Luis und Veit Lanzinger aus Thurn: Zwei Brüder mit Musik im Blut

In Thurn lebt eine Familie, bei der die Musik den Takt vorgibt. Luis (14) und Veit (12) Lanzinger wachsen in einem Zuhause auf, in dem ihre musikalischen Talente von den Eltern Sabine und Hannes stark gefördert werden.

Ein früher Morgen ist bei Familie Lanzinger in Thurn keine Garantie für Ruhe. Denn manchmal sitzt Luis schon an der Steirischen Harmonika, bevor der Frühstückstisch gedeckt ist. „Wenn Luis ein neues Stück in die Finger bekommt, lässt ihn das nicht mehr los“, erzählt seine Mutter Sabine, selbst Zitherspielerin im Ensemble „Saitenschwung“. Papa Hannes spielt zwar kein Instrument, fungiert dafür aber als Chauffeur, Instrumententräger, Organisator und als wichtiger Unterstützer im Hintergrund.

Luis spielt neben der Steirischen Harmonika das Wiener Horn und Klavier – und das mit einer Hingabe, die selbst erfahrene Musiker beeindruckt. Beim Wettbewerb „Prima la musica“ im vergangenen März wurde er gleich zwei Mal ausgezeichnet – mit einem 1. Preis mit Auszeichnung und als Landessieger mit der Steirischen Harmonika sowie mit einem 1. Preis auf dem Horn und der Berechtigung zur Teilnahme am Bundeswettbewerb. Der 14-jährige kann auch auf einige andere Auszeichnungen verweisen, wie z.B. bei „Talent Scouts“ der Lienzer Sparkassenstiftung oder beim Galakonzert des Fördervereins OKOS.

2024 wurde der junge Thurner zudem in Außervillgraten Vize-Staatsmeister auf der Steirischen Harmonika. Unter anderem konnte er damals die Jury mit dem Konzertmarsch „Eilschritt nach St. Peter“ von Alexander Maurer und „Am Zauchenbach“ vom bekannten Thurner Komponisten und Musikanten Josef Albrecht, vulgo Hauser Pepe, überzeugen. „Ich liebe es, Konzertmärsche mit der Steirischen zu spielen. Die Melodien sind schön getragen und steigern sich bis zum Grandioso.“

 

 

Besonders gerne spielt Luis den Konzertmarsch „Die Isel“ von Gerald Ranacher. „Wenn es für Stücke keine Notenblätter für Steirische Harmonika gibt, schreibe ich sie selbst und gestalte sie mit Fotos“, sagt der vielseitige Jugendliche. Ein Notenblatt hat er auch für Gerald Ranachers bekannten Marsch erstellt, der den Weg der Isel vom Ursprung am Umbalkees bis zur Mündung in die Drau musikalisch erlebbar macht.

Seit seinem neunten Lebensjahr ist Luis mit dem Wiener Horn Mitglied der Musikkapelle Thurn. „Bei der Musikkapelle schätze ich vor allem die Blasmusik und das gemeinsame Aufspielen bei verschiedenen Anlässen. Besonders gefällt mir, die Steirische in unterschiedlichen Stimmungen einzusetzen.“ Luis liebt es, auf der Bühne zu stehen und das Publikum zu unterhalten, spielt bei Festen und Konzerten mit Schwung und guter Laune auf und gestaltet traurige Anlässe wie Begräbnisse mit einfühlsamen Chorälen mit.

 

 

Gemeinsam mit seinem Bruder Veit (Hackbrett) ist Luis (Harmonika) auch bei der Gruppe „Die VIERwitzigen“ aktiv, zu der auch ihre Cousine Valentina Wibmer aus Matrei an der Klarinette und Laura Duracher aus Anras an der Gitarre gehören. Die vier Musikant:innen zählten beim diesjährigen Neujahrsempfang des Kiwanis Club Lienz zu den Preisträgern. „Ich bin sehr froh, dass unsere Söhne an der Musikschule Lienzer Talboden so gut begleitet und unterstützt werden. Luis profitiert im Rahmen der Talentförderung von zusätzlichen Unterrichtseinheiten auf der Steirischen Harmonika und am Klavier“, freut sich Mama Sabine. Sie erzählt auch, dass Veit das chromatische und das Osttiroler Hackbrett sowie Schlagwerk spielt und mit Letzterem mit großer Leidenschaft beim Jugendblasorchester der Lienzer Musikschule mitwirkt.

 

 

Wer nun aber glaubt, dass Musik die einzige Freizeitbeschäftigung der Lanzinger-Söhne ist, irrt. Der 12-jährige Veit ist beispielsweise der „Bäckermeister“ im Hause. „Mindestens einmal pro Woche bäckt er einen Kuchen und sorgt, ob mit Marmorgugelhupf oder Roulade, für süße Genüsse in unserer Familie“, berichtet Mama Sabine. Luis interessiert sich neben der Musik auch für öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere Busse. Für seine Heimatgemeinde Thurn hat er einen eigenen Fahrplan, den „VVT – Verkehrsverbund Thurn“, erstellt. Diesen testet er regelmäßig mit GoCards und E-Scootern gemeinsam mit seinem Bruder Veit und Freunden aus der Nachbarschaft aus.

In der kleinen Tischlerwerkstatt im Hause Lanzinger sind beide Brüder ebenfalls mit Begeisterung am Werken: Während Luis gerne an eigenen Erfindungen wie etwa an einer „Marillenabwaschmaschine“ tüftelt, bevorzugt es Veit, zu drechseln oder zu malen. Und nicht zuletzt engagiert sich Luis bei der Wasserrettung, während Veit aktiver Pfadfinder ist.

 

 

Gemeinsam mit ihren Eltern lieben es die beiden Brüder, ferne Länder zu bereisen – von Guatemala bis Sri Lanka. „Uns ist es nicht nur wichtig, die musikalischen Talente unserer Söhne zu fördern, sondern dass sie auch andere Kulturen und Lebensweisen kennenlernen“, erzählen Sabine und Hannes. Die Mischung aus Neugier, Offenheit und Vielseitigkeit zeigt offenbar Wirkung. Denn auf die Frage nach seinem Berufswunsch antwortet Luis mit einem schelmischen Grinsen: „In der Früh Busfahrer, vormittags Mathelehrer, nachmittags Musikschullehrer – und abends Kapellmeister!“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

20. Juni 2025 um