Soul Sisters of Retreat – Leben, das man schmeckt, riecht und spürt
Sie sind Weltenbummlerinnen, Gastgeberinnen und Sinnsucherinnen: Verena Ganzer aus Matrei in Osttirol und Sophie Engl aus Kötschach-Mauthen verbindet ihre Leidenschaft für Yoga, Reisen und sinnliche Kulinarik.
Der Duft von gerösteten Schlipfkrapfen und indischem Linsen-Dal lag Anfang August 2025 im Garten des Gailtaler Hofs in Kötschach-Mauthen in der Luft. Die Kinder hatten viel Spaß mit einem lustigen Gericht aus gesunden, nährreichen Lebensmitteln – optisch angerichtet wie ein Käfer. DJ Tim Mattersberger „AGNYA“ legte sanfte Beats auf.

Im Garten des Gailtaler Hofs hatte sich eine bunte Schar versammelt – neugierig, hungrig, offen. Es war kein gewöhnliches Fest, sondern ein kulinarisches Retreat unter freiem Himmel. Eingeladen dazu haben zwei Frauen, die wissen, wie man Menschen berührt: Verena Ganzer und Sophie Engl. „Wir kennen uns schon seit unserer Schulzeit, waren beide viel unterwegs, haben uns dank Instagram aber nie wirklich aus den Augen verloren“, erzählt Sophie Engl. Die Tourismusschule in Villach war ihr gemeinsamer Ausgangspunkt – doch erst Jahre später, über ihre Yoga-Leidenschaft und ihre Reisen, fanden sie wieder zueinander.

„Gemeinsam haben wir die Idee geboren, ein sinnliches Fest mit Kulinarik und Musik auf die Beine zu stellen“, erzählt Verena Ganzer, die in Matrei in Osttirol im Familienbetrieb Gasthof Sonne und Hotel Outside aufgewachsen ist. Nach Stationen in Gourmetrestaurants und einer Weltreise durch Spanien, Mexiko, Südostasien und Indien kehrte sie zurück – nicht nur um anzukommen, sondern um neu zu starten.
Verena beim Yoga …
In ihrem Projekt „SonnZeit” will Verena alles vereinen, was sie ausmacht: Yoga, Meditation, Brotbacken und achtsame Küche. „Ich bin ein Mensch, der das Leben spürt. Neugierig, mutig und voller Lust, es wirklich zu erleben – mit allen Sinnen“, sagt sie. Ihre Retreats sind keine Programme, sondern Einladungen. „Ich begleite nicht, um zu verändern, sondern um zu erinnern. Zu erinnern, wer du bist.“ In ihren Yoga- und Meditationseinheiten schafft sie Räume der Präsenz – getragen von Intuition, Tiefe und einem feinen Gespür für das, was gerade gebraucht wird.
… und auf ihrer Weltreise in Asien
„Bewegung, Atem und Stille verbinden sich zu einer heilsamen Erfahrung“, so die 30-Jährige. In ihrem Brotback-Workshop in Matrei wird geknetet, gelacht und verkostet. „Während das Brot im Ofen goldbraun bäckt, entsteht mehr als nur Nahrung – es entsteht Erinnerung an das Wesentliche“, philosophiert sie. Für Verena ist Brot ein Symbol für Heimat und Hingabe. „Du nimmst nicht nur ein Rezept mit, sondern das Gefühl, wie nährend Einfachheit sein kann.“
Sophie in Machu Picchu/Peru …
Sophie Engl hat ihre Wurzeln nie verloren, aber sie hat sie weit in die Welt hinausgetragen. Ein erster radikaler Tapetenwechsel führte sie nach Tansania, es folgten Stationen in den USA, in der Schweiz und Südamerika. Besonders das südamerikanische Land Kolumbien hat sie geprägt: „Ich lebte auf einem Berg, fast drei Kilometer Fußmarsch ins Tal, ohne Auto, mit Rucksack zum Einkaufen. Puristisch, echt, unverfälscht.“
… und in La Paz/Bolivien
Sophie tauchte in indigene Lebensweisen, in die regionale Küche, deren Einfachheit und tiefe Verbundenheit mit der Natur ein. Zurück im Gailtaler Hof, dem elterlichen Hotel in Kötschach-Mauthen, bringt Sophie heute ihre Erfahrungen ein – mit Konzepten, die Sinn stiften sollen. „Ich brenne für das Gastgeben, für Projekte und Konzepte, die Leben versprühen.“ Für sie sind es die Details, die zählen: „Dinge sollen einen tieferen Gedanken in sich tragen, größer gedacht werden.“ Die Nähe zu Italien, die kulturelle Vielfalt der Region und die Offenheit der Gäste inspirieren sie täglich. „Hier, direkt vor der Haustür, vermischen sich Kulturen ganz selbstverständlich.“
Sophie im Nationalpark El Cocuy in Kolumbien
Wenn Sophie und Verena gemeinsam einladen, entsteht mehr als ein Fest – es entsteht ein Raum für Genuss, Achtsamkeit und Begegnung. Beim Gourmet-Gartenfest verschmolzen so ihre kulinarischen und spirituellen Philosophien: Indisches Linsen-Dal traf auf Frühlingsrollen, gefüllt mit Osttiroler Getreide, in der Feuerpfanne wurden Osttiroler Schlipfkrapfen gebraten und später mit Fichten-Sauerrahm-Dip serviert.
Verena in New York
„Essen ist für mich eine Einladung zu Genuss, Achtsamkeit und Verbindung“, meint Verena. Ihre Küche ist vegetarisch, vegan, regional und individuell abgestimmt – auf Wunsch glutenfrei oder ayurvedisch. „Ich kreiere Gerichte, die Körper, Geist und Seele nähren.“ Was die beiden verbindet, ist mehr als eine Freundschaft. Es ist eine Haltung: sinnlich leben, nachhaltig denken, achtsam handeln. „Gut Ding braucht Weil“, sagt Verena abschließend. Und Sophie ergänzt: „Vielfalt ist nicht nur in der Ferne zu finden, sondern auch direkt vor der Haustür.“

Das Gourmet-Gartenfest war ein Anfang. Eine Einladung, das Leben zu schmecken, zu riechen, zu spüren. Mit allen Sinnen. Und mit zwei Frauen, die zeigen, wie das geht – mit Herz, Hingabe und einer Vision, die Genuss und Achtsamkeit miteinander verbindet.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: KLZ/Traussnig, privat


