Mit vier PS durch den Wald: nachhaltiges Holzrücken mit Pferden
Seit Jahrhunderten wird im Alpenraum bei Holzarbeiten in unwegsamem Gelände auf die Pferdestärke gezählt. Heute erlebt die Verbindung von Tradition, Leidenschaft und umweltschonender Waldbewirtschaftung eine Renaissance.
„Die Holzarbeit mit Pferden, vor allem in Berggebieten und abschüssigen Lagen, hat ökologische wie ökonomische Vorteile“, erklärt René Posautz aus Treßdorf im Gailtal. Der heute 45-Jährige hat sich vor einigen Jahren selbstständig gemacht und bietet seitdem die nachhaltige Holzbringung mit Pferden als landwirtschaftliche Nebentätigkeit in Lohnarbeit an. Die Leidenschaft des Oberkärntners für Pferde reicht aber wesentlich weiter, bis in seine Kindheit, zurück. „Schon damals war ich von diesen schönen Tieren fasziniert. Inzwischen habe ich seit 26 Jahren eigene Pferde und teile dieses Hobby auch mit meiner Frau und meinen Kindern. Früher war ich als Wanderreiter unterwegs oder fuhr mit meinen Kindern gerne mit der Pferdekutsche. Vor rund acht Jahren wurde ich dann bei einem Wettbewerb auf die Technik des Holzrückens aufmerksam und ließ mich von den Vorteilen dieser Arbeitsweise begeistern“, erinnert er sich zurück. 2020 gründete René mit seiner Frau und Gleichgesinnten den „Verein der österreichischen Holzrücker und Freunde des Arbeitspferdes“. Gemeinsam werden inzwischen an drei Orten österreichweit Holzrücke-Cups mit Workshops und Turnieren veranstaltet, um Interessierten das Wissen um das Holzrücken weiterzugeben bzw. bei so manchem die Leidenschaft dafür zu entfachen. „Wer bei unseren Turnieren einen Parcour bewältigen und sauber absolvieren kann, hat das notwendige Rüstzeug dafür, um mit den Pferden auch im Wald zu arbeiten, wenngleich die Anforderungen dort noch einmal wesentlich größer sind“, lässt er wissen.
Den Begriff „Holzrücken“ erklärt der Treßdorfer mit dem „Ziehen gefällten Holzes aus dem Bestand zum nächstgelegenen Forstweg“. Dabei handelt es sich, so René Posautz, um eine komplexe Aufgabenstellung und auch um eine oft nicht ungefährliche Arbeit. „Wir arbeiten sprichwörtlich mit lebenden Betriebsmitteln, die durch ihre Erfahrungen und Prägungen das Arbeitsgeschehen stark beeinflussen können. Oft ist es notwendig, dass die Pferde gegen ihre Instinkte bei der Arbeit ruhig und gelassen bleiben müssen. Damit dies gelingt, müssen sie gut ausgebildet sein und laufend trainiert werden. Das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Pferd ist vor allem in schwierigem Gelände unabdingbar!“
Als außergewöhnlichsten Auftrag im Rahmen seiner landwirtschaftlichen Nebentätigkeit als Holzrücker nennt er einen dreimonatigen Aufenthalt in der österreichischen Bundeshauptstadt. „Für die Stadt Wien habe ich von Jänner bis März 2020 im Lainzer Tiergarten rund 500 Festmeter Holz gerückt.“ Heute ist René, der aktuell über drei fertig ausgebildete und einsatzbereite Holzrücke-Pferde verfügt, in Lohnarbeit vor allem für Forstwirte in Kärnten und Osttirol tätig, wie zuletzt im März 2025 für einen Auftraggeber im Lienzer Talboden. „Pro Tag können mit einem Pferd rund zehn bis zwölf Festmeter transportiert werden“, berichtet er und streicht abschließend die Vorteile des Pferdeeinsatzes bei der Waldarbeit nochmals besonders hervor: „Zum einen bleibt bei dieser Technik der Waldboden unversehrt und zum anderen kommt es zu keinen Rückeschäden zum Beispiel an Jungbäumen, da mit den Pferden Hindernisse gut umfahren werden können. Daraus resultieren mittelfristig klimafitte Wälder mit besserem Zuwachs. Weiters ist kein Sprit wie bei einem Traktor nötig und es werden weniger Forstwege gebraucht, was sich in geringeren Kosten und damit in einem höheren Ertrag pro Waldfläche niederschlägt.“ Für Anfragen steht René Posautz unter der Tel.: 04284/20101 gerne zur Verfügung!



Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Osttirol Journal