Maria und Bernhard Egger: Die Berge sind ihre Leidenschaft – und ihr Zuhause

Maria und Bernhard Egger aus Bramberg im Oberpinzgau führen als staatlich geprüfte Berg- und Skiführer Gäste durch die Bergwelt der Hohen Tauern, der Kitzbüheler Alpen, der Dolomiten, der Westalpen und weit darüber hinaus.

Vom Haus der Familie Egger in Bramberg fällt der Blick direkt auf die imposanten Gipfel der Hohen Tauern. Hier ist Bernhard, „Berni“, Egger aufgewachsen. „Von meinem Zimmer aus habe ich als Kind jeden Tag sehnsüchtig zur Piste am Wennser Gletscher hinübergeschaut“, erzählt er. Schon früh stand der Oberpinzgauer auf Skiern. Mit zwei Jahren stellten ihn seine Eltern erstmals auf die Bretter – und von da an war die Begeisterung für den Wintersport geweckt.

 

 

Auch Maria Egger entdeckte ihre Liebe zu den Bergen früh. Sie hat ihre Kindheit und Jugend auf einem Bauernhof am Mittersiller Sonnberg verbracht. „An den Wochenenden haben uns unsere Eltern immer wieder in die Berge mitgenommen“, erinnert sie sich zurück. Mit zehn Jahren durfte sie erstmals bei einer Skitour mitgehen. Kindheitserlebnisse wie diese haben sie geprägt. Neben dem Skibergsteigen entdeckte sie auch ihre Faszination für das Klettern – zunächst an der Kunstwand, dann outdoor am Fels. Einige Jahre nahm Maria sogar an Kletterwettkämpfen teil und konnte u.a. einen Staatsmeister-Titel gewinnen, bevor sich ihre Leidenschaft zunehmend vom Wettkampf zum Naturerlebnis in den Bergen hin verlagerte.

 

 

Zunächst führte ihr beruflicher Weg Maria als Mitarbeiterin eines Bankinstitutes allerdings in eine ganz andere Richtung. Der Wunsch, mehr Zeit draußen zu verbringen, wurde aber immer stärker. So begann sie als Sennerin auf einer Alm zu arbeiten, war im Winter als Skilehrerin tätig und absolvierte schließlich die Ausbildung zur Rangerin im Nationalpark Hohe Tauern. 2013 erfüllte sie sich mit der Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin einen Herzenswunsch – und zählt damit heute zu den wenigen Bergführerinnen im Bundesland Salzburg.

 

 

Seit 2014 ist Maria Egger hauptberuflich als Bergführerin unterwegs – in den heimischen Bergen ebenso wie in den Dolomiten, im Wallis oder im Ortlergebiet. Gemeinsam mit ihrem Mann bereiste sie auch viele Bergregionen der Welt, etwa in den USA, in Australien, Neuseeland oder Thailand. Auch im Pamir-Gebirge waren die beiden Oberpinzgauer unterwegs und führten zum Beispiel Gäste gemeinsam auf den Muztagh Ata (7.546 m).

 

 

Berni entdeckte nach Jahren im aktiven Skirennsport seine Freude am Freeriden und Skitourengehen. Auch das Klettern wurde zu einem wichtigen Teil seines Lebens. „Am liebsten verbringe ich so viel Zeit wie möglich im steilen Fels“, berichtet er. Seine Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer schloss der Bramberger 2012 ab. Damit verabschiedete er sich auch von seinen früheren Berufen als Tischler, Zimmerer und technischer Zeichner – und machte seine Leidenschaft endgültig zur Profession.

Im Winter begleitet er seine Gäste beim Freeriden und auf Skitouren vor allem in den Kitzbüheler Alpen und in den Hohen Tauern. Im Sommer führt er Bergsteiger auf Gipfel in der Region ebenso wie auf bekannte Tourenziele in den Westalpen, z.B. rund um Chamonix, auf den Mont Blanc oder auf Gipfel wie die Dufourspitze (4.634 m) oder den Dom (4.545 m).

 

 

Berni und Maria zieht es immer wieder auch in bekannte Felsgebiete der Welt – etwa ins Yosemite Valley in Kalifornien, nach Utah, Australien, Neuseeland, Spanien, Frankreich oder England. Ihr Angebot reicht von Kletter- und Hochtouren über Skitouren bis hin zum Eisklettern – manchmal sind sie mit Gästen auch gemeinsam unterwegs. „Gerade fürs Eisklettern gelten die Tauerntäler als besonders geeignetes Gebiet. Hier findet man ideale Bedingungen vor“, informiert Maria.

 

 

Im Winter und Frühjahr begleiten die beiden häufig erfahrene Skifahrer auf Freeride-Touren. „Abseits der Pisten spielt die Sicherheit eine große Rolle – etwa bei der Einschätzung der Lawinensituation“, betont Berni. Gleichzeitig gehe es aber auch darum, gemeinsam die besten Bedingungen für ein unvergessliches Erlebnis zu finden. Auch in Osttirol ist das Paar regelmäßig anzutreffen. Besonders gern klettern sie etwa am Falkenstein hoch über Matrei. „Der Wechsel zwischen der Bergwelt nördlich und südlich des Alpenhauptkamms ist faszinierend – und so fahren wir immer wieder gerne über den Felbertauern.“

 

 

Ihre Touren bieten die beiden über ihre Plattform „gipfelreich“ an. Zu ihrer Freude hat sich hier über die Jahre ein treuer Kreis an Stammgästen entwickelt. Gleichzeitig sind Maria und Berni Teil der „Tauern Guides“, einer Gemeinschaft von rund 35 Bergführerinnen und Bergführern aus dem Oberpinzgau, und arbeiten mit den „Skiguides Kitzbühel“ zusammen.

Dass immer mehr junge Menschen diesen Beruf ergreifen, sehen sie positiv. „In den letzten 15 Jahren hat sich diesbezüglich viel entwickelt. Das Bergführerwesen ist für unsere Tourismusregion sehr wichtig.“ Dabei gehe es längst nicht mehr nur um das sichere Führen in schwierigem Gelände. „Die Gäste interessieren sich auch für die Natur, die Landschaft und die Geschichten unserer Region. Viele suchen in den Bergen vor allem eines: Abstand vom Alltag!“

 

 

Die Berge prägen aber nicht nur ihren Beruf, sondern auch ihr Familienleben. Gemeinsam mit ihren Kindern Anna und Paul verbringen Maria und Berni möglichst viel Zeit draußen. „Wir möchten unseren Kindern die Freude an den Bergen und am Reisen mitgeben“, erzählt Maria. So führte eine der letzten Familienreisen etwa nach Sizilien. Für Maria und Berni steht fest: „Die Berge sind für uns weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie sind ein Ort der Freiheit, des Abenteuers – und ein Stück Zuhause!“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

03. April 2026 um