Sonnenuhren – mehr als ein flüchtiger Blick auf die Uhr

Sonnenuhren stehen im Mittelpunkt eines Vortrages zum Thema „Erlebnis Astronomie – Die Sonne und die Zeit“ am 15. Mai 2014 in der Stadtbücherei in Lienz.

Sonnenuhren zählen zu den ältesten und wichtigsten Erfindungen des Menschen, ihre Geschichte reicht mehr als 4 000 Jahre  zurück. Obwohl man sie heute zur Messung der Zeit nicht mehr benötigt, sind sie aus unserer modernen Welt nicht verschwunden. Vielmehr ist das Interesse an diesem Kulturgut in den letzten Jahrzehnten wieder angewachsen, in vielen Ländern schlossen sich Vereine und Gesellschaften zusammen, die sich der Pflege, Erhaltung und Neugestaltung von Sonnenuhren widmen. In Österreich wurde vor 24 Jahren der Arbeitskreis Sonnenuhren der Österreichischen Astronomischen Gesellschaft ins Leben gerufen, der regelmäßige Tagungen abhält und Kataloge der noch vorhandenen und neuer Sonnenuhren publiziert. Im Bezirk Lienz gehören mit Heinrich Stocker, Hans Michael Salcher, Michael Rohracher und Hugo Innerkofler vier Sonnenuhren-Begeisterte dieser Gesellschaft an.

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„Sonnenuhren weisen uns die Zeit auf eine ganz besondere Weise, nicht nur deshalb, weil ein Blick auf diese Uhren sich nicht in Sekundenschnelle erledigen lässt. Da muss man schon genauer hinsehen, wo der Schatten des Zeigers hinfällt!“, meint der Asslinger Heinrich Stocker. Ihn fasziniert an der Materie die universelle Beschäftigung mit verschiedensten Bereichen der Wissenschaft: „Sonnenuhren sind ein bedeutendes Stück Technikgeschichte. Sie demonstrieren eindrucksvoll die hohen handwerklich-technischen und künstlerischen Fähigkeiten der Erbauer sowie insbesondere deren mathematisches und astronomisches Wissen. Sie stellen ein beachtenswertes Kulturgut dar, das nicht nur den Künstler, den Handwerker oder den Naturwissenschaftler, sondern auch den Kulturhistoriker anspricht.“ Die Faszination „Sonnenuhr“ lässt den Pensionisten, der früher bei der TIWAG als Informationstechniker tätig war und auch Obmann des Fischereivereines Osttirol ist, seit rund 20 Jahren nicht mehr los. Als Sonnenuhr-Liebhaber ist für ihn die Zeit natürlich mehr als nur ein monotoner Ablauf von Stunden und Minuten oder ein flüchtiger Blick auf die Uhr. Stocker hat auch rege am „Katalog der ortsfesten Sonnenuhren in Österreich“ mitgearbeitet, an einer Publikation, die inzwischen als systematische Sammlung von mehr als 3 300 Sonnenuhren zu einem wichtigen Nachschlagewerk avanciert ist. Aus diesem Grund weiß er auch ganz genau, wo man in Osttirol Sonnenuhren-Objekte entdecken kann. Stocker: „Im Bezirk gibt es rund 70 Sonnenuhren. Die größte findet man im Schwimmbad in Thal, die älteste aus dem Jahre 1559 in Nußdorf  und die außergewöhnlichste auf einer SAT-Schüssel in Debant.“

Im Rahmen seines Vortrages im Veranstaltungsraum der Stadtbücherei Lienz am Donnerstag, 15.5., um 19.00 Uhr (Eintritt frei) wird Stocker, der derzeit auch im Rahmen eines Interreg-Projektes Kinder aus Süd- und Osttirol beim Bau von ungewöhnlichen Zeitmessern begleitet, dem Publikum die Grundlagen von (Berg-)Sonnenuhren und ihre Geschichte näher bringen. Außerdem wird der Referent Interessierten Wege zur Errichtung einer eigenen Sonnenuhr mit Konstruktionsrichtlinien, Bauarten und weiterführender Literatur aufzeigen.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Osttirol heute

06. Mai 2014 um