So fertige ich auch die Zeichnungen für den Klöppelschmuck selbst an. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich das alte Handwerk von meiner Großtante Rosa Mittermair schon als Kind lernen durfte. Vor ihr und Antonia Rubner habe ich große Achtung. Sie widmeten ihr ganzes Leben dem Klöppeln, und so ist es auch für mich eine Selbstverständlichkeit und Verpflichtung, mich mit meinen Kolleginnen dafür einzusetzen, dass dieses alte Kunsthandwerk an die nächsten Generationen weitergegeben wird und so in unserer Region erhalten bleibt.”
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann








