Sillian: Begegnungen mit Bischof Hermann Glettler
Diözesanbischof Hermann Glettler lud im Rahmen der Dekanatstage auch zu einem Medienfrühstück in das Sillianer Pfarrhaus. Diese Einladung nahmen wir sehr gerne an.
Am 2. Dezember 2017 wurde der Steirer Hermann Glettler zum neuen Diözesanbischof von Innsbruck geweiht. Seine offizielle „Rundreise“ durch die Diözese startete er Mitte Jänner mit den Dekanatstagen in Innsbruck. Bereits die zweite Station führte ihn am vergangenen Wochenende in das Dekanat Sillian. Am Samstag, 27. Jänner, erfolgte der Empfang unter Teilnahme zahlreicher Bürgermeister sowie der Musikkapellen und Schützenkompanien von Heinfels und Sillian. Am Sonntag, 28. Jänner, zelebrierte Hermann Glettler um 10.00 Uhr den Dekanatsgottesdienst in der Pfarrkirche Sillian. Zwischen den offiziellen Terminen gab es viele Gelegenheiten, den neuen Bischof persönlich kennenzulernen. Sonntagfrüh lud Hermann Glettler Medienvertreter zu einem Frühstück in das Sillianer Pfarrhaus. Wir nahmen diese Einladung sehr gerne an und bringen hier Auszüge aus dem äußerst inspirierenden Gespräch mit dem Bischof.
Über die Dekanatstage
Ich möchte im Rahmen der Dekanatstage Tirol kennen lernen, und die Tirolerinnen und Tiroler sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, ihrem neuen Bischof zu begegnen. Es freut mich sehr, dass mich meine zweite Station bereits nach Osttirol führt. Hier im Dekanat Sillian erlebe ich eine noch sehr lebendige Volkskirche. Mit den Seelsorgeräumen gibt es natürlich große Herausforderungen. Es geht dabei um eine neue Art, Verantwortung zu übernehmen. Hier übernehmen viele Frauen und Männer Koordinationsarbeit, vor allem auch die PastoralassistentInnen. Es ist sehr ermutigend für mich, hier im Dekanat Sillian zu sehen, wie diese Vernetzungsarbeit funktioniert.
Über seinen Auftrag als Bischof
Meine erste Aufgabe sehe ich darin, die Freude des Ursprungs in der Nachfolge Jesu Christi frisch zu halten. Tirol ist ein Land mit starker Glaubenstradition. Die Kirche ist aber auch hier großen Veränderungen ausgesetzt. Die Kirche ist nicht für sich selbst da, sondern für den Dienst an den Menschen. Für Einheit zu sorgen und Trost zuzusprechen, sind weitere wichtige Aufgaben. Wir müssen uns den Herausforderungen der Zeit zuversichtlich stellen. Der Glaube mobilisiert Kräfte. Hier in Osttirol sehe ich Herausforderungen besonders auch in der wirtschaftlichen Entwicklung und in Sachen Abwanderung. Wir dürfen uns aber niemals in einen negativen Sog hineinziehen lassen. Wir Priester sehen unsere Aufgabe besonders auch darin, den Menschen Mut zuzusprechen.
Über seine Wahrnehmungen im Dekanat Sillian
Ich erlebe hier in Osttirol eine sehr lebendige Volkskirche. Der Empfang mit Schützen und Musikkapelle hat gezeigt, dass hier die Tradition noch hochgehalten wird. Es geht mir vor allem darum, das Herdfeuer des Glaubens zu hüten, vielleicht auch neu zu entfachen. Der Glaube gibt dem Leben von Innen her Wärme. Wir sollten Bewährtes bewahren und manches auch in Frage stellen. Hier in Sillian sind die Jugendgruppen in den Pfarren sehr aktiv. Ich denke hier zum Beispiel auch an die Rockmesse. Natürlich gibt es eine gewisse Spannung zwischen Tradition und Moderne. Es geht hier glaube ich um die Fragen: Wo gehöre ich hin? Wo finde ich Heimat im guten Sinn?
Über Politik
Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die politisch Verantwortung übernehmen. Sie investieren sehr viel Energie, um zu gestalten und für das Gemeinwohl da zu sein – vor allem auch die Bürgermeister, von denen ich jetzt hier in Osttirol einige kennenlernen durfte. Politisch verantwortlich ist für mich jeder Bürger.
Über seinen Wahlspruch „Geht-heilt-verkündet“
Es geht darum, in Bewegung zu bleiben und auf Menschen zuzugehen – vor allem auch auf jene, die mit der Kirche vielleicht nichts mehr zu tun haben wollen. Ich will solche Menschen wieder in die Mitte nehmen. Ich denke hier an junge Menschen, aber auch an Geschiedene oder Menschen in zweiter Ehe. Trennungen sind heute in vielen Familien Realität. Ich habe eine Skizze im Kopf, wie wir zum Beispiel Menschen in zweiter Ehe aktiv Begleitung anbieten können. Ab der Fastenzeit 2019 werden wir einen solchen Weg unter dem Motto „Neu beginnen“ anbieten. Außerdem werden wir im nächsten Jahr auch damit anfangen, ein Netzwerk von kleinen pfarrlichen Gruppen aufzubauen. Es soll eine Art „Kirche in der Nachbarschaft“ werden. Der Austausch über das Wort Gottes und soziale Aspekte sollen hier zusammengeführt werden.
Über Kunst und Kultur
Ich habe eine Zeitlang Kunstgeschichte studiert und bin bekanntlich auch selbst in diesem Bereich aktiv. Der Virus der Kunst lässt einen natürlich nicht mehr los, aber meine erste Mission ist es jetzt, Bischof und Priester und damit für die Tirolerinnen und Tiroler da zu sein.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Osttirol heute/Mühlburger

















