„NaturKraftWeg“ Umbalfälle in Prägraten eröffnet
Der Wasserschaupfad an den Umbalfällen wurde neu gestaltet und am 7. Juli eröffnet. Aussichtsplattformen erlauben ein hautnahes Erleben der fallenden Wasser an der Isel.
Die Isel hat in der Nationalparkgemeinde Prägraten am Umbalkees auf 2 600 Metern Seehöhe ihren Ursprung. Sie überwindet anschließend im Umbaltal zahlreiche Katarakte und schlängelt sich durch tiefe Schluchten. Beeindruckende Wasserfälle und durch die Kraft des Wassers über Jahrtausende ausgewaschene rundliche Hohlformen im Fels prägen das Landschaftsbild. Schon früh hat man den Wert dieses Naturschauspiels für den Tourismus und für die Wissenschaft erkannt und im Jahre 1976 den Wasserschaupfad Umbalfälle eingerichtet. Tausende Menschen besuchen seitdem alljährlich dieses Highlight im Nationalpark Hohe Tauern. In den vergangenen Monaten wurde der Weg saniert und neu gestaltet. Aussichtsplattformen aus Lärchenholz und rotbräunlichem Cortenstahl ermöglichen es, die fallenden Wasser der jungen Isel hautnah zu erleben – die kühlende Gischt der Wassermassen ist bei heißen Sommertemperaturen besonders angenehm. Am 7. Juli 2012 wurde der nun in „NaturKraftWeg“ Umbalfälle umbenannte Weg am neuen Eingang gleich nach dem Parkplatz Ströden bei der Weggabelung Umbaltal-Maurertal feierlich eröffnet.
„Die Schaffung dieses Wasserschaupfades im Jahre 1976 war der richtige Schritt für die Gemeinde Prägraten, die mit dem Nationalpark Hohe Tauern eine wechselvolle Geschichte verbindet“, sagte Prägratens Bürgermeister Anton Steiner. Neben Investitionen in Hütten und Wege, in den Mitterkratzerhof und im vorigen Jahr in die Liegstätten seien aber in Prägraten durch den Nationalpark noch wenige Projekte umgesetzt worden, und es mangle vor allem an der Wertschöpfung durch den Tourismus, ließ Steiner auch kritische Töne anklingen. Nationalpark-Direktor DI Hermann Stotter sprach von der Venedigergemeinde als einem schwierigen Boden, was den Nationalpark anbelangt. „Wir haben aber gelernt, mit den Grundbesitzern umzugehen, und es wurde, so glaube ich, inzwischen von diesen erkannt, dass durch unsere Projekte ein Mehrwert entsteht“, so Stotter, der sich bei allen Grundbesitzern für die gute Zusammenarbeit auch bei der Umgestaltung des Weges bedankte. Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, bezeichnete den Bezirk Lienz als das Wasserschloss Europas. „In Zeiten der Klimaerwärmung haben die Menschen eine große Sehnsucht nach Bergsommerfrische, und unsere Region hat im Alpenraum die einzigartige Möglichkeit, diese Sehnsucht zu stillen“, so Theurl. „Wir haben mit den Aussichtsplattformen Logenplätze für das Naturschauspiel Umbalfälle errichtet. Mit dem schlichten, langlebigen Design aus Lärchenholz und Stahl wurde eine uralte Tradition des Tales weiterentwickelt“, so DI Klaus Michor von der Firma Revital, der das Projekt gemeinsam mit der Firma okai geplant hatte.
Bgm. Dietmar Ruggenthaler (Virgen), Pfarrer Anton Steiner und Bgm. Anton Steiner (Prägraten) bei den Informationstafeln
„Beim Schauen und Staunen in der Natur entfaltet sich die Schöpfung. Pfade wie dieser WasserKraftWeg laden ein, uns zu vertiefen und dadurch zum Ziel zu gelangen“, sagte Pfarrer Anton Steiner – Onkel und Namenskollege des Prägratner Bürgermeisters – bei der Segnung des neuen Eingangsportales und des neu gestalteten Wasserschaupfades.
„Die Isel wurde durch die Abwehr des Großkraftwerkes Dorfertal-Matrei zum Symbolfluss für den Nationalpark Hohe Tauern und der Wasserschaupfad Umballfälle zur ersten Einrichtung des Schutzgebietes. Mit der Amputation dieses letzten frei fließenden Gletscherflusses der Alpen würden viele Erlebniswerte, emotionale Werte und ein Referenzfluss für die Wissenschaft verloren gehen. Ich wünsche mir, dass die Isel weiter frei fließen darf“, sagte Dr. Wolfgang Retter, Obmann von Netzwerk Wasser Osttirol.
Anschließend an die Eröffnung, der unter anderem auch Bezirkshauptfrau Dr. Olga Reisner, Bgm. LA Elisabeth Blanik (Lienz), Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler (Virgen), Bgm. Klaus Unterweger (Kals), Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Mag. Reinhard Lobenwein und TVBO-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Frömel beiwohnten, konnten die zahlreichen Besucher bei der Wanderung beeindruckende Tiefblicke in die wilden Wasser der Umbalfälle genießen. Trommelklänge von Djémbe faréeh (Tanzende Trommeln) vermischten sich entlang des Weges harmonisch mit dem Rauschen der Wasserfälle, und bei den Almen gestalteten die NP-Ranger ein Kinderprogramm. Beim Frühschoppen im Anschluss an die Wanderung spielte schließlich die Musikkapelle Prägraten auf.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Raimund Mühlburger und Brunner Images