Monokel-Film erinnert an Gräuel der Nazi-Zeit

Am 15.5. zeigt der Filmclub Monokel im CineX „Der Letzte der Ungerechten“. Am Beispiel von Theresienstadt beleuchtet die Dokumentation die Genese der „Endlösung“.

„Der Letzte der Ungerechten“ (franz. Originaltitel: Le Dernier des injustes) ist ein 2013 von Claude Lanzmann fertiggestellter, knapp vierstündiger Interviewfilm mit Benjamin Murmelstein, einem Rabbiner, der als Funktionär der von den Nationalsozialisten aufgelösten Israelitischen Kultusgemeinde Wien bzw. des als Zwangsorgan danach eingerichteten Judenrats in Wien tätig war. Er war auch der letzte der von den Nationalsozialisten ernannten Judenältesten im Ghetto Theresienstadt im damals besetzten Tschechien. Der Filmtitel geht auf Benjamin Murmelstein zurück, der sich einmal selbstironisch als den „Letzten der Ungerechten“ bezeichnete. Als Interviewpartner oder Darsteller sind im Film nur Benjamin Murmelstein und Claude Lanzmann zu sehen.

Grundlage der Dokumentation ist ein 1975 von Lanzmann mit Murmelstein in Rom geführtes Interview, das im Zeitraum einer Woche insgesamt elf Stunden dauerte. Das dabei entstandene Filmmaterial verwendete Lanzmann jedoch nicht für seinen 1985 erschienenen Dokumentarfilm „Shoah“. Murmelstein berichtete in dem Interview über die Zeit und sein Wirken als von den Nationalsozialisten eingesetzter jüdischer Funktionär in Wien, der die Ausreiseanträge mit organisierte, und als Judenältester im Ghetto Theresienstadt während der deutschen Besetzung Tschechiens. Dabei erzählte er von den erzwungenen Kontakten zum SS-Führer Adolf Eichmann. Lanzmann wollte mit diesem Film den Ruf der lange Zeit umstrittenen Person Murmelsteins wiederherstellen; diesem wurde von einigen attestiert, unter extrem schwierigen Umständen das Menschenmögliche für seine Religionsgenossen getan zu haben – andere verlangten für ihn die Todesstrafe.

In einem Interview zu dem Film nannte Lanzmann Murmelstein einen „Helden“, der „bis zuletzt gegen die Mörder gekämpft“ habe. Man sei mit Murmelstein „sehr ungerecht“ gewesen, der Film solle „Wiedergutmachung leisten“. Zu den bereits 1975 aufgenommenen Interviewsequenzen mit Murmelstein wurden von Juli bis November 2012 Aufnahmen u.a. im heutigen Ghettomuseum in Terezín gedreht, in denen Lanzmann auf die dort seinerzeit herrschenden verbrecherischen Lebensbedingungen und die verübten Gräuel eingeht.

Dokumentation „Der Letzte der Ungerechten“, CineX in Lienz, 15. Mai 2014, 18.00 Uhr (Dauer: 218 Minuten).

Text: Redaktion, Foto/Video: youtube

08. Mai 2014 um