Ort des Gedenkens, der Mahnung, der Hoffnung
Hunderte, darunter viele Kosaken aus aller Welt, nahmen heute, 1. Juni 2015, in Lienz an der offiziellen Einweihung der Kosakenkapelle in der Peggetz teil.
Auch wenn der eigentliche Anlass, das Gedenken an die Kosakentragödie an der Drau vor exakt 70 Jahren, ein trauriger ist, so war heute, 1. Juni 2015, bei der Einweihung der neuen Kosakenkapelle im Lienzer Ortsteil Peggetz unter Besuchern der Feier doch viel Positives, Hoffnung und Völkerverständigung über unterschiedliche Sprachen und Grenzen hinweg, spürbar. „Schön ist sie geworden, unsere Kosakenkapelle“, meinte die Lienzer Bürgermeisterin DI Elisabeth Blanik in ihrer Ansprache und bezeichnete das kleine, aber sehr gelungene Gotteshaus als einen tröstlichen Ort, an dem Angehörige von Kosaken aus aller Welt nun in einem geweihten Raum der Toten gedenken können.
Bgm. Elisabeth Blanik erinnerte an die Geschehnisse vor 70 Jahren, als sich die Stadt Lienz, die damals rund 8.000 Einwohner zählte, aber auch die umliegenden Gemeinden mit einem Tross von etwa 25.000 Kosaken, die im Lienzer Talboden gestrandet waren, konfrontiert sahen.
Mit Hinweis auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte in Österreich mahnte die Bürgermeisterin der Osttiroler Bezirkshauptstadt ein, dass die Hilfsbereitschaft von Menschen in Zeiten gemeinsamer Not oft eine wesentlich größere sei, als wenn Wohlstand nur auf einer Seite vorherrsche. Von einer Kapelle des „Gedenkens, des Mahnens, aber auch der Hoffnung“ sprach Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa, der als Vertreter des Landes Tirol an der Zeremonie teilnahm. „Es gibt keinen gerechten Krieg und keine gerechte Kriegshandlung, aber auch keine kollektive Schuld“, so van Staa. Er betonte, wie wichtig es sei, die Gräueltaten der Geschichte zu überwinden, …„indem wir sie benennen. Wir müssen alle alles dafür tun, um den Frieden zu wahren!“
Die Osttirolerin Erika Pätzold, die den Kosakenfriedhof in Lienz seit vielen Jahren betreut und sich auch rund um die Errichtung der neuen Kapelle sehr engagiert hat, las eine Grußbotschaft der Fürstin Olga Kulikovsky-Romanoff vor, deren Vater ein Kosaken-Esaul des 5. Kubaner Aufklärungsbataillons des I. Weltkriegs war. Ottoman Issak-Martinjuk vom internationalen Kosakenverein Hannover e.V. bedankte sich in Vertretung des Kosaken-Atamans Wladimir Melichow bei allen, die zur Realisierung des russisch-orthodoxen Gotteshauses beigetragen hatten.
Aus London war Graf Nikolai Tolstoy angereist, der Großneffe des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi, des Autors von „Krieg und Frieden“. Der Historiker, der sich u.a. mit der Zwangsrepatriierung sowjetischer Bürger und anderer Menschen während und nach dem II. Weltkrieg beschäftigt, war 1996 zum „Ehrenkosaken“ ernannt worden. Er kritisierte, dass die britische Presse das Geschehen im Juni 1945 auch im heurigen Gedenkjahr unerwähnt lasse.
Die eigentliche Segnung der neuen Kapelle, deren Errichtung in den letzten Wochen sehr viele Interessierte auch aus der Lienzer Bevölkerung angezogen hatte, nahmen Mark Arndt, russisch-orthodoxer Erzbischof von Berlin und Deutschland, und Michael Donskoff, Erzbischof von Genf und Westeuropa, vor.
Osttirol heute war bei der heutigen Einweihungsfeier in der Peggetz mit dabei. Hier unsere Bilder.
Text: E. Hilgartner, Fotos: www.osttirol-heute.at/D.H.




