Projekt Jalimo: Spitalsbetrieb voll angelaufen
300 bis 500 PatientInnen pro Monat werden im Mondikolok-Health-Care-Centre inzwischen versorgt – Verein „Osttirol für Jalimo“ berichtete bei Generalversammlung.
Der Lienzer Kinderarzt Dr. Franz Krösslhuber, der ehemalige Osttiroler Amtsarzt Dr. Peter Kraler und Hans Themessl aus Tristach arbeiten seit Jahren mit ihrem Sozialverein „Osttirol für Jalimo“ an einem Hospital-Projekt im Südsudan. Nicht ganz die Hälfte der 106 Vereinsmitglieder folgte am Dienstag, 10. November 2015, der Einladung zur Generalversammlung in den Saal der Volksbank Osttirol-Westkärnten. Obmann Franz Krösslhuber berichtete vom Abschluss der ersten Baustufe des Mondikolok-Health-Care-Centres (MHCC) und von der Anlieferung medizinischer Ausrüstung aus Österreich in Containern. Gemeinsam mit Dr. Jakob Krösslhuber und Dr. Rudi Unterweger ist er im 3. Quartal 2014 in den Südsudan und nach Uganda gereist, um einerseits den Baufortschritt zu beurteilen und andererseits Möglichkeiten bezüglich einer Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Moyo/Uganda zu erörtern. „Das MHCC ist ideal in das Gesundheitssystem des Südsudan eingebunden, es genießt hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Vor allem nach Aus- und Fortbildung in den Bereichen Kinderheilkunde, Geburtshilfe und Labor herrscht große Nachfrage, eine Kooperation mit dem Krankenhaus von Moyo lässt sich derzeit aus politischen Gründen leider nicht realisieren“, so Krösslhuber in seinem Bericht.
Beim Aufenthalt des Obmannes im ersten Quartal des heurigen Jahres im Südsudan wurden Arbeits- und Betriebsgenehmigung vom Gesundheitsministerium in Juba erteilt sowie eine Zusammenarbeit mit dem Mundari-Hospital in Wudu fixiert. „Die neuen Gebäude wurden fertiggestellt und das Personal an den medizinischen Geräten eingeschult. Im März wurde der medizinische Betrieb in den neuen Gebäuden mit Untersuchungen, Labor und Ultraschall dann gestartet“, berichtete Krösslhuber. Einen Rückschlag gab es kurz danach. Aus Geldmangel wurde nämlich die staatliche Unterstützung für das MHCC eingestellt. Auch andere Gesundheitseinrichtungen sind betroffen. „Wir haben zähe Verhandlungen geführt, um zumindest noch ein wenig finanzielle Unterstützung zu bekommen. Der medizinische Betrieb läuft inzwischen gut. 300 bis 500 PatientInnen werden pro Monat von zwei Krankenschwestern, einem Laboranten und medizinischen Hilfskräften versorgt“, so der Obmann. Eine Ausbildungskooperation mit einer Hebammen-, Schwestern- und Laborantenschule wurde vereinbart. Zuletzt stellte man eine Hebamme ein und begann mit der Schwangerenbetreuung. Eine Geburtenstation wurde eingerichtet.
Schriftführer Hans Themessl berichtete von den vielen Fundraising-Aktionen für das Hospital-Projekt im Südsudan. „Am 25. Oktober 2014 hat Extrembergsteiger Peter Ortner mit seinem Multivisionsvortrag Neuland das Publikum begeistert, und ein namhafter Geldbetrag für unser Projekt konnte damit eingespielt werden. Zahlreiche private InitiatorInnen, Gemeinschaften, Firmen, Schulen und Vereine unterstützen uns, organisierten etwa Advent- und Weihnachtsbasare und spendeten den Erlös für unser Hospital in Afrika“, freute sich Themessl. Eine spontane Initiative zweier Mädchen aus Matrei erwähnte er ganz besonders. „Cornelia und Selina erzählten bei ihrem Sommeraufenthalt auf der Alm zufällig vorbeikommenden Wanderern von unserem Projekt und sammelten die stolze Summe von 139,71 Euro für das Krankenhaus“, berichtete Hans Themessl von einer tollen Idee. Am Donnerstag, 26. November, findet im Holunderhof ein Charity-Dinner statt, den das Ensemble Osttirol musikalisch begleiten wird. Der Erlös aus diesem Abend kommt ebenfalls „Osttirol für Jalimo“ zugute.
Die Vereinsfunktionäre haben für das nächste Jahr viel vor. Die Geburtenstation und der stationäre Bereich mit 15 Betten sollen in Betrieb gehen, weitere Hebammen und Krankenschwestern eingestellt werden. Abhängig von den finanziellen Möglichkeiten sollen Personal- und Gästehäuser sowie ein Büroraum errichtet werden. Man will ein Ambulanzfahrzeug anschaffen und Fahrradanhänger nachbauen. „Medizinische Ausrüstung für Überwachung und Therapie im Mutter-Kind-Zentrum wird noch gebraucht, und außerdem wollen wir eine Blutbank einrichten. Es gilt, die hohe Müttersterblickeit zu bekämpfen und den vielen schwerkranken Kindern zu helfen“, fasste Franz Krösslhuber abschließend zusammen.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Kraner, Osttirol für Jalimo


