Natur: Schwimmender Nachwuchs auf 2000 m

Im Rahmen des Artenschutzprojekts „Urforelle“ des Nationalparks Hohe Tauern konnte Ende November auf knapp 2000 m Seehöhe das erste Eigenaufkommen festgestellt werden.

Vor 6 Jahren hat alles begonnen: Im Rahmen des EU-Projekts „TroutExamInvest“ hat man im Alpenraum autochthone Bachforellen gesucht – sprich heimische Bachforellen, die sich seit Generationen an die Lebensbedingungen vor Ort angepasst haben. Motivation des Projekts war eine Erhebung in fast ganz Europa, die das Phänomen der aussterbenden heimischen Bachforelle ans Tageslicht gebracht hat. Die heimische Bachforelle war und ist vom Aussterben bedroht, obwohl sie auf keiner Roten Liste gefährdeter Arten erwähnt wird. Für die in der Nationalparkregion gefundenen autochthonen (heimischen) Bachforellen („Urforellen“) hat man sich seitens des Nationalparks im Rahmen des Artenschutzes verpflichtet, diese genauer zu untersuchen und in Refugialgewässern zu bewahren.

Im Osttiroler Anteil des Nationalparks dienen 2 hochgelegene Bäche als Versuchsgewässer: Trojeralmbach (oberste Stufe) in St. Jakob i. D. und Dorferbach/Seebach in Kals. Die Grundüberlegung ist, dass eine seit quasi Generationen an die harten Bedingungen vor Ort angepasste Bachforellen-Linie im Gegensatz zu auswärtigen Besatzfischen besser überleben kann – es gibt Studien, wonach von normalen Besatzfischen teilweise 0% (also keiner) überlebt. Weiters befindet man sich in beiden Gewässern an bzw. über der oft in der Literatur erwähnten Höhengrenze. Nach Erstbesatzmaßnahmen mit den heimischen Bachforellen wurde in den letzten Jahren der Bestand jährlich im Spätherbst kontrolliert – mittels Elektrobefischung und anschließender Vermessung (Gewicht, Länge, Geschlecht) der narkotisierten Fische kann dessen Zustand ermittelt werden. Die Ergebnisse waren immer sehr erfreulich, sodass das Warten auf die Eigenreproduktion begonnen hat; denn ökologisches Ziel ist ein sich selbst stabil erhaltender Bestand – ohne weitere Besatzmaßnahmen. „Die Basis dazu ist ein entsprechendes Jungfischaufkommen, das den Bestand absichert“, betont Dr. Medgyesy von der Universität Innsbruck.

„Im Spätherbst 2009 konnten erste Laichgruben entdeckt werden, jedoch den Nachweis von Eigenaufkommen erbrachte erst die Kontrollbefischung Ende November 2011“, berichtet Florian Jurgeit von der Nationalparkverwaltung. Die Problematik dabei ist, dass die kleinen Jungfische beim Elektrofischen sehr leicht übersehen werden bzw. durch die Netze schwimmen. Gegenüber Zuchtbedingungen benötigen die Bachforellen in diesen extremen Lagen länger, um geschlechtsreif zu werden und sich selbst zu reproduzieren. „Die hohe Standorttreue und der Nachweis des Eigenaufkommens bestätigen aber die gute Anpassung und Eignung autochthoner Bachforellen für solche Extremstandorte“, so Dr. Nikolaus Medgyesy abschließend.

Text und Fotos: NPHT/Jurgeit/Ranacher

01. Dezember 2011 um