Osttiroler Jungbauernschaft/Landjugend lud zur großen „Zeitreise auf Rädern“ nach Lienz
Über 30 Ortsgruppen, vier Musikkapellen sowie Fahnenabordnungen aus allen Tiroler Bezirken nahmen am Samstag, 7. Juni, am großen Bezirksumzug unter dem Motto „Zeitreise auf Rädern – Hondgemocht aus Opas Zeiten“ teil.
Deicheln, Brecheln oder Schindeln – wer kennt sie noch, die alten Handwerkskünste vergangener Zeiten? Mit dem technischen Fortschritt drohen viele traditionelle Handwerkskünste in Vergessenheit zu geraten. Um dem entgegenzuwirken, haben sich die Jungbauern aus dem ganzen Bezirk Lienz zusammengefunden, um altes Wissen auf kreative und anschauliche Weise zu präsentieren.
Schon Wochen im Voraus wurde mit dem Bau der Wägen begonnen, es wurden alte Werkzeuge gesammelt, und die Omas und Opas wurden gefragt: „Jetzt erzählts amol, wie woa des domols?“

Der Festtag begann mit einer Heiligen Messe am Johannesplatz, zelebriert von Pater Martin. Anschließend begrüßte Bezirksobmann Maximilian Jans die Anwesenden, darunter zahlreiche Ehrengäste mit Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler an der Spitze.
Alte Fäden – neues Bewusstsein
Bezirksleiterin Birgit Preßlaber stellte in ihrer Rede den Bezug zum Wagen der Ortsgruppe Nußdorf her, der sich der Schafwollverarbeitung widmete: „Das Wissen über alte Handwerke ist wie ein dünner Faden am Spinnrad. Das Rad der Zeit dreht sich weiter und weiter. Geben wir zu wenig Acht, droht der Faden zu reißen, und das Wissen unserer Vorfahren geht verloren.“ Ihr Appell: sich Zeit nehmen zum Zuhören, Lernen und Weitergeben, um die Geschichte lebendig zu erhalten. In weiterer Folge ist auch ein Buchprojekt geplant, in dem das Wissen über die alten Handwerke und Fotos für kommende Generationen dokumentiert werden sollen.

Umzug voller Kreativität und Leidenschaft
Um 16.00 Uhr fiel der Startschuss für den Umzug – angeführt von der Bezirksjungbauernmusikkapelle Osttirol, die unter der Leitung von Leo Rogl und Lisa Steiger ein beeindruckendes musikalisches Zeichen setzte. Die Musikerinnen und Musiker stammten aus allen Ecken des Bezirks und vereinten sich zu einem klangvollen Auftakt.
Es folgten die Fahnenabordnungen der Tiroler Jungbauernschaft Landjugend, bevor die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Festwägen der Ortsgruppen das Publikum begeisterten. Körbe aus Haselnussstauden wurden geflochten, Besen gebunden, Heu gezogen und viele weitere historische Arbeiten gezeigt. Einige Gruppen sorgten zudem mit kleinen Showeinlagen für besondere Highlights – wie etwa die Ortsgruppe Thurn, die mit eigens gefertigten Holzrohren eine funktionierende Wasserleitung legte.

Neben dem Handwerk spielte auch die Kulinarik eine wichtige Rolle: Mit Mehlmus von der Ortsgruppe Innervillgraten, selbstgemachten Milchprodukten auf dem Wagen der ehemaligen Obleute und echtem Traditionsbier der Ortsgruppe Kals wurde den Gästen ein Stück gelebte Tradition serviert.
Abschlussfest am RGO-Areal
Der Umzug endete am RGO-Areal, wo ein großes Fest den Tag ausklingen ließ. Bezirksgeschäftsführer Lucas Ortner zeigt sich begeistert: „Wir sind überglücklich, dass so viele Besucher unserer Einladung gefolgt sind. Entlang der ganzen Strecke standen Zuschauer, die uns bejubelt haben – das macht uns als Veranstalter sehr stolz!“
Text: Redaktion, Fotos: Eduard Senfter