Familie Bergmann: Musik als Klangräume zwischen den Generationen

Bei Familie Bergmann ist Musik kein bloßes Hobby, sondern generationsübergreifende Sprache. Wir haben uns mit Mathias und seinem Vater Pius getroffen und nachgefragt, worin die verbindende Kraft des gemeinsamen Musizierens liegt.

Vater Pius, leidenschaftlicher Gitarrist und früher Lehrer, prägte seine Kinder mit musikalischer Offenheit und familiärem Musizieren. Sohn Mathias, heute 23, studiert Kirchenmusik und Musikerziehung in Wien sowie Chordirigieren in Salzburg, komponiert eigene Werke und leitet mit viel Begeisterung Chöre – in  Osttirol und bis zuletzt in der Bundeshauptstadt. „Musik war in meinem Leben immer schon da“, sagt Mathias Bergmann. Der junge Chorleiter aus  Lienz ist mit Musik aufgewachsen – in einer Familie, in der Singen und Musizieren  selbstverständlich waren. Papa Pius erinnert sich: „Schon mein Vater hat leidenschaftlich gern gesungen und musiziert. Sobald Kinder beisammen waren, griff er zur Gitarre, setzte sich mitten  in die Wiese – und schon stimmten alle mit ein.“ Diese familiäre Musikkultur setzte sich fort: Die  Familienmusik Bergmann war ein Zusammenschluss von sieben Geschwistern, gefördert von den  Eltern und P. Richard vom Franziskanerkloster in Lienz. Adventprogramme, Messgestaltungen,  Sternsingen – Musik war Teil des Alltags. „Nach dem Essen haben wir oft einfach improvisiert und  gesungen, was uns eingefallen ist“, erzählt Pius. Auch Sohn Mathias erlebte diese musikalische Dichte schon früh in der Familie: Quartettgesang mit den Schwestern Teresa und  Anna und Papa Pius, spontane Improvisationen, ein eigenes „Bergmann-Lied“, das bei jeder Feier  erklingt. „Es ist etwas sehr Spezielles, mit seinen Geschwistern und seinem Vater zu singen. Jeder  weiß intuitiv, was als Nächstes kommt“, meint der junge Osttiroler. Heute studiert Mathias  Kirchenmusik und Musikerziehung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie Chordirigieren in Salzburg. Sein Weg war nicht vorgezeichnet, sondern wuchs aus der  Praxis: Orgel- und Klavierunterricht, Gesangsstunden, Chorleitungskurse, Inspiration durch  Lehrer wie Alois Wendlinger. „Ich wollte mich nie früh festlegen müssen – das Studium hat es mir erlaubt, mich breit aufzustellen.“

 

 Mathias als Chorleiter bei einer Probe für das Projekt „Heimat“ im Franziskanerkloster in Lienz im August 2025

 

Besonders schätzt Mathias die Vielseitigkeit seines Studiums: „Im Kirchenmusikstudium bewegt man sich durch viele Epochen – von Gregorianik bis Moderne. Man hat Standbeine in Orgel,  Gesang und Chorleitung.“ Neben dem Bachelorabschluss in Kirchenmusik befindet sich der 23-Jährige mitten im Studium der Schulmusik und hat vor kurzem auch das künstlerische  Dirigierstudium begonnen. „In der Musik geht es weniger um Abschlüsse als darum, was man  gelernt hat und musikalisch zeigen kann. Der Übergang ins Berufsleben findet in der Regel fließend statt.“

Sein Fokus liegt inzwischen klar auf der Chorleitung. In Wien leitete er über mehrere Jahre den  Chor der Erste Bank, den Unisono Chor Wien und den Pop- und Rockchor Charmony. In Osttirol  gründete er 2022 den Projektchor Voxemble, der mittlerweile auf fast 60 Mitglieder angewachsen ist. Seine Chorprojekte sind zeitlich begrenzt, die Proben intensiv – und die Resonanz ist groß.  Besonders das Programm „GegenKlang“, bei dem  kontrastierende Stücke miteinander verbunden  wurden, zeigt die konzeptionelle Stärke des 23-Jährigen: „Ich hatte die Idee im Kopf, habe Stücke  ausgesucht und lange getüftelt, bis es gepasst hat.“ Neben dem Dirigieren  komponiert Mathias  auch eigene Chorstücke – meist a cappella, oft in Zusammenarbeit mit der Osttiroler Texterin  Sophie Gander. „Ich habe ein Thema, eine Aussage – und Sophie schreibt dazu den Text. Gemeinsam feilen wir daran, bis alles stimmig ist.“

Musik ist für Mathias nicht nur Leidenschaft, sondern auch eine soziale Kraft. „Besonders  Chormusik verbindet Menschen sehr stark. Das Gefühl, mitten im Klang zu stehen und Teil eines  Ganzen zu sein, ist einzigartig.“ Bei Konzerten schafft Mathias Klangräume, in denen das Publikum nicht nur zuhört, sondern mittendrin ist. „Ich versuche, die Zuhörerinnen und Zuhörer  wirklich in den Klang hineinzustellen – also dass man nicht nur frontal beschallt wird, sondern  wirklich mittendrin ist“, erklärt er. Dieses unmittelbare Erleben berührt und überrascht – und  bleibt vielen lange in Erinnerung. Mathias ist in mehreren Ensembles aktiv, die weit in den europäischen Raum hinausstrahlen: Er ist Mitglied im Tiroler Landesjugendchor, Teilnehmer am  Österreichischen Jugendchor und war 2025 erstmals beim Europäischen Jugendchor in Valencia  mit dabei. „Selbst wenn man aus ganz Europa zusammenkommt, versteht man sich sofort – Musik  ist der gemeinsame Nenner.“

Was bedeutet Heimat? Für Mathias ist es mehr als ein Ort. „Eine Chor-Gemeinschaft kann Heimat sein – ein Raum, in dem man ganz man selbst sein kann.“  Obwohl er mittlerweile in Salzburg lebt, bleibt Osttirol sein emotionales Zentrum – vor allem  durch Voxemble, sein Herzensprojekt: „Ich würde das Chorprojekt nie woanders machen wollen.  Es ist etwas Besonderes, wie tief Musik hier in den Menschen verankert ist.“ Auch seine Schwestern sind musikalisch aktiv: Teresa studiert Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik in Wien, Anna Lehramt Primarstufe mit Musikschwerpunkt in Graz. Die musikalische Linie setzt sich in der Familie Bergmann also mit spürbarer Leidenschaft fort. Mathias Papa Pius blickt auf eine  lange musikalische Laufbahn zurück: Kinderchor, Kirchenmusik, Schulchöre, Lehrerquartette –  und heute singt er im Kammerchor Vocalissimo und leitet den Kirchenchor in Debant. „Wenn die  Gemeinschaft stimmt, stimmt auch der Klang – das spürt man ganz gewaltig.“

 

Gemeinsam mit Papa Pius bilden die drei Bergmann-Geschwister Anna, Teresa und Mathias ein klangvolles  Quartett. Bei den Bergmanns wird oft und gerne zu verschiedensten Anlässen oder  auch nur einmal nach einem Familienessen gemeinsam gesungen und improvisiert.

 

Für die Zukunft bleibt Mathias offen: „Ob beruflich oder als Hobby – ich möchte Musik  weitertragen und die Begeisterung dafür vermitteln.“ Sein Vater Pius fasst abschließend zusammen: „Musik gibt den Menschen Heimat und Boden. Und wenn ich sehe, wie Mathias,  Teresa und Anna ihre Leidenschaft für Musik leben, ist das für mich und meine Frau eine sehr  große Freude.“

 

Hier eine Hörprobe von Voxemble unter Leitung von Mathias Bergmann:

 

Text: Redaktion, Fotos: © Toni Ausserlechner, Video: Youtube

30. September 2025 um