Junges Leben in den alten Mauern des Lienzer Dominikanerinnen-Klosters

Das Kloster der Dominikanerinnen in Lienz ist eines der ältesten Konvente weltweit, die dem Vorbild des Ordensgründers, dem Heiligen Dominikus, folgen.

Seit Jahrhunderten eine Stätte des Gebetes und der Besinnung, ist das „Klösterle“, wie es im Volksmund genannt wird, mit seiner religiösen Ausstrahlung längst fixer Bestandteil des kirchlichen und auch kulturellen Lebens der Osttiroler Bezirkshauptstadt. Sehr früh begannen die geistlichen Schwestern hier, die Mädchen der Stadt zu unterrichten. Heute beherbergt das Kloster eine Fachschule für wirtschaftliche Berufe, die, auf der Grundlage verschiedener Ausbildungsmöglichkeiten, mit aktuell 150 SchülerInnen in den letzten Jahren einen regelrechten Boom verzeichnen konnte.

 

Sr. Katharina Margreiter OP feierte 2011 ihre Heilige Profess, nachdem sie vorher jahrelang der Ordensgemeinschaft als Novizin angehörte.

 

Dass nicht nur die jungen Mädchen und Burschen der Bildungseinrichtung sprichwörtlich frischen Schwung hinter die Klostermauern bringen, sondern dass auch der Konvent mit dem letzten Neuzugang im Jahre 2009 neu belebt wurde, davon konnte man sich beim „Dominikusfest 2018“, das Konvent und Schule am 25. Mai gemeinsam feierten, überzeugen. Heuer stand der Festtag ganz im Zeichen der Erinnerung an die Klostergründung vor acht Jahrhunderten. „Wenn es streng nach erhaltenen schriftlichen Urkunden geht, dann könnten wir unser 800-Jahr-Jubiläum eigentlich erst in neun Jahren feiern“, spricht Sr. Katharina, das jüngste Mitglied des Lienzer Konvents, die auch für Historiker nicht einfache Klärung des exakten Gründungsdatums des „Klösterle“ an. Ursache dafür sind die wiederholten Stadtbrände, die seit dem Mittelalter in Lienz wüteten und denen nicht nur Menschen und ganze Stadtteile, sondern auch viele alte Dokumente und Urkunden zum Opfer fielen. Darunter dürfte auch die eigentliche Gründungsurkunde des Frauenklosters an der Isel gewesen sein. „Zumindest nimmt man dies an“, so Sr. Katharina, die darauf verweist, dass es einige Indizien für ein Bestehen des Klosters seit dem Jahre 1218 gibt. „Unsere Klosterchronik benennt jahrhundertealte Überlieferungen, die besagen, dass in diesem Jahr der Hl. Hyazinth auf der Durchreise von Rom nach Friesach nach Lienz gekommen sei. Hier habe er eine bestehende Lienzer Frauengemeinschaft, die `Beginen`, auch `Reyerinnen` oder `Magdalenerinnen` genannt, dem neuen Dominikanerorden angeschlossen. Hyazinth war ein Zeitgenosse des Hl. Dominikus (1170-1224), dessen Ordensstiftung erst zwei Jahre vorher (1216) vom Papst anerkannt worden war.“

 

Die Priorin des Lienzer Dominikanerinnen-Klosters, Sr. Dorothea Lunger OP, mit HR Mag. Regina Mayr, der Direktorin der Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Dominikanerinnen

 

Nicht unwichtig für die Spurensuche nach der Frühzeit der Lienzer Dominikanerinnen ist, wie Sr. Dorothea Lunger OP ergänzt, das älteste erhaltene Klostersiegel, das die Hl. Magdalena zeigt. „Es kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass die Überlieferung stimmt und dass die `Magdalenerinnen` die ersten unseres Nonnenklosters hier in Lienz waren“, erklärt sie, die dem Lienzer Konvent mit aktuell sechs Schwestern seit 2014 als Priorin vorsteht. „1959 verzeichneten wir noch 39 Nonnen“, blickt sie auf frühere Jahre zurück. „Laut Chronik gab es aber auch Zeiten mit nur drei Schwestern“, meint sie und zeigt sich in unerschütterlichem Gottvertrauen davon überzeugt, dass der Lienzer Konvent auch in Zukunft Bestand haben wird.

 

„Ein Kloster ist nicht von dieser Welt. Aber es steht in dieser Welt und hat sich in ihr zu bewähren!“ Aus der Klosterchronik. Zitat Sr. M. G. Dengel OP (1957)

 

Das „Klösterle“ in Lienz ist einer der alten, autarken Konvente Österreichs, seine wechselvolle Geschichte reicht rund 800 Jahre zurück.

 

Hinweisen, wo das einst erste Klostergebäude gestanden haben könnte, ist Historiker Meinrad Pizzinini nachgegangen. Er lässt die LeserInnen im Kapitel „Von Pfarrern, Mönchen und frommen Frauen“ des Lienzer Stadtbuches wissen, dass dies das alte `Riepler-Haus`, nahe dem heutigen Klosterbau, gewesen sein dürfte. In dem südlich angebauten Gebäude könnte die erste Kapelle bestanden haben. Ob die nebenstehende alte Schmiede bzw. deren Vorgängerbau das zum Kloster gehörige erste Kirchlein beherbergte, ist lt. Pizzinini nicht eruierbar. Die erste erhaltene urkundliche Erwähnung des Dominikanerinnenklosters stammt jedenfalls aus dem Jahr 1227, der erste Bau des Klosters, ging, gefördert von den Görzer Grafen, am heutigen Standort in den Jahren ab etwa 1243 über die Bühne. Die Einweihung dürfte 1250 stattgefunden haben, als Patrozinium wurde Mariä Heimsuchung bestimmt. Über die Jahrhunderte erhielten die Lienzer Dominikanerinnen mannigfache Förderungen von Seiten der Bürger, des Adels und der Landesfürsten. Natürlich blieben auch Schicksalsschläge nicht aus, 1413 etwa wurden Kloster und Kirche durch einen Brand zerstört. Schwierige Perioden, wie den „Josephinischen Klostersturm“ (Aufhebung unzähliger Klöster im heutigen Österreich) ab dem Jahr 1782, überstanden die Lienzer Dominikanerinnen unbeschadet. „Was den Konvent gerettet hat, ist die Tatsache, dass die Schwestern schon 150 Jahre vor Joseph II. Bildungsmöglichkeiten für die Lienzer Bevölkerung schufen. 1781 wurde die erste städtische Mädchenschule von Lienz hier im Kloster eröffnet“, weiß Regina Mayr zu berichten. Sie leitet seit 1994 als Direktorin die Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Dominikanerinnen in Lienz und freut sich darüber, dass das Interesse an der Bildungseinrichtung in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. „Die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten unserer sehr praxisnah orientierten Schule umfassen die einjährige Wirtschaftsfachschule, die dreijährige Fachschule mit Schwerpunkt ,Gesundheit und Sozialmanagement‘ und den dreijährigen Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe mit Matura“, informiert sie.

 

Zum Dominikusfest reiste P. Christophe Holzer OP vom Dominikanerorden in München an. Er zelebrierte die Hl. Messe.

 

Gründe genug also für Konvent und Schule, den Dominikustag 2018 feierlich zu begehen. Nach der Festmesse in der Klösterlekirche mit P. Christophe Holzer OP vom Dominikanerkloster München und einem kurzen Abriss der Geschichte des Klosters zeigten SchülerInnen im stimmungsvollen Rahmen der alten Klostermauern meditative Tänze. Mit einer Agape im Kreuzgang bzw. Garten des Klosters gingen die schönen Feierstunden zu Ende.

 

Die Dominikanerinnen verbringen ihr Leben in Klausur und sind in Haus, Garten und in der Schule tätig. Sie leben nach der Augustinusregel, die der Hl. Dominikus selbst für den Orden gewählt hat. Diese vereint ein hohes Gemeinschaftsideal, das dem christlichen Liebesgebot folgt, mit einfachen, praktischen Anweisungen für das klösterliche Leben.

 

Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger

16. Juni 2018 um