Russischer Bergsteiger aus Stüdlgrat gerettet

Dramatisch gestaltete sich die Rettung eines russischen Alpinisten, der gestern im Alleingang eine Winterbegehung des Großglockners gewagt hatte.

Am Vormittag des 9.1. war der russische Staatsangehörige lt. Polizeibericht gemeinsam mit einem Bekannten ohne Ski von Kals Richtung Stüdlhütte aufgestiegen. Knapp vor der Hütte musste sein Begleiter aufgrund körperlicher Beschwerden die Tour abbrechen. Der 36-Jährige nächtigte in der Folge alleine in der Stüdlhütte und setzte am nächsten Morgen seinen Aufstieg zum Stüdlgrat fort. Da er aber die technischen Schwierigkeiten des stark vereisten und verschneiten Grates unterschätzt hatte, kam er nur langsam weiter und musste in ca. 3600 m Seehöhe gegen 17.30 Uhr seinen Aufstieg stoppen. Knapp 200 Meter unterhalb des Gipfels verständigte er mit seinem Handy seinen Begleiter im Tal, der in der Folge den Notruf an die Leitstelle Tirol weiterleitete. Von dort aus wurde ein großer alpiner Rettungseinsatz initiiert, an dem sich 15 Männer der Bergrettung Kals, ein Bergrettungsarzt, zwei Alpinpolizisten sowie der Notarzthubschrauber Martin4 beteiligten. Mitgliedern der Kalser Bergrettung gelang es bei extremen äußeren Bedingungen mit starkem, eisigem Wind, nach Stunden, vom Gipfel des Großglockners über den Stüdlgrat zu dem Mann abzusteigen. Gegen 3.30 Uhr in der Nacht fanden sie den Russen unverletzt, aber stark geschwächt und unterkühlt auf und brachten ihn über den Grat bis zur sogenannte Schere am Teischnitzgletscher (3.037 m).

Von dort aus wurde der Russe, der nur mangelhaft ausgerüstet war, mit dem Rettungshubschrauber zur Stüdlhütte geflogen und dort von Dr. Josef Burger erstversorgt. Lt. Peter Tembler, dem Obmann der Kalser Bergrettung, erlitt der Mann nur eine starke Unterkühlung. Er wurde heute gegen 8.00 Uhr für weitere Untersuchungen mit dem Rettungshubschrauber Martin4 ins BKH Lienz transportiert. Bei dem Einsatz, der die Bergretter bis an die Grenzen ihrer Kräfte führte, wurde leider auch ein Bergrettungsmann verletzt. Er war beim Abstieg am Stüdlgrat mehrere Meter ins Seil gestürzt und musste ebenfalls ins BKH Lienz ausgeflogen werden.

Text: J. Hilgartner, Fotos: Brunner Images

11. Januar 2013 um