Maestri Egger-Linie war wieder nicht bezwingbar
Auch der 16. Versuch von Toni Ponholzer, den Cerro Torre in Patagonien über die legendäre Maestri-Egger Linie zu besteigen, scheiterte aufgrund der Wetterverhältnisse.
Am 17. Jänner 2017 waren Toni Ponholzer und Peter Ortner abermals zu einer Patagonien-Expedition aufgebrochen. Die beiden Osttiroler Alpinisten wollten den Cerro Torre über die legendäre Maestri-Egger Route besteigen – für den 55-jährigen Kalser Bergführer Toni Ponholzer war es bereits der 16. Versuch. Doch das Wetter machte den beiden auch diesmal wieder einen Strich durch die Rechnung. Während ihres Aufenthaltes in Patagonien von 17. Jänner bis 7. Februar gab es nämlich in der Region kein einziges längerfristiges Schönwetterfenster. Ein solches braucht es aber, um die hohen Gipfel im Torre-Massiv zu besteigen. Der Weg vom Base Camp in El Chalten ist schon 25 km lang. Darauf folgen mehrere hundert Höhenmeter bis zum Einstieg in die Felswände. Erst dann startet die Kletterroute, die über 12 Stunden in Anspruch nehmen kann. Inklusive Abseilen und Abstieg dauert eine solche Tour also mindestens 20 Stunden, und körperliche Höchstleistungen sind erforderlich.
Toni Ponholzer am Cerro Solo
Ponholzer und Ortner machten es wie alle professionellen Bergsteiger und saßen nicht untätig im Base Camp herum. Sie kletterten kleinere Touren und kehrten um, wenn die Bedingungen zu gefährlich wurden. „Den Mut zur Umkehr aufzubringen ist oft schwieriger, als eine anspruchsvolle Wand zu klettern. Man muss aber die Zeichen sehen, die der Berg dem Alpinisten setzt“, so Toni Ponholzer. Bei einem Erstbegehungs-Versuch an der Aguja Bifida mussten die beiden Osttiroler fast zwei Stunden unter einem Felsüberhang ausharren, um sich vor Lawinen in Sicherheit zu bringen. Die Aguja Guillaumet (2.580 m) bestiegen sie bei Windgeschwindigkeiten von 150 km/h an einem Tag. Den Cerro Solo (2.221 m) kletterten gemeinsam mit den beiden Osttirolern zwei Bergsteiger aus dem Base Camp, die Peter Ortner bei seinem Projekt Climb&Fly unterstützten. Während Peter mit dem Gleitschirm in 20 Minuten ins Tal flog, dauerte der Abstieg der drei Kletterer über sechs Stunden.
Vereiste, eingeschneite Wände auf dem Weg zum Gipfel der Aguja Guillaumet, im Hintergrund zieht schon die nächste Schlechtwetterfront auf
An einem Tag bestiegen Ortner und Ponholzer den Torrissimo (ca. 2.500 m) erstmals über eine neue Route. In der Wand am Weg zum Gipfel beobachteten die beiden auch, wie sich am Cerro Standhardt eine Fels- und Eislawine löste und alle Zustiege zur Aguja Bifida abschnitt. Diese Route hatten sie vier Tage zuvor zurückgelegt. Das waren genug schlechte Zeichen für die beiden Alpinisten. Wegen der weiterhin schlechten Wettervorhersagen reisten sie früher als geplant, am 7. Februar, wieder nach Hause.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Peter Ortner