Traditionelle Almwirtschaft und eine besondere Rinderrasse
Auf dem Peintnerhof in Innervillgraten züchtet Familie Mair Zebu-Rinder. Die Tiere der ursprünglich aus Asien stammenden Rinderrasse verbringen das halbe Jahr auf der Alm.
Die Geschichte des „Peintnerhofes“ reicht weit zurück. Die urkundliche Erwähnung einer Kirche in der unmittelbaren Nachbarschaft in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist ein erster Hinweis auf die uralte Hofschaft. Der Name „Peintner“ leitet sich von „Beinhaus“ ab und deutet somit auf das einst hier bestehende Gotteshaus hin. Das bäuerliche Anwesen war anfangs sehr klein, wurde aber im Laufe der Zeit, von Generation zu Generation, durch Zukäufe vergrößert. Bis zum Jahr 1825 lautete der Familienname am Hof „Moosmann“. Mit der Heirat der Hoftochter mit Johann Mayr wechselte der Name auf „Mayr“. Die heute übliche Schreibweise „Mair“ hat sich seit ungefähr 1870 eingebürgert.
Das Wohnhaus des Peintnerhofes besteht seit 1832 und wurde seitdem nach und nach vergrößert und speziell in den letzten 30 Jahren grundlegend restauriert.

Die Täfelung der Stube ist ein historisches Highlight und reicht in ihrer Entstehungszeit bis ins Jahr 1833 zurück.
Bauer am Peintnerhof ist seit August 2020 Markus Mair. Der 32-Jährige hat im Vorjahr von seinem Vater Peter übernommen. Am Hof leben auch Markus Mutter Martha, seine Frau Alexandra und die beiden gemeinsamen Kinder Paula und Elias, zwei und fünf Jahre alt. Die Alt- und Jungbauern bewältigen die viele, teilweise harte Arbeit am Hof und auf der Alm gemeinsam. Beide Generationen halten fest zusammen und ergänzen sich. Das bäuerliche Anwesen, das seit 2010 die Auszeichnung „Tiroler Erbhof“ trägt und damit länger als 200 Jahre im Besitz derselben Familie ist, umfasst 15 Hektar Wiesen, 30 Hektar Wald sowie 220 Hektar Alm. Markus Mair ist wie sein Vater Vollerwerbsbauer – und das mit Leidenschaft. „Ich bin mit Leib und Seele Bauer, ohne diese Begeisterung ginge es nicht“, erklärt er und berichtet, dass ihm diese Einstellung schon sein Vater vorgelebt hat. Peter Mair, Jahrgang 1959, war es auch, der sich vor mittlerweile 19 Jahren dazu entschloss, am Hof mit der Zebu-Zucht zu beginnen. „Der Begriff ,Zebu‘ leitet sich vom tibetanischen Wort ,zeba‘ ab und bedeutet so viel wie Buckel“, informiert er. „Die Tiere dieser Rinderrasse mit auffälligem Buckel eignen sich hervorragend für die Almwirtschaft in Regionen wie dem Villgratental. Sie sind genügsam, widerstandsfähig, kommen auch mit unwegsamem, steilem Gelände gut zurecht und brauchen weniger Aufsicht als Fleckvieh. Zebus können 15 bis 18 Jahre alt werden. Wir halten die Tiere wegen ihres vorzüglichen Fleisches, das feinfaserig und fettarm ist und sich durch eine leichte Wildnote auszeichnet.“
Drei Generationen der Familie Mair am Peintnerhof im Osttiroler Villgratental
Die Wintermonate verbringen die rund 90 Zebus am Peintnerhof, die Zeit von Juni bis Ende Oktober/Anfang November – je nach Witterung – auf der Alm. „Aufgrund der enormen Schneemengen haben wir heuer etwas später aufgetrieben“, erzählt Markus, der sich die Betreuung der Tiere auf der Alm mit seinem Vater teilt. „Einmal pro Tag kontrollieren wir, ob alles passt.“ Die Fahrt mit dem Allradwagen auf den Berg lieben auch die beiden Kinder, oft begleitet von Mama oder Oma, die auf der Unter- und der Oberstalleralm nach dem Rechten sehen. Dort besitzt Familie Mair je eine Almhütte, die an Urlauber vermietet werden. „Die Gäste reservieren meist schon ein Jahr im Voraus“, lässt Alexandra Mair wissen und freut sich darüber, dass man heuer bis in den Herbst hinein ausgebucht ist.
Blick auf die Oberstalleralm in Innervillgraten
Pro Jahr werden rund 10 Zebus geschlachtet. „Wir versuchen, am Peintnerhof eine möglichst weitreichende Selbstversorgung zu erzielen. Die Milch unseres Fleckviehs verarbeiten wir zu Butter, Joghurt, Topfen und Käse, aus zwei hofeigenen Teichen beziehen wir frische Forellen und Saiblinge. Auch die Kartoffeln bauen wir selbst an“, führt Alexandra aus und betont die Qualität des Fleisches aus der hofeigenen Zucht, mit dem Familie Mair auch Gastronomiebetriebe in Südtirol beliefert. Auch Fische und andere am Hof erzeugte Lebensmittel gehen z.T. in den Verkauf. „Nicht zuletzt werden damit auch unsere Gäste versorgt, die in unserer Ferienwohnung am Peintnerhof urlauben“, so die Jungbäuerin. Das Leben der Bergbauernfamilie Mair ist, wie der Besuch am Hof und auf der Alm gezeigt hat, ein arbeitsreiches, aber sehr schönes – geprägt vom Alltag im Familienverband, vom Vorteil, eigene Entscheidungen treffen zu können, Selbstversorger zu sein und in unmittelbarem Kontakt zu Tieren und Natur leben und arbeiten zu können!

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Martin Lugger