100 Jahre Reimmichl Volkskalender: Begleiter durchs Jahr feiert Jubiläum

In St. Veit i. Def. standen am Abend des 22.10. der bekannteste Sohn der Gemeinde, Sebastian Rieger, und sein Kalender im Mittelpunkt einer liebevoll gestalteten Präsentation.

„Schon seit vielen Jahren hab` ich den Plan, einen Kalender zu schreiben, und zwar einen richtigen Tiroler Kalender“, so schrieb Sebastian Rieger im Jahre 1920 zur ersten Ausgabe seines Volkskalenders. Heute, knapp 100 Jahre später, gibt es den beliebten Begleiter durchs Jahr, der seit 1924 den Namen seines Herausgebers trägt, noch immer – Grund genug für den Verlag Tyrolia und die Gemeinde St. Veit i.D. zur Präsentation des Jubiläumskalenders 2020 einzuladen.

 

Der Reimmichl-Brunnen im Ortszentrum von St. Veit ist weitum bekannt.

 

Über 90 geladene Gäste und Interessierte aus der Bevölkerung fanden sich am Dienstagabend, 22.10., im Reimmichl-Saal in St. Veit ein. Bevor Ortschef Vitus Monitzer die Begrüßung vornahm, gaben die Kinder der örtlichen Volksschule ein Lied zum Besten. Der St. Veiter Bürgermeister freute sich darüber, dass die Vorstellung des Jubiläumskalenders in der Heimatgemeinde Reimmichls stattfindet. „Wir sind sehr stolz auf den bekanntesten Sohn unserer Gemeinde, an den im Ort – nach ihm benannt – nicht nur dieser Saal, sondern beispielsweise auch die Reimmichl-Volksschule oder die Reimmichl-Schützen erinnern.“

 

 

Als nächster trat Gottfried Kompatscher, Leiter des Tyrolia Verlages, in dem der Volkskalender seit dem Tod Sebastian Riegers Jahr für Jahr erscheint, ans Rednerpult. Er betonte, dass 100 Jahre für ein Druckwerk eine lange Zeit seien. „Meine MitarbeiterInnen und ich sind heute sehr gerne hierher, in den Geburtsort Sebastian Riegers, gekommen, um nicht nur auf den Spuren Reimmichls zu wandeln, sondern auch um mit Ihnen hier vor Ort den Jubiläumskalender zu feiern. Die Ausgabe 2020 taucht in die Geschichte des Kalenders ein, blickt aber auch in die Zukunft – ganz im Sinne des Begründers, der vor knapp 100 Jahren nach eigenen Angaben `etwas Neues machen` wollte, um die Identität der Tiroler Bevölkerung nach der Teilung des Landes zu stärken.“ Auf die Grußworte Kompatschers folgte ein erneuter Auftritt der Mädchen und Buben der Volksschule. Sie brachten das Stück „Die geheilte Frau“, basierend auf einem Text von Reimmichl, zur Aufführung und ernteten dafür viel Applaus.

 

 

Den Beitrag der Kinder lobte auch die Journalistin Birgit Drewes, die seit drei Jahren als Schriftleiterin des „Reimmichl-Kalenders“ tätig ist. Sie informierte über den Inhalt der Jubiläumsausgabe und verwies u.a. auf AutorInnen, die sich mit der Geschichte des Kalendergründers oder einer Spurensuche in St. Veit beschäftigen, auf kulturelle Beiträge (etwa zu Tiroler Handwerk, Gipfelkreuzen), auf Texte zu Hospiz und Inklusion oder zur Botschaft der Natur oder auf Geschichten von Reimmichl und – last, but not least – auf das bewährte, sehr ausführliche Kalendarium mit liturgischen, bäuerlichen und bürgerlichen Daten, Wettersprüchen, Lostagen, Himmelserscheinungen und Bräuchen.

 

 

Für einen sehr unterhaltsamen Programmpunkt sorgten zum Abschluss des Abends der St. Veiter Bürgermeister Vitus Monitzer als „Reimmichl“ und Andreas Stemberger in der Rolle des Südtiroler Komponisten Vinzenz Goller, eines Zeitgenossen von Sebastian Rieger, der dessen Text „Tirol isch lei oans“ einst vertont hat.

 

 

Gemeinsam mit den VolksschülerInnen sangen die beiden auch das Lied, das oft als „geheime“ Hymne Tirols bezeichnet wird. Der Abend klang bei anregenden Gesprächen am Buffet und mit der Möglichkeit, den Reimmichl Volkskalender 2020 zu erwerben, gemütlich aus.

 

Seit der ersten Ausgabe des Kalenders sind knapp 100 Jahre vergangen! 1920 erstmals erschienen, trägt der Kalender seit 1924 den Namen seines Herausgebers. Reimmichl Volkskalender – so heißt er bis heute. Seit dem Jahr 1922 zieren die drei Sternsingerbuben des Haller Bildhauers Josef Bachlechner seinen Umschlag.

 

Reimmichl Volkskalender 2020
Die Jubiläumsausgabe
ISBN-Nr. 978-3-7022-3764-6
132 Seiten, Euro 15,00
Erhältlich unter www.tyrolia-verlag.at

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol heute

23. Oktober 2019 um