Lienzer Handelsschule startet neu durch
Sich laufend ändernde Rahmenbedingungen fordern auch von den Schulen, am Puls der Zeit zu bleiben. Im Herbst 2013 startet in Lienz der Schulversuch „Praxis-Handelsschule“.
Mit neuen Strukturen und einem modernen Konzept will man tirolweit an den Handelsschulen eine Trendwende einleiten, nachdem man in den letzten Jahren mit einem kontinuierlichen Rückgang der Schülerzahlen und einem Image, das vielfach zu wünschen übrig ließ, zu kämpfen hatte. Für das Schuljahr 2013/2014 sollen deshalb die 11 in Tirol bestehenden Schulen in „Praxis-Handelsschulen“ umfunktioniert werden.
In der Osttiroler Bezirkshauptstadt Lienz stellte gestern HAK/HAS-Direktor Josef Pretis, gemeinsam mit den Professoren Robert Michelitsch, Verena Eder-Zanier und Gert Funder, die neue „Praxis-HAS“ vor. „Der Schulversuch, der mit dem Beginn des nächsten Schuljahres in Lienz als Ganztagesform mit Lernbegleitung startet, wird sich durch eine Reduktion des Theoriewissens und eine Forcierung des praktischen Anwendens in allen Gegenständen auszeichnen. Der Unterricht soll künftig nicht nur auf das Wiedergeben-Können von Inhalten, sondern vor allem auch auf das Anwenden-Können ausgerichtet sein“, berichtete Pretis.
Unter anderem sind in diesem Zusammenhang auch ein vierwöchiges Pflichtpraktikum und eine Projektarbeit vorgesehen. Somit soll frühzeitig der Kontakt zwischen SchülerInnen und potenziellen späteren Arbeitgebern hergestellt werden. Neben dem Praktikum sieht die neue Struktur auch mehr Unterrichtsstunden mit zusätzlichen Lerneinheiten am Nachmittag vor. Die sogenannte „Lernbegleitung“ umfasst die Abwicklung der Hausübungen unter Betreuung von Lehrern, die Förderung und Unterstützung der SchülerInnen durch Training und individualisiertes Beraten und den Einbau vermehrter Übungsphasen in den Stundenplan. Die Lernbegleitung wird in allen drei Jahren des Schulbesuches stattfinden – in der 1. Klasse sind dafür fünf Wochenstunden, in der 2. Klasse drei und in der 3. Klasse zwei Wochenstunden vorgesehen.
Ein neuer Lehrplan gibt die Rahmenbedingungen der „Praxis-HAS“ vor, wobei die wichtigsten Säulen des Schulversuches mit „verstärkter Wirtschaftskompetenz“ (durch Praxisbezug im Unterricht und Praxiserfahrung im Pflichtpraktikum), mit „verstärkter Fachkompetenz“ (durch Lernen über inhaltlich und thematisch einander ergänzende Fächer in Clustern), mit „verstärkter Sozialkompetenz“ (über durchgängige Persönlichkeitsbildung in allen Klassen und Training von Umgangsformen) und mit „verstärkter Eigenkompetenz“ (durch kompetenzorientiertes, eigenverantwortliches Lernen) definiert sind.
Mit dem neuen Konzept will man die Chancen der SchulabgängerInnen auf dem Arbeitsmarkt verbessern und ihnen neben den genannten Kompetenzen auch positive Werthaltungen und Verhaltensmuster als Beitrag für eine funktionierende Gesellschaft vermitteln.
Text und Foto: Journal/Sulzenbacher-Hilgartner