Kreativer Freigeist, leidenschaftlicher Koch und Weltenbummler
Der Traum, die Welt zu erkunden, in andere Kulturen einzutauchen und das eigene Leben selbstbestimmt und abseits traditioneller, Lebensentwürfe zu gestalten, ist in vielen verwurzelt, doch nur wenige setzen dies auch um.
Der Lavanter Oliver Deutsch ist seiner Leidenschaft gefolgt und hat viele Länder bereist und für sich entdeckt. Heute pendelt er zwischen Lateinamerika und Osttirol, wo er mit Kochevents und Veranstaltungen jenseits des Mainstreams auf sich aufmerksam macht. Aufgewachsen ist Oliver Deutsch in der kleinen Osttiroler Gemeinde Lavant, gemeinsam mit seinem Bruder Severin. Sein Vater, von Beruf Sozialpädagoge, war als Mitglied der NAGO weitum als Orchideen-Experte bekannt. Nach der Pflichtschule entschied sich Oliver, eine Kochlehre zu absolvieren. „Ich habe im Adlerstüberl in Lienz gelernt und mir hier die Basics des Kochens angeeignet“, informiert er. Seine Kenntnisse und Fertigkeiten vertiefte er nach seiner Lehrzeit in verschiedenen Restaurants in Graz, Innsbruck und Wien und später insbesondere über die Erfahrung der vielen Kochtraditionen, die er auf seinen Reisen kennenlernte.
Die Faszination des Reisens selbst entdeckte er als 16-Jähriger erstmals auf einer Fernreise nach Asien, die er gemeinsam mit seinem Vater unternahm. „Ich habe für mich erkannt, wie bereichernd es ist, andere Kulturen und Lebensweisen hautnah zu erleben“, erinnert er sich zurück und meint, dass damit wohl der Grundstein dafür gelegt war, wie er sein Leben fortan gestalten wollte. „Es gibt unterschiedliche Lebenswege. Ich persönlich glaube an so etwas wie Schicksal – und bin meiner Bestimmung gefolgt.“ Die Art und Weise, wie er später sprichwörtlich durch die Welt tourte, hob sich von Beginn an von den üblicherweise zu buchenden Reisebüro-Angeboten ab. „Um in fremde Länder und Kulturen einzutauchen, muss man nicht auf teure Flüge und Hotels setzen. Ich reise reduziert, dafür aber sehr bewusst“, sagt er. Inspiriert von einem Deutschen, dem er in Amazonien begegnete, entschied er sich über Jahre für das Rad als Fortbewegungsmittel. „Natürlich habe ich diese Reiseform vorher ausprobiert“, schmunzelt er. „Die erste Radtour von Graz zum Attersee war wirklich anstrengend, aber im Laufe der Zeit gewinnt man an Erfahrung und vor allem an Kondition.“

Als Ziele wählte Oliver unterschiedliche Länder und Kontinente – von Europa und Nordafrika über Südamerika bis nach Asien. In den Coronajahren reiste er, wie er erzählt, durch Österreich. Besonders angetan haben es ihm die lateinamerikanischen Staaten. „Ich schätze die Lebensart der Mittel- und Südamerikaner sehr. Ich habe die Menschen dort als offen, empathisch und sehr echt erlebt, weit jenseits des Materialismus, der bei uns in Mitteleuropa den Alltag beherrscht.“ Seit einigen Jahren liegt sein Fokus auf Argentinien, von wo auch seine Freundin stammt. „Dieses Land fasziniert einerseits durch seine extremen landschaftlichen Kontraste – von den subtropischen Wasserfällen im Norden und den Sierras bis hin zu den Gletschern oder der rauen Wildnis Patagoniens“, lässt er wissen. „Andererseits sind es auch hier die reiche Kultur und das einzigartige Lebensgefühl, die mich anziehen – und die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen.“

In kulinarischer Hinsicht ist Argentinien vor allem für seinen Wein und das Rindfleisch bekannt. „Immer, wenn ich irgendwo hinkomme, versuche ich, möglichst viel von den für die jeweilige Region typischen Gerichten, Gewürzen und Kochweisen zu erfahren und sie in meine Küche zu integrieren“, nimmt Oliver darauf Bezug. Als ein Beispiel nennt er „Milanesa“, ein Schnitzel nach argentinischer Art, dessen Geheimnis in der Verwendung von Rindfleisch und in der kräftigen Würzung der Panade mit viel Knoblauch und Petersilie liegt. Mit dem Kochen verdient sich der Lavanter auch das Geld, das er für seine Reisetätigkeit und für das Leben in fremden Ländern benötigt. Zuletzt hat er beispielsweise bis Juni 2026 in Argentinien gekocht. „Meine Arbeit führt mich aber immer wieder auch in österreichische Betriebe, wie etwa in das Biohotel Daberer. Dort, im Kärntner Gailtal, konnte ich mich auch in die Besonderheiten der Käseherstellung vertiefen.“ In Osttirol veranstaltete Oliver in den vergangenen Jahren die „Wohnzimmer-Sessions“ im Altstadthotel Eck. Hier zeigte sich, dass für ihn immer auch die Musik eine wichtige Rolle spielt. „Für mich gehört die Musik untrennbar zum Kochen“, betont er und erläutert, wo er die Verbindung sieht: „Das Gefühl, das man für Musik braucht, kann man gut beim Kochen erleben – und umgekehrt. Alles ist Rhythmus, alles passt zusammen. So wie in der Musik geht es auch beim Kochen oft um Improvisation – die Fähigkeit, aus dem Moment heraus zu schöpfen und kreative, harmonische Kombinationen zu finden. Diese Verbindung zwischen beiden Welten hat mir viele wertvolle Erfahrungen und Inspirationen gebracht. Kochen ist nicht nur kreativer Ausdruck, sondern auch eine Sprache, die Menschen zusammenbringt – genauso wie die Musik. Es geht um die Buntheit des Lebens“, sagt er.

Diese „Buntheit“ stand auch im Mittelpunkt des INK-Festivals, das Oliver Deutsch, gemeinsam mit Katharina Zanon, vom 16. bis 19. Juli 2026 in Lienz organisierte. An drei Standorten boten die beiden Weltenbummler den Besucherinnen und Besuchern eine Plattform, die Osttiroler und internationale Kunstschaffende zusammenbrachte – multikulturell, inklusiv und offen für alle. Beim INK-Festival konnte man Oliver als Koch live erleben – und sich durch verschiedene Schmankerln durchkosten. Seine kreativen Kochkünste bietet der Lavanter übrigens für Interessierte auch im Rahmen von „Book the cook“ an. „Ich koche auf Wunsch bei Gastgebern zu Hause. Meine Gerichte sind abwechslungsreich, gesund und voller Geschmack. Ob traditionell oder modern, vegetarisch, vegan oder mit Fleisch – bei mir findet jeder etwas. Ab 20 Personen bereite ich ein Buffet vor“, informiert er und verweist auf weitere Details auf seiner Website www.bookthecook-oliverdeutsch.com
Die Frage, wie er denn seine weitere Zukunft sieht, beantwortet Oliver abschließend so: „Ich bin jetzt 49 Jahre alt und denke natürlich darüber nach, wie es bei mir weitergeht. Aktuell kann ich mir gut vorstellen, meine Zeit aufzuteilen, also ein halbes Jahr in Argentinien und ein halbes Jahr in Osttirol zu verbringen. Ich möchte weiterhin die Freiheit leben, meinen eigenen Weg zu gehen und den Mut zu haben, mich immer wieder auch neuen Herausforderungen und Abenteuern zu stellen.“
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: privat, Osttirol Journal






