Notfälle sind Herbert Girstmairs tägliches Brot

Herbert Girstmair leitet beim Roten Kreuz den Rettungs- und Krankentransportdienst. Als Bezirkseinsatzleiter wird er gerufen, wenn Außergewöhnliches passiert.

Als Gast in Herbert Girstmairs Büro im Erdgeschoß der Bezirksstelle des Roten Kreuzes verspürt man zwei völlig gegensätzliche Dinge – einerseits Stress und andererseits Ruhe. Dass Hektik in der Luft liegt, ist wohl auf das umfangreiche Aufgabengebiet und den „Job“ an sich zurückzuführen. Der 47-jährige Amlacher selbst strahlt viel Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Vor rund 15 Jahren hat er damit begonnen, sich auf freiwilliger Basis beim Roten Kreuz zu engagieren. Etwa fünf Jahre später wurde die Arbeit im Rettungsdienst zu seinem Beruf. Heute koordiniert er als Leiter des Rettungsdienstes alle Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge im Bezirk, ist für Material und Personal verantwortlich und fungiert außerdem als Notarzt-Stützpunktleiter für Lienz und Umgebung. „Letzteres bedeutet, dass ich für das Notarzteinsatzfahrzeug in Lienz die Verantwortung trage. Als Bezirkseinsatzleiter rücke ich aus, wenn außergewöhnliche Aufgaben zu bewältigen sind, wie z.B. Verkehrsunfälle mit mehreren Verletzten, Ereignisse mit gewaltbereiten Patienten in psychischem Ausnahmezustand oder Naturkatastrophen“, erzählt er aus seinem Arbeitsalltag.

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Herbert Girstmair hat als Mitarbeiter des Roten Kreuzes schon viel erlebt und gesehen, Verletzte, gewaltbereite Menschen, Suchtkranke und Tote. „Natürlich fordert dies einen sehr, vor allem am Anfang. Mit der Zeit gewinnt man an Routine und Erfahrung. Wenn ich heute mit dem Notarzt zu einem Unfall unterwegs bin, überlege ich nicht mehr, was uns erwartet. Unsere Gespräche drehen sich vielmehr um Banales wie das Wetter, über die letzte Bergtour oder darüber, was sich in der Familie gerade tut.“ Als besonders belastende Einsätze bezeichnet der Rot-Kreuz-Mann jene, in die Kinder involviert sind. „Ich habe während meiner Arbeit beim Roten Kreuz schon Unfälle mit Kindern erlebt, bei denen sich Eltern und Angehörige in einem absoluten Ausnahmezustand befanden. Nicht selten herrscht in solchen Fällen ein sehr schwieriges Durcheinander am Unfallort, und es war auch schon notwendig, dass man sich als Einsatzleiter um Kollegen kümmern musste“, erzählt er.

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Freiwillige ebenso wie hauptamtlich tätige Mitarbeiter können beim Roten Kreuz bei Bedarf auf psychosoziale Betreuung zurückgreifen. „Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen nennt sich das. Dafür stehen die MitarbeiterInnen der Krisenintervention zur Verfügung“, so Girstmair. Ein großes Anliegen ist dem Amlacher das Qualitätsmanagement (QM) in der Bezirksstelle Osttirol. Regelmäßige Schulungen und Überprüfungen der Sanitäter werden im Ausbildungszentrum angeboten. „In unserer SAN-Arena und im Megacode-Raum schulen wir unsere freiwilligen und hauptamtlichen MitarbeiterInnen sehr praxisnahe und forcieren die Motivation. Schließlich müssen die Einsatzkräfte für die besonderen Herausforderungen im Rettungsdienst gerüstet sein“, meint er dazu. Wiederbelebungsmaßnahmen werden genauso trainiert wie der Umgang mit den Gerätschaften.

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„Wir verfügen in Osttirol über ein vorbildliches Ausbildungs- und QM-System, auf Basis dessen sich unsere MitarbeiterInnen am Notfallort viel professioneller verhalten und bewähren. Dies bestätigen uns auch immer wieder die Notärzte“, zeigt sich Herbert Girstmair stolz auf das Erreichte. Ausgleich zu seinem stressigen und manchmal auch belastenden Job findet der 47-Jährige bei seiner Familie, beim Klettern, Radfahren und auf Skitouren. „Die Galitzenklamm liegt in Amlach praktisch vor der Haustüre. Wenn ich dort am Klettersteig unterwegs bin, kann ich entspannen und alles um mich herum vergessen“, kommt er ins Schwärmen. Doch wenn der Pager piepst und er als Einsatzleiter angefordert wird, muss auch einmal die Klettertour verschoben werden, meint der begeisterte RK-Mitarbeiter abschließend.

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Ausführlicher Bericht in der Oktober-Ausgabe des Osttirol Journals

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger, Hotzler

02. November 2015 um