Mölltal: Das „lange Tal der Kurzgeschichten“
Das Oberkärntner Mölltal steht im heurigen Herbst zum 2. Mal ganz im Zeichen von Literatur in Kurzform. Wir sprachen mit zwei Initiatorinnen über die Ziele des Projektes.
Engagierte MölltalerInnen wollen in ihrem Heimattal ein Literaturfestival, das sich auf Kurzgeschichten spezialisiert, etablieren. Das „Mölltaler Geschichten Festival“ ist ein Kooperationsprojekt der Mölltaler Gemeinden und des Vereins „Pro-Mölltal“ – Hauptsponsor ist die Kärntner Sparkasse. Eine Gruppe von TalbewohnerInnen fand sich 2016 erstmals zusammen, um ein Festival zu organisieren, zu dem ein Wettbewerb für Kurzgeschichten, abendliche Lesungen, eine offene Schreibwerkstatt und – als Zusammenfassung – ein Buch mit den besten Geschichten gehören. Melitta Fitzer ist Filmproduzentin und Regisseurin. 2011 ist sie nach Winklern übersiedelt und seitdem im Mölltal auch als Gutsverwalterin tätig. „27 Jahre lang habe ich in den USA Independent Movies gedreht. Ich kenne viele Filmfestivals. Park City, ein winziger Ort im Nirgendwo des US-Bundesstaates Utah, ist z.B. durch das Sundance Film Festival berühmt geworden. Unser gemeinsames Ziel hier im Mölltal ist es, ein professionelles Kurzgeschichten-Festival zu etablieren“, berichtet Melitta Fitzer, die sich in Winklern auch im Gemeindevorstand engagiert.
Die Filmproduzentin ist davon überzeugt, dass sich das Tal bestens für ein derartiges Event eignet. „Wir haben das Glück, in einer ruhigen Region mit wunderschöner Natur zu leben. Hier kann man sich besonders gut mit sich selbst beschäftigen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ob Handwerker, Musiker oder Maler – im Mölltal findet man außerordentlich viele Menschen, die aus sich selbst heraus phantastische Dinge schaffen“, ergänzt Vereinsmitglied Yannin Espinoza Zwischenberger. Sie stammt aus Ecuador und ist heute in Winklern als Heim- und Pflegedienstleiterin im Haus St. Laurentius beschäftigt. „Für mich besitzt das Mölltal eine immense Schönheit. Es ist Heimat des Herzens von Menschen, die ein Leben in den Bergen den Annehmlichkeiten großer Städte vorziehen. Unser Geschichten-Festival möchten wir auch touristisch nutzen und damit den Gästen ein zusätzliches Angebot bieten. Einheimische, Besucher des Tales und in Zukunft auch Fachpublikum sind unsere Zielgruppen“, führt Melitta Fitzer weiter aus.
65 Einreichungen beim Wettbewerb, immer „volles Haus“ bei den Lesungen, eine gut besuchte zweitägige Schreibwerkstatt und nicht zuletzt eine ausgelassene Feier mit den besten Geschichten waren bereits bei der Premiere im Jahr 2016 Beweis dafür, dass es nicht nur in Oberkärnten großes Interesse für ein Kurzgeschichten-Festival gibt. „Aufbruch“ ist das Thema des diesjährigen Wettbewerbs. Der Fokus liegt auf der Förderung der Kreation und Präsentation von originellen, dramatischen, lyrischen, biografischen und auf jeden Fall lesefreundlichen Kurzgeschichten. Erlaubt ist jede Art von Genre. „Präzise Konzentration auf das Wesentliche und ausgefeilte Charaktere sind uns wichtig. Eine Kurzgeschichte sollte zwischen 750 und 2.000 Wörter umfassen und der Vortrag maximal 15 Minuten dauern“, so die Filmproduzentin.
Einsendeschluss für den diesjährigen Wettbewerb ist der 3. Juli. Für Geschichten, die einen direkten Bezug zum Mölltal haben, ist ein zusätzlicher Preis ausgeschrieben, und an besonders junge AutorInnen (bis 14 Jahre) wird ein Nachwuchs-Preis des Nationalparks Hohe Tauern vergeben. Das Festival erhält, wie Fitzer und Zwischenberger informieren, immer mehr Zulauf. Die TeilnehmerInnen kommen aus dem gesamten, insgesamt 65 Kilometer langen Tal – von Heiligenblut über Winklern bis Obervellach und Möllbrücke. Regional verteilt sind deshalb auch die Standorte der einzelnen Festival-Termine: Die Lesungen sollen im September 2017 in Rangersdorf, Mühldorf und Großkirchheim stattfinden, die Preisverleihung am 6. Oktober in Obervellach und die Schreibwerkstatt am 7. und 8. Oktober in Rangersdorf über die Bühne gehen. Im Rahmen einer Marathonlesung im Winklerner Mautturm werden Interessierte am 23. September Gelegenheit haben, alle Geschichten noch einmal zu hören. „In Zukunft soll sich das Festival”, so der Wunsch des gesamten Organisationsteams, „zu einem im gesamten deutschsprachigen Raum bekannten Literaturevent entwickeln. Es soll AutorInnen, LeserInnen und ZuhörerInnen auch aus der Ferne anziehen und hier im Tal miteinander verbinden!“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Arnold Suntinger, Melitta Fitzer


