Spital Südsudan: Prekäre Situation aber Optimismus

Von einer äußerst dramatischen politischen Entwicklung im Südsudan wurde bei der Generalversammlung des Vereins „Osttirol für Jalimo/Mondikolok“ berichtet.

Die Vision und Initiative des Kinderfacharztes Dr. Franz Krösslhuber, im Südsudan ein Gesundheitszentrum zu errichten, entstand vor zehn Jahren. 2012 wurde der Verein „Osttirol für Jalimo“ gegründet. In Mondikolok – rund 20 Kilometer von Jalimo entfernt – wurde mit großzügiger Unterstützung aus Osttirol und den angrenzenden Regionen das Mondikolok Health Care Center  (MHCC) errichtet. Der medizinische Betrieb läuft seit rund zwei Jahren. Bei der Generalversammlung des Vereins am Donnerstag, 9. Februar, berichteten Obmann Dr. Franz Krösslhuber und Schriftführer Hans J. Themessl von einer dramatischen politischen Entwicklung im Südsudan in den letzten Wochen.

Dr. Franz Krösslhuber: „Ein Rückzug aus dem Südsudan ist für uns keine Alternative. Wir wollen in dem Gebiet auch Arbeitsplätze schaffen. Uns ist es wichtig, dass die Menschen Geld verdienen können, damit sie ihre Familien ernähren und die Kinder in die Schule schicken können.“

„Der Bürgerkrieg breitet sich immer mehr in den Süden des Landes – also auch in ,unsere‘ Region Kayo-Keji aus. Überfälle häufen sich, und es gibt immer mehr gezielte Morde. Die Männer schließen sich verstärkt den Rebellengruppen an. Die Flüchtlingswelle hat dramatische Ausmaße angenommen. Tausende Menschen flüchten täglich nach Uganda“, so Krösslhuber. Da auch immer mehr benachbarte Gesundheitseinrichtungen schließen, sei es zu einer Überlastung des MHCC gekommen. „Mit 30 bis 50 Patienten pro Tag haben wir gerechnet. An manchen Tagen sind aber bis zu 180 Menschen vor der Tür gestanden, viele davon sterbenskrank“, so der Obmann. Nachdem sich in den letzten Wochen die politische Lage zugespitzt habe, hätte sich eine Art „Massenpanik“ entwickelt. „Auch die Mitarbeiter unseres Spitals kommen aufgrund der äußerst schwierigen Situation nicht mehr ins Spital. Geblieben ist nur Missionar Erich Fischnaller. Wir mussten das Krankenhaus also vorübergehend schließen“, so der Obmann.

v.l.n.r.: Schriftführer Hans J. Themessl, Obmann Dr. Franz Krösslhuber, Obmann-Stv. DI Harald Haider, Kassier Mag. Hansjörg Mattersberger

Derzeit sei nicht abzuschätzen, wie es weitergeht. Wichtig sei die Leistungskooperation mit den Comboni Missionaren der Pfarre Lomin. „Ich war im Dezember selbst wieder vor Ort, flog aber zu Weihnachten nach Hause. Mit Missionar Erich Fischnaller, der als einziger noch im Gesundheitszentrum ist, bin ich ständig in Kontakt. Unsere Einrichtungsgegenstände und Gerätschaften konnten in Sicherheit gebracht werden“, berichtete Krösslhuber. Derzeit sei die große Frage, wann es mit der Betreuung der Patienten im Spital weitergehen könne. „Ich bin überzeugt, dass wir im Gesundheitszentrum wieder arbeiten werden. Geplant ist, dass wir im kommenden April mit zwei Hebammen vom Bezirkskrankenhaus in den Südsudan fliegen. Auch ich möchte unbedingt wieder selber vor Ort sein. Vor allem in der Betreuung von Schwangeren und Gebärenden haben wir viel vor. Wir wollen eine Mini-Intensivstation für Neugeborene und Kinder, einen Operationssaal sowie ein Personal- und Gästehaus errichten“, berichtete Krösslhuber.

Dr. Franz Krösslhuber im Kreis seines Teams vom Mondikolok Health Care Center

Kassier Mag. Hansjörg Mattersberger berichtete von einer „Hilfssensation“ in den letzten sechs Jahren. „Rund 630.000 Euro wurden gespendet. Etwa 380.000 Euro sind bisher für Bau und Einrichtung ausgegeben worden, 253.000 Euro stehen aktuell zur Verfügung“, so Mattersberger. Nach Ende der zweijährigen Funktionsperiode kam es auch wieder zu Neuwahlen im Verein. Es lag nur ein Wahlvorschlag vor. Dr. Franz Krösslhuber als Obmann, DI Harald Haider als sein Stellvertreter, Hans J. Themessl als Schriftführer und Mag. Hansjörg Mattersberger als Kassier wurden einstimmig wiedergewählt. Hans J. Themessl berichtete, dass auch im heurigen Jahr wieder einige Veranstaltungen geplant sind, deren Reinerlöse dem Verein zugute kommen. Da das Gesundheitszentrum in Mondikolok und nicht in Jalimo errichtet wurde, ist auch geplant, den Verein in „Osttirol für Mondikolok“ umzubennen.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: F. Krösslhuber, Osttirol für Jalimo, Osttirol heute/Mühlburger

10. Februar 2017 um