Pinzgauer Mundart trifft auf historische Bilder

Mit seinen Mundartgedichten möchte Hansjörg Voithofer aus Bramberg nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Die Fotos zu seinem zweiten Gedichtband steuerte der Mittersiller Walter Reifmüller bei.

Den Pinzgauer Dialekt und die Historie der Region zu bewahren – das ist das gemeinsame Anliegen des land- und forstwirtschaftlichen Facharbeiters Hansjörg Voithofer und des Mittersiller Alt-Bürgermeisters Walter Reifmüller. Hansjörg hat kürzlich sein zweites Buch mit Mundartgedichten veröffentlicht. „Der Erfolg meines ersten Gedichtbands ermutigte mich, weiterzumachen. Meine Gedichte fanden Anklang. Ich möchte mit ihnen unterhalten, gleichzeitig die Leser aber in frühere Zeiten zurückversetzen und vor allem auch Emotionen wecken“, betont er. Bei einer Lesung im Seniorenheim Gastein habe eine Frau sogar geweint.

 

 

„Besonders freut es mich, wenn ich höre, dass sich jüngere Menschen z.B. zu Weihnachten gegenseitig aus dem Buch vorlesen.“ Die Liebe zum Schreiben entdeckte der Bramberger, der weit über den Pinzgau hinaus als erfolgreicher Ranggler und Trainer bekannt ist, vor sechs Jahren. Anfangs verfasste er ausschließlich Liedtexte, wovon einige bereits vertont wurden. Hansjörg ist es ein großes Anliegen, den alten Pinzgauer Dialekt am Leben zu erhalten. „Viele junge Menschen, aber auch Angehörige meiner Generation kennen die alten Dialektwörter nicht mehr. Oft stelle ich mir die Frage, ob es nicht genau der Dialekt ist, der unsere Heimat widerspiegelt und uns ausmacht. Für mich ist die Mundart nicht nur ein Zuhause, sondern vor allem auch ein ideeller Wert.“

 

 

Schon in seinem ersten Buch schrieb der 35-Jährige über das Leben im Pinzgau – über die Arbeit am Bauernhof, im Wald und auf der Alm, aber auch über die Liebe, das Brauchtum und traditionelle Feierlichkeiten. In seinen Gedichtbänden findet sich auch so manch Humoristisches und Kritisches. „Mit meinen Mundartgedichten möchte ich auch zum Nachdenken anregen. Ich setze mich z.B. mit existenziellen Fragen wie Leben und Tod auseinander und nehme Bezug auf Entwicklungen der heutigen Zeit.“

 

 

In seinem neuen Band hat der Autor erstmals auch Gedichte auf Hochdeutsch veröffentlicht. „Hansjörg Voithofer zeigt, dass er mit Geschichte, mit unserer Geschichte, umgehen kann. Und mit unseren Geschichten. Witzig, launisch und manchmal ernst. Aber immer treffend. Der Mundartdichter ist ein Meister seines Fachs“, so der Historiker Dr. Rudolf Leo im Vorwort zu „Pinzgauer Mundartgedichte II“.

 

 

Mit Walter Reifmüller hat Hansjörg Voithofer einen Partner gefunden, der sein neues Buch mit historischen Bildern bereichert. Seit Jahrzehnten sammelt und archiviert der Mittersiller Aufnahmen über den Pinzgau und das Leben der Menschen in früheren Zeiten. Von 1973 bis 1993 war Walter Reifmüller Bürgermeister von Mittersill und leitete später 20 Jahre lang den Museumsverein Felberturm. „Gerbert Lauth, mein Vorgänger als Obmann des Museumsvereins, hat alte Fotos gesammelt und eine umfangreiche Sammlung angelegt. Ich bearbeite diese Sammlung weiter“, erzählt Walter.

 

 

 

 

Das Sammeln, Sichten und Archivieren von Fotos und Glasplatten – mit diesen Arbeiten ist der 87-Jährige in seiner Pension stark beschäftigt – so wird die „Sammlung des Museumsvereins Mittersill“ laufend größer. „Immer wieder stellen uns Menschen Fotos zur Verfügung. Schade ist, dass viele alte Bilder einfach weggeworfen werden. Wir haben die Mitarbeiter des Recyclinghofs gebeten, dass sie uns alte Fotos weiterleiten, wenn sie solche entdecken. Bei der Digitalisierung ist mir ein Mitarbeiter der Gemeinde eine große Hilfe“, erzählt Walter. Er stellt die historischen Bilder gerne auch kostenlos zur Verfügung, wenn diese etwa für Veröffentlichungen, Chroniken, Festschriften oder Ausstellungen benötigt werden.

 

 

Walter ist selbst ein begeisterter Fotograf und hat inzwischen auch ein Archiv mit jeder Menge Privataufnahmen angelegt. „Eines meiner Hobbys ist das Bergsteigen. Ich liebe es, Fotos von unserer wunderschönen Natur anzufertigen.“ Der Mittersiller stellt für sich privat Fotobücher her und liefert regelmäßig Beiträge für die Gruppe „Historischer Pinzgau“ und für den „Pinzgau Foto Blog“ auf Facebook. Im Rahmen des „Museums-Stammtisches“ hält er Vorträge über historische Themen und recherchiert mit großer Leidenschaft in alten Schriften und Urkunden. „Mir ist es ein großes Anliegen, dass die kulturellen Schätze des Pinzgaus nicht verloren gehen. Hansjörg Voithofer leistet mit seinen Mundartgedichten und Veröffentlichungen einen wichtigen Beitrag dazu“, so Walter Reifmüller abschließend.

 

 

Aus „Pinzgauer Mundartgedichte II“ von Hansjörg Voithofer

Heimatland

Du, Heimatland der großen Taten.
Ist das alles nicht ein Schein?
Kannst du auch in all den Jahren
dir da wirklich sicher sein?
Gingst du nicht an manchen Tagen
einen leichten, angenehmen Weg?
Was ist die rot-weiß-rote Fahne,
wenn nicht Vertrauen in ihr steht?

Hoiz geh Toi

Hoiz geh Toi oder hob auf.
Des hod a Hoizknecht glei drauf.
Owa ban Beißn und ban Ho zom,
do kennst an Guadn va an Letzn vanon.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller, Sammlung Museumsverein Mittersill – OSR G. Lauth/W. Reifmüller

20. Juli 2024 um