Osttiroler auswärts: Ein Matreier im Sonnenstaat Arizona
Auf der ganzen Welt gibt es OsttirolerInnen, die sich weitab der alten Heimat eine neue Existenz aufgebaut haben. Einer dieser „Weltenbummler“ ist der gebürtige Matreier Paul Asslaber.
Er lebt heute mit seiner Familie in einem Vorort von Phoenix. Uns hat er erzählt, wie es dazu kam, dass er sich aufmachte, die Welt zu erkunden, wohin ihn sein Lebensweg führte und warum er sich im Sonnenstaat Arizona niedergelassen hat.
Kindheit, Jugend und Lehrzeit
Paul wurde 1971 als drittes von fünf Kindern in eine Matreier Familie geboren und lebte bis zu seinem 15. Lebensjahr in der Iseltaler Marktgemeinde. Die schönen Erinnerungen an die Zeit mit seinen Brüdern Herbert, Karl und Christian, seiner Schwester Martina, den Eltern Paul und Waltraud und guten Freunden begleiten ihn bis heute. „Unsere Freizeit spielte sich damals hauptsächlich im Freien ab. Der große Renner am heimatlichen Klaunzerberg waren das gemeinsame Fußballspiel und das Skifahren.“ Nach Pflichtschule und Polytechnikum startete der junge Osttiroler eine Kellner-Lehre im Hotel Traube in Lienz. Die Berufsschule für Gastgewerbe absolvierte er im Nordtiroler Absam. „Die Lehrzeit war super“, blickt er auf diese Jahre zurück und meint lachend, dass er damals auch seine Leidenschaft für feines Essen und Trinken entdeckt habe. Nach der Lehre ging es zum Bundesheer, wo er im Rahmen seines Grundwehrdienstes einige Wochen Grenzschutzdienst im Burgenland ableistete.
Im Hotel Traube in Lienz hat Paul Asslaber die Lehre zum Kellner absolviert.
Abenteuerlust
Im Hotel Traube hatte Paul als Kellner-Lehrling Gäste aus aller Welt kennenlernen können. Ein Ehepaar aus der Schweiz bot ihm für die Wintersaison eine Stelle als Chef de Rang in einem 5-Sterne-Haus in Luzern an. Paul ergriff die Chance – und sammelte erste internationale Erfahrungen. Als ihm ein Arbeitskollege, der vom Hotel Traube direkt auf ein Kreuzfahrtschiff gewechselt hatte, eine Postkarte schickte und von seinen spannenden Reisen über die Weltmeere berichtete, weckte dies das Interesse des Matreiers. „Das Reisefieber packte mich – und so machte ich mich auf, die weite Welt zu erkunden.“ 1991 heuerte Paul bei der „Royal Caribbean Cruise Line“, einer US-amerikanischen Reederei, an. Mit einem kleinen Koffer und 100 US-Dollar in der Brieftasche ging es zunächst nach Miami und von dort weiter auf die Insel Puerto Rico. „Dort bestieg ich das damals 1.200 Passagiere und 600 Mitarbeiter fassende Luxus-Kreuzfahrtschiff M/S Song of Norway. Obwohl ich in Lienz und in Luzern bereits eigenverantwortlich gearbeitet hatte, musste ich auf dem Schiff wieder ganz von unten anfangen.“ Der Job als „Busboy“ war hart und sehr anstrengend. Umso mehr freute sich Paul, als er nach einiger Zeit und mit inzwischen deutlich besseren Englisch-Kenntnissen zum Kellner befördert wurde. Sechs lange, aber wunderbare Monate reiste Paul mit dem Kreuzfahrtschiff sprichwörtlich kreuz und quer durch die Karibik. Als er seinen wohlverdienten Urlaub antrat, war das Rückflugticket in die Heimat eigentlich schon gebucht. Kurzfristig entschloss er sich aber, nach British Columbia zu fliegen und dort seinen Onkel zu besuchen. „Die Wochen in Kanada habe ich sehr genossen und Destinationen wie Vancouver, Calgary, Lake Luise und Banff in den kanadischen Rockies für mich entdeckt.“ Am Ende der Auszeit stand der Weltenbummler vor der Entscheidung, ob er sein Engagement bei der Reederei verlängern sollte. Paul entschied sich dafür und war ein paar Tage später wieder an Bord der M/S Song of Norway.


Der Matreier war auf allen Weltmeeren unterwegs. Auf einem Kreuzfahrtschiff lernte er auch seine Laurie kennen.
Privates Glück und neue Wege
Dass er damit die richtige Wahl getroffen hatte, wurde dem Osttiroler etwas später klar, als er im Rahmen eines neuen Arbeitsvertrages auf einer stürmischen Atlantiküberquerung seine heutige Frau Laurie, das „Glück seines Lebens“, wie er betont, kennenlernte. Gemeinsam waren die beiden anschließend rund acht Jahre lang auf Schiffen verschiedener Reedereien tätig, wobei beide durchaus ihre Aufstiegschancen zu nutzen wussten. „Laurie brachte es bis zum Chief Purser und ich selbst besetzte die Position eines Assistant Hotel Managers. Unser letzter Vertrag führte uns auf die M/S Switzerland – und unsere letzte Kreuzfahrt auf eine 148-tägige Weltreise.“ Bereits in den Monaten zuvor hatten die beiden beschlossen, dem Seefahrer-Dasein den Rücken zu kehren und sich ein neues Leben auf dem Land aufzubauen. Im Wilden Westen der USA, in Arizona, starteten der „Tiroler Büa“ und das „Iowa Girl“ in ihr neues Leben. „Anfangs probierten wir es in der Luxus-Hotel-Branche, erkannten aber rasch, dass ein niedriger Verdienst bei sehr langen Arbeitszeiten nicht alles sein konnte. So wechselten wir in die damals boomende Immobilien-Branche“, berichtet Paul. 1998 erwarben sie die Immobilienmakler-Lizenz und begannen, als selbstständige Makler mit der Firma Keller Williams International zu arbeiten.
Erfolg im Berufsleben
Die Immobilienbranche beschreibt der Wahl-Amerikaner Paul als herausfordernd: „Die Konkurrenz ist riesig und der Markt hart umkämpft. Mit viel Geduld, sehr viel Arbeit, Freundlichkeit und unserem Motto `Never give up` gelang es uns jedoch schon im ersten Jahr, den begehrten Titel `Rookie oft the year` in unserem Bundesstaat zu gewinnen. Seitdem sind 25 Jahre vergangen und heute sind wir für den Kauf bzw. Verkauf von Immobilien in Höhe von rund 15 Millionen U$ pro Jahr verantwortlich. Die meisten Kunden stammen aus Empfehlungen und sich wiederholenden Geschäften. Persönlich kaufen und verkaufen Laurie und ich so zwischen fünf und sieben Einfamilienhäuser pro Jahr.“
Seit zwischenzeitlich 25 Jahren ist Paul Asslaber selbstständiger Immobilienmakler – und damit sehr erfolgreich.
Familie und Hobbys
Gemeinsam mit ihrem 2003 geborenen Sohn Maximilian („Max“) wohnt das Paar in Ahwatukee, einem Vorort der Millionenstadt Phoenix. Die Gemeinde mit rund 80.000 Einwohnern liegt am Fuße des South Mountain Parks, einem der größten städtischen Parks der USA. Wann immer es der Alltag erlaubt, unternimmt die Familie Wanderungen, geht zum Reiten oder genießt die Zeit auf dem eigenen Boot in San Diego/Kalifornien. Regelmäßig zieht es Paul und Laurie auch in ferne Länder, das Reisen hat es den beiden bis heute angetan.
Verbindungen zur „alten“ Heimat
Familiäre und freundschaftliche Bande nach Osttirol pflegt Paul bis heute. „Ich bin laufend in Verbindung mit meiner Mutter und meinen Geschwistern, halte aber auch den Kontakt zu einigen Jugendfreunden aufrecht. Es ist immer wieder eine `Gaude`, sich zu treffen und über alte Zeiten zu reden. Meine Eltern und zwei meiner Brüder waren bereits einige Male hier bei uns, ebenso auch einige alte Freunde.“ Er selbst schätzt an seiner alten Heimat vieles. Besonders vermisst er die Matreier Klaubauf-Zeit, die Prozessionen der Kranzl-Tage, die Mitternachtsmette in St. Alban, aber auch das gesellige Beisammensein in einer feinen Runde. „Wenn man in Österreich mit Freunden zum Essen geht, kann das oft bis in die späte Nacht dauern. So etwas gibt es in den USA nicht. Sobald man mit dem Essen fertig ist, signalisieren die Kellner, dass es Zeit ist, zu zahlen und zu gehen.“ Andererseits sei es die Offenheit der Amerikaner, die ihm imponiere, so Paul. „Hier kann man alles schaffen. Jeder treibt dich an und ist bereit, Risiken einzugehen und Chancen zu ergreifen. Amerika ist immer noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo man mit harter Arbeit, festem Willen und der ´I can do it´-Einstellung großen Erfolg haben kann.“

Die Frage, ob er sich vorstellen kann, auch für längere Zeit nach Matrei zurückzukehren, beantwortet er mit einem klaren Ja. „Ich habe nach wie vor die österreichische Staatsbürgerschaft. Der Gedanke, in Matrei vielleicht die Hälfte des Jahres zu verbringen oder im Ruhestand ganz zurückzukehren, gefällt mir. Laurie und Max wären sofort dabei. Sie lieben Osttirol, die Bergwelt, das Essen und die Leute. Ich habe mich schon des Öfteren nach einem alten Bauernhaus oder einem Grundstück in Matrei umgehört. Bis heute hat sich noch nichts ergeben. Ich bleibe aber dran und würde mich sehr freuen, wenn es klappt!“
Text: AK/EH, Fotos: © privat