Sigisbert Mutschlechner: Musik und Kultur im Südtiroler Pustertal als Herzensanliegen
Sigisbert Mutschlechner ist Musiklehrer und Vize-Direktor an der Musikschule Bruneck, Kapellmeister der MK Toblach und Präsident der Stiftung Euregio Kulturzentrum Toblach.
Aufgewachsen ist Sigisbert Mutschlechner, Jahrgang 1977, in Olang, wo er über seinen Vater schon sehr früh mit der Musik in Berührung kam. „Mein Vater engagierte sich mit großer Begeisterung als Mitglied der Musikkapelle Peter Sigmair in Olang und begann schon früh, meine musikalische Neigung zu fördern. Mit vier Jahren durfte ich den ersten Kurs in der Musikschule Bruneck besuchen. Mein erstes Interesse galt dem Schlagzeug, also jenem Instrument, das auch mein Vater gespielt hat“, blickt er zurück.
Im Alter von neun Jahren spielte Sigisbert erstmals bei der Musikkapelle Olang mit. „In dieser Zeit war die Musik bereits mein ständiger Begleiter, und so beschloss ich, nach der Mittelschule das Konservatorium in Innsbruck zu besuchen, um dort Schlagwerk, Orgel und Dirigieren zu studieren. Einer meiner Lehrer war der Osttiroler Florian Pedarnig, der damals am Innsbrucker Konservatorium unterrichtete. Er hat mich im Fach Dirigieren stark unterstützt. Später konnte ich bei Thomas Doss am Konservatorium Bozen das Bachelor-Studium im Fach Blasorchesterleitung absolvieren.“

Der Pustertaler erzählt, dass er nach seiner Ausbildung sehr wohl mit dem Gedanken gespielt habe, Südtirol zu verlassen und in einem großen Orchester mitzuwirken oder sogar Orchesterdirigent zu werden. „Die Musikstadt Wien hat mich immer schon fasziniert“, so Mutschlechner. Er arbeitete schon während seines Studiums in der Musikschule Bruneck mit. „Der Kontakt mit jungen Leuten und generell mit Menschen, die begeistert von der Musik sind, hat mir sehr gefallen – und so entschied ich, den Berufsweg des Musiklehrers zu beschreiten.“
Zwölf Jahre lang war Mutschlechner Landeskapellmeister von Südtirol und damit ehrenamtlich für die Aus- und Weiterbildung der Kapellmeister zuständig. Heute betreut er die Kapellmeisterausbildung an der Musikschule Bruneck und das Jugendblasorchester im Bezirk Bozen des Verbandes Südtiroler Musikkapellen. An der Musikschule unterrichtet er auch das Fach Blasorchesterleitung mit derzeit 15 SchülerInnen. „Mir bedeutet der Austausch mit den jungen Menschen sehr viel. Die Jugendlichen in ihrer musikalischen und auch persönlichen Weiterentwicklung zu fördern, ist eine Investition in die Zukunft.“ Ebenso wie der Kalser Martin Gratz ist Sigisbert Mutschlechner auch für das „Süd-Osttiroler Blasorchester 40+” tätig, dem aktuell etwa 90 MusikerInnen der Musikbezirke Bruneck, Lienzer Talboden, Iseltal und Oberland angehören.
2012 übernahm Sigisbert Mutschlechner die Funktion des Kapellmeisters der Musikkapelle Toblach.
Im Jahr 2012 hat er die Funktion des Kapellmeisters der Musikkapelle Toblach übernommen. Der Klangkörper zählt 84 MusikerInnen, davon ca. ein Drittel Frauen. „Eine Musikkapelle ist für mich wie ein kleines Dorf, in dem Menschen aller Alters- und Berufsgruppen leben. Für das soziale Gefüge im ländlichen Raum sind diese Vereine äußerst wichtig. Man tauscht sich bei den Proben, Ausrückungen und Veranstaltungen über vieles aus – nicht nur über die Musik. Neben dem Obmann trägt vor allem auch der Kapellmeister eine große Verantwortung. Unsere Mitglieder möchten bei der Ausübung ihres Hobbys in der Freizeit gefördert werden, und viele Eltern erwarten, dass ihre Kinder in der Musikkapelle gut aufgehoben sind bzw. sich musikalisch weiterentwickeln können.“

Seit fünf Jahren engagiert sich der vielseitige Musiker als Präsident der Stiftung „Euregio Kulturzentrum Gustav Mahler Toblach-Dolomiten“. Das Kulturzentrum ist im ehemaligen Grand Hotel, einem historischen Gebäude aus der k.u.k.-Zeit, untergebracht. „1877 errichtete die Südbahngesellschaft das Hotel Toblach – neben der Südbahn die wichtigste Infrastruktureinrichtung für den beginnenden Tourismus in den Dolomiten. 1974 übernahm die Autonome Provinz Bozen das Gebäude, nachdem es der italienische Staat bereits 1956 an die Region Trentino/Tiroler Etschland abgetreten hatte. In den 1990er-Jahren wurde das Gebäude mit dem Ziel, ein Kulturzentrum einzurichten, aufwändig umgebaut. Dieses ging 1999 in Betrieb. Heute sind hier auch die Musikschule Oberes Pustertal, ein Gästehaus mit 38 Zimmern sowie das Naturparkhaus Drei Zinnen untergebracht“, berichtet Mutschlechner.

Zu den Besonderheiten des Hauses zählen neben den Seminarräumen insbesondere der Gustav Mahler-Musiksaal mit rund 450 Sitzplätzen sowie der Spiegelsaal als repräsentatives Auditorium. „Mich hat die besondere Atmosphäre dieses Hauses schon immer fasziniert. Der Gustav Mahler Saal gehört ob seiner außergewöhnlich guten Akustik zu den besten Konzertsälen Europas. Vorbild beim Bau war übrigens der Große Saal des Wiener Musikvereins.“ Im Gedenken an den großen österreichischen Komponisten Gustav Mahler finden im Kulturzentrum in Toblach seit vier Jahrzehnten die Gustav Mahler-Wochen statt. „Mahler hielt sich im Jahre 1897 erstmals in Toblach auf. Von 1908 bis 1910 verbrachte er seine Sommerfrische in Toblach und schuf im Komponierhäuschen das ‚Lied von der Erde sowie seine 9. und 10. Symphonie.“

Die historischen Räumlichkeiten bieten während des ganzen Jahres einen stimmigen Rahmen für Konzerte, Theater, Vorträge, Tagungen, Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen wie Versammlungen, Hochzeiten und Bälle. „Der Fokus liegt aber ganz klar auf der Musik. Mit Kinderkonzerten und Crossover-Programmen versuchen wir, neue Publikumsschichten zu erschließen. Obwohl unser Kulturzentrum in der Peripherie liegt, besuchen unsere Veranstaltungen musik- und kulturbegeisterte Menschen aus ganz Südtirol und, was uns besonders freut, auch sehr viele Osttirolerinnen und Osttiroler. Das Kulturzentrum stellt einen großen Mehrwert für die gesamte Region dar“, betont der Präsident.
Sigisbert Mutschlechner und sein Team versuchen auch, Kulturvermittlung zu betreiben und arbeiten unter anderem mit dem Verein Anraser Pfleghaus zusammen. „In Sachen Kulturarbeit ist es uns ein großes Anliegen, das Kulturzentrum im Bewusstsein der Menschen noch stärker zu verankern. Durch die Einbindung der örtlichen Kultur- und Sozialvereine sowie verschiedener Bildungseinrichtungen konnten wir bereits eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen“, zeigt sich der Pustertaler abschließend überzeugt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, wisthaler.com