Lautes „Rante Putante“ hallte durch Sillian

Burg Heinfels, die geplante Umfahrung, eine etwas andere Weihnachtsfeier – 26 Gruppen machten am Faschingsdienstag die Oberländer Marktgemeinde zu Osttirols Narrenhochburg.

Kurz vor 15.00 Uhr eröffnete Arthur Bucher, Obmann der Narrengilde, den diesjährigen Faschingsumzug in Sillian. Die Musikkapelle – als Postler verkleidet – marschierte als erste Gruppe über die etwa eine Stunde gesperrte Drautalbundesstraße auf den Marktplatz ein. Das Kindergrafenpaar Felix I. und Sophie I., die „Bäck Street Boys“ und die Jugend-Bergrettung folgten. „Die Tanks haben nun ausgedient, damit wird hier kein Geld mehr verdient“ – die nächste Gruppe hatte die geschlossene ENI-Tankstelle zum Inhalt. „Eis Gelati Sagui“ und Line-Dance sorgte danach für buntes Treiben im Ortszentrum von Sillian.

Nachdem das Grafenpaar Paul I. und Waltraud II. einzogen waren, verteilten die „Candy Girls“ zuckersüße Faschingsdrops. „Das Raucherparadies Österreich – Zünd’s enk a Pfeiferl an, dann wean die Sorgen wieder klan“ stand auf dem nächsten Wagen zu lesen. Die Landjugend Tessenberg führte als „Skisprungschule Tessenberg“ waghalsige Sprünge vor. „Die Skisprungschule isch a Hit, do mochent sogoa die ÖSV-Adler mit.“

Ike and Tina Turner waren am Sillianer Faschingsumzug als prominentestes Paar vertreten. Die Landjugend Panzendorf machte mit „Spuk im Schloss“ die Burg Heinfels zum Thema: „Die Menschen sind vom Schloss verbannt, die Burg ist jetzt in Geisterhand.“ Der autonome Paket-Zustelldienst „Prototyp Jetflyer“ setzt auf Vollautomatisierung, bevor der nächste Postpartner abspringt. Im Tierheim Pfister ist nun „Platz für jede Katz“. Die Theatergruppe Sillian stellte die etwas andere Gemeinde-Weihnachtsfeier dar. „Weihnachtsfriede überall, nur nicht im Gemeindestall“ oder „Beim Tenniswirt kehrten sie dann ein und ertränkten ihren Ärger in Bier und Wein“ stand auf diesem Wagen zum Beispiel zu lesen.

Die Landjugend Sillian suchte einen Nachmieter für das PickNick, um den nächsten Ball wieder veranstalten zu können. Eine Gruppe thematisierte die abgesagte Olympia-Bewerbung von Innsbruck. Auf einem Wagen trat Nordkoreas Kim Jong-un auf. „Kim Jong-un zahlt viel Geld für den Platz in der Sillianer Bergwelt“ oder „Im Untergrund wurde gebaut, dass man den Augen nicht traut“ stand hier in großen Lettern geschrieben. Die Show „Sillians next Top-Model“ sorgte für viel Wirbel.

Die Feuerwehr thematisierte den geplanten Nordumfahrungstunnel. „Erwin hin, Hermann her – die Umfahrung baut uns die Feuerwehr“ war die gute Nachricht und „Kaum sind die Wahlen vorbei, heb wieder un die Bettlerei“ die schlechte. Das „Hohe Gericht“ bildete wie jedes Jahr den Schlusspunkt des Umzugs. Danach wurde am Marktplatz traditionell die Hexe verbrannt, und die Närrinnen und Narren feierten in den Sillianer Lokalen den Ausklang des diesjährigen Faschings.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute