Krisenintervention: Wenn Hilfe besonders gefordert ist
Die Krisenintervention des Roten Kreuzes hilft Menschen bei außergewöhnlich belastenden Ereignissen. In Osttirol besteht das Team derzeit aus zwölf Personen.
Ein plötzlicher Kindstod, andere tragische Todesfälle, Unfälle mit Todesopfern oder Schwerstverletzten, ein versuchter oder erfolgter Suizid, Gewaltdelikte – in diesen und anderen Ausnahmesituationen kommt die Krisenintervention des Österreichischen Roten Kreuzes zum Einsatz. In Osttirol besteht das von Johann Gatterer geleitete Team derzeit aus zwölf Personen. Es betreut jährlich 200 bis 300 Betroffene. „Ziel unserer Arbeit ist es, dass traumatisierte oder trauernde Betroffene ihre Handlungsfähigkeit wiedergewinnen und in der ersten Bewältigung dramatischer Eindrücke bzw. in ihrer emotionalen Stabilisierung unterstützt werden“, erklärt Johann Gatterer. Der Lienzer, von Beruf Polizist, leitet seit 5 Jahren ehrenamtlich das Kriseninterventions-Team im Bezirk Lienz. Er berichtet davon, dass er und seine KollegInnen oft schon gleichzeitig mit dem Notarzt alarmiert werden. „Dies gilt insbesondere für extreme Ereignisse wie einen plötzlichen Kindstod“.
Johann Gatterer ist seit fünf Jahren ehrenamtlicher Leiter des Kriseninterventions-Teams im Bezirk Lienz
Weitere Aufgaben der Krisenintervention seien, so der Teamleiter, das Überbringen von Todesnachrichten in Zusammenarbeit mit der Exekutive oder auch die Unterstützung von Einsatzkräften (Feuerwehr, Rotes Kreuz, Berg- und Wasserrettung etc.) bei der Stressverarbeitung nach besonders belastenden Einsätzen. Das Kriseninterventions-Team des Roten Kreuzes Osttirol umfasst aktuell zwölf Personen, die sich ehrenamtlich engagieren. Zwei weitere befinden sich in Ausbildung. Im Team wirken auch PsychologIInnen mit. „Wichtig ist, dass sich eine Organisation wie die unsere aus Menschen zusammensetzt, die aus verschiedenen Berufssparten kommen, die unterschiedlich alt sind und auf jeweils andere Lebenserfahrungen zurückgreifen können. Im Idealfall kommt ein gemischtes Team, also eine Frau und ein Mann, zum Einsatz“, betont Johann Gatterer.
Als Mindestalter nennt er das 25. Lebensjahr, als weitere notwendige Voraussetzung eine psychosoziale Ausbildung oder eine mindestens 3-jährige Erfahrung bei einer Einsatzorganisation. Ihn persönlich habe der psychosoziale Aspekt im Rahmen der Ausbildung und bei Einsätzen immer besonders interessiert, sagt er. „Davon habe ich auch in meinem Berufsleben als Polizist sehr profitiert.“ Bei Einsätzen sei im Allgemeinen die professionelle Distanz zu Betroffenen sehr wichtig. „Natürlich fällt dies bei Todesfällen von Kindern oder Jugendlichen besonders schwer. Trotzdem ist die emotionale Distanz erforderlich, um einen Einsatz positiv bewältigen zu können!“
Die Mitarbeiter des Kriseninterventions-Teams helfen bei der Bewältigung der Eindrücke, bei der Stabilisierung und Mobilisierung persönlicher Ressourcen, bei der Aktivierung des sozialen bzw. familiären Netzwerkes und bei der Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit.
Dass er selbst einmal bei der Krisenintervention tätig werden oder sogar ein Team leiten würde, sei so eigentlich nicht geplant gewesen. „Inzwischen habe ich aber aus meiner Arbeit bei der Krisenintervention sehr viel Positives für mein Leben gewinnen können. Das Gefühl, für jemanden da zu sein, der sich in einer schwierigen Ausnahmesituation befindet, und helfen und unterstützen zu können, ist etwas sehr Befriedigendes“. Etwas Kopfzerbrechen bereitet dem Teamleiter im Moment die Aufgabe, neue MitarbeiterInnen zu finden. „Derzeit fehlen uns vor allem Männer“, so Gatterer. „Schließlich können wir unser Angebot nur dann effizient und flächendeckend gewährleisten, wenn wir personell über ausreichende Kapazitäten verfügen!“ Interessierte mögen deshalb Kontakt mit dem Roten Kreuz in Lienz aufnehmen (Tel.-Nr. 04852/62321).
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Rotes Kreuz, Osttirol heute