St.Veit: Gedenken an das Unglück von Gassen
Sechs Opfer forderte die Hochwasser-Katastrophe vom September 1965 im St. Veiter Weiler Gassen – 50 Jahre danach wurde eine Gedenkstätte errichtet.
Am 3. September 1965, gegen 6.00 Uhr in der Früh, zerstörte eine riesige Mure zwei Häuser im Weiler Gassen in St. Veit im Defereggental. Sechs Tote waren zu beklagen – unter ihnen die 43-jährige Christine Stemberger und ihre 12-jährige Tochter Thekla. 50 Jahre nach der Hochwasser-Katastrophe, die neben St. Veit in ganz Osttirol verheerende Schäden anrichtete, haben die Gemeinde, der Verein Heimat Defereggen und die betroffenen Familien von Gassen eine Ausstellung mit dem Titel „50 Jahre nach der großen Flut“ organisiert, die am 5. September im Reimmichlsaal eröffnet wurde und bis 4. Oktober 2015 zu sehen ist.
Am Sonntag, 6. September, wurde im Weiler Gassen eine Feldmesse im Gedenken an die Verunglückten gefeiert und eine Gedenkstätte mit den Namen der toten Frauen gesegnet. Pfarrer Stefan Bodner zelebrierte den Gottesdienst, eine Bläsergruppe der örtlichen Musikkapelle gestaltete ihn musikalisch. Anschließend begrüßte Bgm. Vitus Monitzer die zahlreichen Gäste und Einheimischen sowie Vertreter der Politik, die an der würdigen Feier hoch über St. Veit teilnahmen. „Es macht sehr nachdenklich, hier an jenem Ort zu sein, wo vor 50 Jahren dieses schreckliche Unglück passiert ist. Die große Anzahl von interessierten Einheimischen und Gästen gestern bei der Ausstellungseröffnung im Reimmichlsaal und heute in Gassen zeigen, dass die Geschichte weitergelebt und auch weitergegeben wird“, so Monitzer.
In besonderer Weise begrüßte der Bürgermeister auch Vertreter des Bundesheeres. „Pioniere waren im September 1965 die Ersten, die der Feuerwehr und den vielen Freiwilligen bei den Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten geholfen haben. Dass heute Soldaten an dieser Gedenkfeier teilnehmen, zeigt die große Verbundenheit, die unsere Gemeinde auch heute noch mit dem Bundesheer pflegt“, freute sich der Bürgermeister.
Dr. Michael Huber, Historiker und Chronist mit St. Veiter Wurzeln, stellte den Weiler Gassen und die Katastrophe von 1965 in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang. Gassen sei ein kleines, beschauliches Dorf gewesen, das erst durch Katastrophen in den letzten 120 Jahren einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde – 1897 sind dort zum Beispiel mehrere Häuser abgebrannt. „Es kann davon ausgegangen werden, dass bis zu 100 Menschen auf Gassen wohnten. Genau weiß man die Bevölkerungszahl vom Jahr 1881, damals lebten 78 Personen hier, und zeitweise gab es sogar eine Schule“, so der Historiker.
Die Anfänge des Weilers ließen sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen. „Es gab damals hier auch die Schwaige Stemmering – von daher kommt der Name Stemberger. Im 17. Jahrhundert waren zahlreiche Einwohner von Gassen von der so genannten Ausweisung der Protestanten betroffen. Protestantisch gesinnte Menschen, die zu Hause die Bibel lasen, wurden damals von den Erzbischöfen von Salzburg ausgewiesen“, erzählte Michael Huber. Er erinnerte auch daran, dass sich die Bauernhöfe von Gassen in früherer Zeit keineswegs immer im Eigentum der Familien befanden. „Die Anwesen waren früher zu einem größeren Teil im Besitz der so genannten Grundherrschaft, im Falle von Gassen der Familie Lasser von Zollheim“, so Huber.
Nach dem historischen Rückblick und Zeitzeugengesprächen sorgten die „Rauterlis-Geschwister“ für die Verpflegung der zahlreichen TeilnehmerInnen an der würdigen Gedenkfeier.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images







