Kunstprojekt zur Thematik der Südtiroler Option
Die Neue Heimat Tirol beauftragte 2013 den Matreier Künstler Peter Raneburger mit der künstlerischen Intervention der „Südtiroler-Siedlung“ – Badhaussiedlung in Kitzbühel.
Die Vorgabe des gemeinnützigen Wohnbauträgers NHT war es, dass sich die Arbeit Raneburgers explizit mit dem Thema der „Option“ von 1939 – der historischen Grundlage der Südtiroler-Siedlungen in Tirol – auseinandersetzen sollte. Diese bestand darin, dass sich die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Südtirols zwischen den beiden „Möglichkeiten“ (des Auswanderns ins damalige Deutsche Reich: „Optanten“ oder des Dableibens: Italiener ohne Minderheitenrechte: „Dableiber“) entscheiden musste. Um den Optanten entsprechende Unterkünfte bieten zu können, entstanden in diesem Zusammenhang in Nord-, aber auch in Osttirol die sogenannten „Südtiroler-Siedlungen“. Diese Zwiespältigkeit der „Option“, die ganze Familien auseinanderriss und lange Zeit ein Trauma der Südtiroler Bevölkerung war, wählte Raneburger zum Hauptthema seines künstlerischen Projektes. Die Bezeichnung und skulpturale Form von „ o b – d o “ orientiert sich, so Raneburger, an den beiden Südtiroler Dialektwörtern „ob“ (weg, fort – im Sinne von weg-gehen, fort-gehen) und „do“ (hier, da – im Sinne von hier-bleiben, dableiben). Die Skulptur bildet von der einen Seite das Wort „ob“, von der anderen Seite das Wort „do“ – je nach Blickrichtung. Die Farbe der Skulptur (Signalrot) ist Sinnbild für zwei gegensätzliche Farb-Be-Deutungen: Rot einerseits als Farbe der Liebe, der Geborgenheit; andererseits als Ausdrucksmittel der Vernichtung (Blut), der Abweisung, des Krieges, etc. Die beiden Wortbildungen stehen letztlich auch für die zeitliche Abfolge: Der eine Teil („ob“ oder „do“) steht gegenüber dem anderen Teil („do“ oder „ob“) im Sinne von Vergangenheit und Zukunft zueinander. Um den beschriebenen Gegensätzen eine Vereinigung, eine Gegenwart, eine Hoffnung zu bieten, soll nun die Skulptur im direkten Umfeld der Wohnanlage in Kitzbühel als kommunikativer Treffpunkt dienen, womit durch das Miteinander im Jetzt ein hoffnungsvoller Gegenpol zur spaltenden Vergangenheit gesetzt werden soll.
Text: Kulturredaktion, Foto: Miriam Raneburger

