Der Wert des Kleinen im Miniaturmuseum MiMU in Dölsach
Die Liebe zum Detail und neue Inspirationen entdecken – dies ist im Miniaturmuseum im Kulturhaus Sinnron möglich. Neben der bereits bestehenden Auswahl an Exponaten kann man jetzt auch zwei neue Sonderausstellungen bewundern.
Am Samstag, 12. April 2025, öffnete das Miniaturmuseum (MiMU) nach einer kurzen Pause, die der Neugestaltung der Ausstellung diente, erneut seine Pforten. Bereits seit dem Vorjahr kann man im MiMU internationale Kleinkunst, Handwerkliches und Natürliches bestaunen. Die ganz besondere museale Einrichtung will an die Wichtigkeit und den Stellenwert der kleinen Dinge im Alltag erinnern und Besucherinnen und Besuchern Inspiration und neue Ideen vermitteln. Die Initiative zur Installation des Miniaturmuseums ging von Margarethe Oberdorfer aus. Seit über 50 Jahren pflegt die Osttiroler Kunstschaffende eine leidenschaftliche Sammeltätigkeit. Sie spürte dabei jenen Menschen nach, die mit Phantasie, Geduld, Genauigkeit, manchmal aber auch aus der Not heraus mit geringstem Materialaufwand oder einfachsten Werkzeugen kleine Kunstwerke schufen. Schon sehr früh entstand bei Margarethe Oberdorfer der Wunsch, einen passenden Ort für eine dauerhafte Präsentation ihrer Sammlung zu finden, was im Jahr 2024 auch gelang.
Für das Miniaturmuseum wurde in den Ausstellungsräumlichkeiten im Kulturhaus Sinnron eine Vielzahl an Exponaten aus unterschiedlichsten Materialien und Techniken gruppiert und für die Betrachterinnen und Betrachter in Szene gesetzt. Neben dem Angebot, zu schauen, zu staunen und zu bewundern, wird über persönliche Geschichten zu einzelnen Ausstellungsstücken auch ein besonderer Zugang zu den kleinen Werken ermöglicht.
Neben der bereits bestehenden Sammlung an Miniaturen gibt es seit Mitte April 2025 nun auch zwei neue, einzigartige Sonderausstellungen zu sehen. Sie gelten einerseits der Präsentation der Ostereiersammlung von Werner Berwanger und andererseits den kunstfertig hergestellten Miniaturmöbeln aus der Kellerwerkstatt von Erich Leitgeb.
Werner Berwangers Sammlung umfasst rund 1.200 Eier, die der Osttiroler gemeinsam mit seiner Gattin über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen hat. Die Faszination für Ostereier begann 1989 während eines Urlaubsaufenthaltes in Prag. „Ich sehe heute noch die alte Bäuerin vor mir, die in einem Pappkarton hunderte Ostereier mit dem Meißener Zwiebelmuster zum Verkauf angeboten hat. Wir haben fünf bis sechs davon erworben und mit diesen hat alles angefangen“, erinnert sich Werner Berwanger zurück. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte spürten die Berwangers nicht nur auf Messen und Märkten, sondern auch im Internet besondere Stücke auf und erweiterten ihre Sammlung Schritt für Schritt um Exponate aus aller Herren Länder, darunter etwa ein „Tabernakel-Ei“ aus Silberdrähten, ein „Hufeisen-Ei“ aus Ungarn oder jenes Ei, das ein namhafter Künstler aus Anlass der 1000-Jahr-Feier des Bistums Bamberg 2007 gestaltete. Die Vielfalt der ovalen Kunstwerke ist riesig, sowohl was die Art der Bearbeitung und Verzierung als auch was ihre farbliche Gestaltung betrifft. In der Sammlung finden sich Exemplare mit ungarischer Bauernmalerei ebenso wie Perlmutt-, Steinglas- oder Alabaster-Eier und bemalte, gefräste, gepatikte und applizierte ebenso wie geätzte Einzelstücke. Die kleinsten sind Wellensittich-Eier (1 cm), die größten Straußeneier mit 25 cm. Selten sind die Eier des Zwerghuhns, des Araucana-Huhns (grünliche Eier) oder schwarze Nandu-Eier. Ihrer Herkunft nach stammen die Eier aus verschiedensten Ländern der Welt – aus Russland, China, Indien, aus Indonesien und aus allen Teilen Europas. Die Ostereiersammlung Berwangers ist seit Mitte April 2025 als Dauerausstellung im Kulturhaus Sinnron für alle Interessierten öffentlich zugänglich.
Die zweite Sonderausstellung ist Erich Leitgeb (1924 bis 1919) gewidmet. Leitgeb war 1960 von Kärnten nach Tristach übersiedelt, wo er in seiner Kellerwerkstatt mit unglaublichem handwerklichem Geschick mehr als 150 Miniaturmöbel mit gezinkten Schubladen sowie Einlegearbeiten schuf. Die kleinen Nachbildungen von Barock- und Jugendstilmöbeln, von Einrichtungen verschiedenster Werkstätten und von Gartenmöbeln im Maßstab von 1:10 überzeugen durch ihre präzise Machart, ihre Schönheit und Perfektion. Durch eine Leihgabe seiner Frau Elisabeth Leitgeb ist es möglich, diese Kostbarkeiten im Rahmen einer Sonderausstellung im Miniaturmuseum in Dölsach für die Dauer eines Jahres zu besichtigen.
Miniaturmuseum im Kulturhaus Sinnron, Am Land 4, 9991 Dölsach, Tel.: +43 (0)676/4738911, E-Mail: office@kunstwerklienz.at
Öffnungszeiten 2025: Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, Montag – jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr. Jeweils donnerstags gibt es um 18.00 Uhr eine Abendführung. Voranmeldung erforderlich! Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage!
Text: E. Hilgartner, Fotos: © Elias Bachmann








