Schlüsselübergabe für die zwei neuen Wohngruppen im SOS-Kinderdorf
Am 21.7. konnten im Osttiroler SOS-Kinderdorf zwei neue Gebäudekomplexe ihrer Bestimmung übergeben werden. In das Projekt wurden rd. 2,8 Mio. Euro investiert.
Am 16. Juli 2019 war in der Marktgemeinde Nußdorf-Debant der offizielle Spatenstich für die beiden neuen Objekte erfolgt – etwas mehr als ein Jahr später, am 21. Juli 2020, fand die offizielle Schlüsselübergabe statt.
Bei der Umsetzung des Projektes wurde großer Wert auf eine ökologische und nachhaltige Bauweise gelegt. Eines der beiden Gebäude befindet sich auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes, das zweite liegt am Zietenweg gegenüber dem alten Jugendhaus.
SOS-Kinderdorf-Pressesprecher Viktor Trager konnte zu dem kleinen Festakt zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen die Tiroler Landesrätin Gabriele Fischer, Osttirols Bezirkshauptfrau Olga Reisner, Lisa Berger, leitende Sozialarbeiterin an der BH Lienz, Andreas Pfurner, Bürgermeister der Marktgemeinde Nußdorf-Debant, Hans Jürgen Wimmer von Interspar Österreich, die beiden Architekten Karlheinz Peer und Michael Lukasser sowie Thomas Steinlechner von der OSG, begrüßen. Von Seiten des SOS-Kinderdorfes nahmen Wolfgang Katsch, SOS-Kinderdorf-Geschäftsleiter West, Johannes Schaubensteiner, pädagogischer Leiter der neuen Wohngruppen, und Guido Fuss, SOS-Kinderdorf-Leiter Osttirol, teil.
SOS-Kinderdorf Osttirol-Leiter Guido Fuss: „Jedes Kind, jeder Jugendliche verfügt über ein eigenes Zimmer. Zusätzlich gibt es ein Krisenzimmer für Notaufnahmen und erstmals auch einen eigenen Bereich für Besuche und Übernachtungen von Eltern und Angehörigen. Die Barrierefreiheit macht es möglich, dass auf eigentliche Gänge verzichtet und diese zu allgemein nutzbaren Flächen umfunktioniert werden konnten.”
Guido Fuss war es auch, der als erster seine Freude darüber äußerte, dass „…ein großes Stück Arbeit“ gelungen ist. „Wir haben hier in Debant zwei großzügig gestaltete und durchgängig barrierefreie Häuser umgesetzt und damit die Basis geschaffen, dass wir künftig auch Kindern und Jugendlichen mit Einschränkungen ein liebevolles Zuhause sichern können. Die beiden neuen Wohngruppen bieten Platz für insgesamt 18 BewohnerInnen, die ersten sieben haben ihr neues Heim bereits bezogen.“ Ebenso wie Fuss betonte auch SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter West, Wolfgang Katsch, die Nachhaltigkeit der neuen Gebäude in Nußdorf-Debant, die, wie er weiter ausführte, Teil einer großen Bauinitiative von SOS-Kinderdorf in Tirol und ein wichtiges Zukunftssignal sind. „Insgesamt haben wir tirolweit fünf neue Wohngruppen für Kinder und Jugendliche errichtet – neben Nußdorf-Debant sind auch Imst und Absam Standorte der neuen Einrichtungen.“
OSG-Bauleiter Thomas Steinlechner bedankte sich bei SOS-Kinderdorf für die langjährige und gute Zusammenarbeit und berichtet über den Ablauf der Bauarbeiten seit dem Spatenstich im Juli 2019.
Für die Planung der beiden Gebäude zeichneten die Architekten Michel Lukasser und Karlheinz Peer (im Bild links und mittig) verantwortlich.
2011 wurde in Nußdorf-Debant das erste „Familiendorf Österreichs“ eröffnet. Damals war die Osttiroler gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft (OSG) als Bauherr aufgetreten. Bei dem nunmehr realisierten Projekt fungierte SOS-Kinderdorf selbst als Bauherr, die OSG zeichnete für das Baumanagement verantwortlich. OSG-Bauleiter Thomas Steinlechner informierte über den Bauablauf. Er freute sich darüber, dass man trotz der Verzögerungen und Lieferengpässe während der Corona-Krise den Fertigstellungstermin halten konnte. Über architektonische Aspekte und das Prinzip der Nachhaltigkeit berichtete Architekt Karlheinz Peer. „Es war für Michael Lukasser und für mich eine schöne Aufgabe, hier ein neues Zuhause für 18 Kinder und Jugendliche erarbeiten zu dürfen. Bedingt durch die Barrierefreiheit konnten wir sehr großzügig planen und damit, wie wir glauben, einen deutlichen Mehrwert für die Gebäude schaffen. Die beiden Häuser mit jeweils 420 Quadratmetern Nutzfläche sind außerdem auch so konzipiert, dass man sie später einmal, falls gewünscht, ohne großen baulichen Aufwand zu Wohnungen umfunktionieren kann.“
Bürgermeister Andreas Pfurner freute sich über den weiteren Ausbau des SOS-Kinderdorfes in seiner Heimatgemeinde.
Die Tiroler Landesrätin Gabriele Fischer hob hervor, wie wichtig es sei, Menschen in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. „Uns geht es darum, Familien zu stärken und Kinder zu schützen!“
Von Seiten der Standortgemeinde Nußdorf-Debant gratulierte Bürgermeister Andreas Pfurner zur erfolgreichen Realisierung der beiden neuen Wohngruppen. Er betonte die enge Partnerschaft mit SOS-Kinderdorf und erinnerte daran, dass hier in Debant 1955 das zweitälteste SOS-Kinderdorf der Welt errichtet wurde. „Es ist eines der größten sozialen Projekte im Bezirk Lienz, das es je gegeben hat!“ Die soziale Komponente und die gute Kooperation des Landes Tirol mit SOS-Kinderdorf stellte Landesrätin Gabriele Fischer in den Mittelpunkt ihrer Grußworte. „Immer wenn ich nach Osttirol reise, dann fahre ich nach Hause. Und dieses `Zuhause` ist es auch, was Kinder und Jugendliche für einen guten Start ins Leben brauchen. Es gibt jedoch Heranwachsende, die aufgrund unterschiedlichster Schicksale diese Voraussetzungen nicht haben. Ihnen einen schützenden Raum familiärer Geborgenheit zu ermöglichen – das sehe ich als eine enorm wichtige soziale Aufgabe an. Ich freue mich deshalb sehr, dass mit den zwei neuen Wohngruppen hier in Debant ein behütetes Umfeld geschaffen werden konnte!“
Die großzügige Planung machte es möglich, dass anstelle eigentlicher Gänge gemütliche Rückzugszonen für alle geschaffen werden konnten.
Auch im Außenbereich wurden allgemein nutzbare Aufenthaltsbereiche für die neuen BewohnerInnen installiert.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol heute