„Krapfenschnapper“ zogen durch Thurn
Einem alten Brauch folgend, zogen am gestrigen Allerheiligentag wieder junge Burschen aus Thurn von Haus zu Haus, um als „Krapfenschnapper“ um „milde“ Gaben zu bitten.
Am Nachmittag des 1. November trafen sich Buben aus Volks- und Hauptschule beim Unterthola-Bauern in Thurn, um gemeinsam die Häuser in ihrer Gemeinde zu besuchen und damit einen traditionellen Brauch zu pflegen. Bekleidet mit weißem Hemd und dunkler Hose, einem Hut als Kopfbedeckung und einer selbst angefertigten Larve vor dem Gesicht trugen die Burschen die sogenannte „Schnappe“ mit sich – eine Holzstange, auf der sich ein geschnitzer Tierkopf mit beweglichem Unterkiefer befindet, mit dem das typische „Geklapper“ erzeugt wird.
Das „Krapfenschnappen“ geht auf frühere Zeiten zurück. Ursprünglich ließen die Menschen in den Tagen um Allerheiligen übrig gebliebene Speisen für die armen Seelen stehen, meist waren dies Brot oder Krapfen. Später entwickelte sich daraus ein sogenannter „Heischebrauch“. Die Nahrungsmittel wurden nun an Mittellose aus der Gemeinde, später an Kinder aus ärmlichen Verhältnissen verteilt. Diese zogen von Haus zu Haus, um um Essen und Geld für ihre Familien zu bitten. Nachdem die Armen nicht erkannt werden wollten, trugen sie Larven, um ihr Gesicht zu bedecken. Bis heute läuft das „Krapfenschnappen“ traditionsgemäß ohne Worte ab. Nur beim Verlassen der Häuser rufen die Burschen die Worte „Vergelts Gott, vergelts Gott für die armen Seelen“ aus.
Organisiert wurde das Krapfenschnappen in Thurn von der örtlichen Jungbauernschaft-Landjugend mit Obmann Andreas Großlercher. Auch in anderen Gemeinden Osttirols wird dieser Brauch bis heute ausgeübt – in der Debant oder am Iselsberg nennt man die Burschen „Krapfenschnaggler“, im Defereggental wird der Brauch „Gregeln“ genannt und in Kals ist der Allerheiligentag als „Schnappertag“ bekannt.
Text: Redaktion, Fotos: Brunner Images