Mit Leidenschaft zwischen den Drei Zinnen und Schmugglerpfaden unterwegs

Klara Schönegger ist begeisterte Wanderführerin. Bei ihren Touren erzählt die Vierschacherin besonders gerne auch Geschichten – von Gipfeln und Pfaden, von den Menschen im Hochpustertal und vom Leben früherer Generationen.

Seit rund 20 Jahren arbeitet Klara im Sommer als Wanderführerin – früher für die Skischule Haunold und seit einigen Jahren für den Tourismusverein Innichen. Im Winter ist sie seit mittlerweile 37 Jahren als Skilehrerin am Helm tätig – ein Beruf, den sie bis heute mit großer Begeisterung ausübt. „Skilehrerin bin ich sogar noch lieber als Wanderführerin“, sagt sie lachend. Die Leidenschaft für den Wintersport begleitet sie bereits ihr ganzes Leben. Aufgewachsen ist sie in einer Großfamilie in Vierschach – gleich fünf Geschwister sind staatlich geprüfte Skilehrer. Sie selbst war in ihrer Jugend als Skirennfahrerin im Südtiroler Landeskader aktiv und rund 15 Jahre lang die einzige Skilehrerin am Helm.

 

 

„Ich bin am liebsten draußen unterwegs. Die Leidenschaft für die Natur und die Berge weiterzugeben, fasziniert und begeistert mich.“ Im Sommer bietet Klara für den Tourismusverein Innichen als einzige Wanderführerin von Montag bis Freitag geführte Touren an. Neben klassischen Wanderungen stehen auch Familienprogramme, Relax-Tage, Bauernhofbesichtigungen oder Touren abseits der bekannten Wege auf dem Programm. Besonders wichtig ist der Vierschacherin dabei die Begegnung mit den Menschen.

„Die Leute wollen nicht nur wandern. Sie interessieren sich auch für die Geschichte der Gegend, für das Leben in den Bergen und für die Menschen hier“, erzählt die Südtirolerin. Viele Gäste kommen seit Jahren immer wieder. Oft sind bei den Wanderungen drei Generationen gemeinsam unterwegs. „Sicherheit hat immer oberste Priorität. Die Leute müssen sich selbst gut einschätzen können. Kondition und eine gute Tourenplanung sind sehr wichtig.“

 

 

Die Touren führen durch die beeindruckende Bergwelt der Dolomiten – vorbei an Almen, Bergseen und aussichtsreichen Gipfeln rund um Innichen, Sexten und Toblach bis nach Osttirol. Lange Zeit gehörte auch die klassische Umrundung der Drei Zinnen zu Klaras geführten Touren. „Von der Auronzohütte zur Lavaredohütte und über den Paternsattel, die Dreizinnenhütte und die Langalm wieder zurück – diese Runde bin ich sicher schon 200 Mal gegangen“, meint sie schmunzelnd.

Bei Klaras Gästen besonders beliebt ist die „Schmugglerwanderung“ über den Helm. Die rund vier- bis fünfstündige Tour führt von der Helm-Bergstation über aussichtsreiche Höhenwege bis zur Sillianer Hütte am Karnischen Kamm. Unterwegs eröffnet sich den Wanderern ein beeindruckendes Panorama mit Blick auf die Drei Zinnen, die Sextner Dolomiten, die Karnischen Alpen und die Zentralalpen. Die Wanderung gilt auch der bewegten Geschichte der Grenzregion zwischen Osttirol und Südtirol. „Mein Opa hat viel vom Schmuggeln erzählt. Je nach wirtschaftlicher Lage wurden in früherer Zeit zwischen Österreich und Italien verschiedene Waren über die Grenze geschmuggelt – Zucker, Tabak, Feuerzeuge, Speck und sogar Kälber. Gerade solche Geschichten faszinieren die Gäste sehr.“

 

 

Die Region rund um den Helm und den Karnischen Kamm ist heute Teil internationaler Weitwanderwege wie der Via Alpina oder des Südalpen-Weitwanderwegs 03. Die Wege verbinden Regionen und Länder über Grenzen hinweg. Im Ersten Weltkrieg verlief hier eine schwer umkämpfte Frontlinie, heute werden viele dieser Routen als „Friedenswege“ verstanden. Mit viel Herzlichkeit, Humor und Begeisterung begleitet Klara ihre Gäste durch diese imposante Bergwelt. Auch kleine Begegnungen bleiben dabei oft in Erinnerung. „Wenn ich auf einer Hütte zum Beispiel Speckknödel oder Kaiserschmarrn bestelle, sprechen die italienischen Gäste die Wörter oft nach und wollen das dann auch essen“, erzählt sie lachend. „Und nach dem Genuss schwärmen alle von den bei uns typischen Köstlichkeiten.“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: privat

19. Juni 2026 um