Spannendes Hobby: Karls außergewöhnliche Modellbauwelt

Für Karl Schiller gibt es nichts Schöneres, als Technik im Miniaturformat zu erschaffen. Mit einer Sammlung von rund 750 Modellen zeigt der Gaimberger, dass Technik und Präzision auch im Kleinformat faszinieren können.

Bereits als kleines Kind zeigte sich der Osttiroler an allem interessiert, was Räder hatte oder sich bewegte. „Ich hatte viel Spaß daran, mit Modellautos im Maßstab 1:43 zu fahren und Hindernisse zu bauen“, blickt der Technikfan zurück. Mit dem Modellbau startete Karl, als er als Elektrikerlehrling zur Belohnung für ein gutes Zeugnis einen Schiffsbausatz geschenkt bekam. „Insgesamt baute ich vier Schiffsmodelle mit bis zu 130 cm Länge, die allesamt ferngesteuert waren. Mit den Miniatur-Schiffen war ich als Jugendlicher gerne auf verschiedenen kleinen Gewässern inklusive Debantbach unterwegs.“ Seine Elektrolehre begann er 1971 in der 10 Jahre zuvor von seiner Mutter in Lienz gegründeten Firma „Pleschberger Helene Nähmaschinenhandel“. 1971 war auch aus sportlicher Sicht ein besonderes Jahr für den jungen Osttiroler: Bei einem Turnier des Boxclub Lienz setzte er sich in seiner Gewichtsklasse im Finale gegen einen damals 22-Jährigen vom BC-Steinadler/Kundl durch und wurde Tiroler Nachwuchsmeister.

Das familieneigene Elektrofachgeschäft wechselte nach 15 Jahren vom Standort in der Messinggasse in die Muchargasse 5. Besondere Leistungen der Firma waren die Elektrifizierung samt Ausführung von Schleppliften u.a. in Lienz, St. Jakob und am Staller Sattel sowie weiters in Leutasch/Nordtirol und Dienten/Salzburg in Zusammenarbeit mit der Firma WITO. 1980 legte Karl die Meisterprüfung für Elektrotechnik und 1982 jene für Radio- und Fernsehtechnik ab. 1985 absolvierte er zudem eine Ausbildung zum Nähmaschinenmechaniker in Steckborn in der Schweiz. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2019 leitete der Gaimberger rund drei Jahrzehnte lang die „Pleschberger-Schiller GmbH“ als Geschäftsführer. Stolz ist der 68-Jährige heute vor allem auch auf seine Familie. 1979 heiratete er seine Frau Karin Hofmann, 1980 kam Tochter Barbara und 1984 Tochter Daniela zur Welt. „Ich habe das große Glück, dass mich meine Frau, meine Töchter und mein Schwiegersohn in meiner aktiven Zeit in der Firma stets unterstützten und mir auch heute bei meinem zeitaufwändigen Hobby immer zur Seite stehen“, betont er. Aus seiner Faszination für alles Technische heraus entschied sich Karl im Jahr 2002, die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten zu absolvieren, die er 2003 erfolgreich abschloss und damit über eine Privathubschrauberpiloten-Lizenz (PHPL) verfügte.

 

 

Ferraris, Porsches, Mustangs oder ein Fiat 126 mit Wohnwagen – nach den Schiffsbaumodellen fing der Osttiroler an, sich intensiv mit Bausätzen der Firma Pocher zu beschäftigen. Auch Bausätze von ModelCar-World im Maßstab 1:8 mit vielen Detailfunktionen, allerdings nicht ferngesteuert, waren dabei. Hinzu kamen Oldtimer wie Bugatti, Mercedes oder Fiat und auch ein LKW, genauer gesagt ein Volvo F12 Intercooler. Auf der Modellbaumesse Friedrichshafen entdeckte der passionierte Modellbauer Holzpuzzlekonstruktionen. „Ich war sofort begeistert und probierte diese Spielart des Modellbaus mit einer Uhr aus. Dazu braucht man nur wenig Werkzeug, dafür aber ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und Geduld.“ Später wechselte er dazu über, hochwertige Metall-Funktionsmodelle zu bauen. Mit viel Liebe zum Detail, Präzision und Geduld schuf er u.a. Miniaturen einer Liebherr Laderaupe L44, eines Volvo F16-750 LKW-Abschleppwagens oder eines Peterbilt-Sattelzuges mit Autos und Motorrädern als Beladung.

Bis heute verbindet Schiller bei der Herstellung seiner Modelle hohes technisches Wissen mit viel Kreativität. Jedes Modell, darunter auch viele Miniaturen von exklusiven Motorrädern und Vespas, ist das Ergebnis präziser Planung und liebevoller Handarbeit. Besonders herausfordernd war die Fertigstellung eines Mini-Mustangs, der dem Original in möglichst vielen Details gleichen sollte. „Der zweite von mir gebaute Mustang, den ich als E-Tron bezeichne, entspricht einem modernen Kfz – inklusive elektronischer Lenkung und Bremse.“ Irgendwann wollte er dann auch größere Fahrzeuge bauen. Gemeinsam mit seinem Freund Robert Eder, einem Allround-Spezialisten in vielen Techniken, arbeitete er vier Jahre lang an einer Tankexpress Ape (Partyexpress) mit 156 gekühlten Getränken an Bord. „Meine zweite, liebevoll gestylte Ape (1.000 Volt-Express) fahre ich auch heute noch während der Sommermonate.“

 

2017 trat Karl Schiller mit dem Osttirol-Team „Black Orange Mustang Friends“ auf der größten Tuning-Messe Europas an

 

Mit viel Leidenschaft hegt und pflegt Karl seine Original-Motorräder – wie eine 19 Jahre alte Honda Gold Wing, eine 32 Jahre alte Honda Pacific Coast oder eine 20 Jahre alte Honda Monkey. In letzter Zeit widmet sich der Osttiroler vermehrt der LegoTechnic. „Dabei handelt es sich um eine äußerst präzise Technik mit komplexen Arbeitsabläufen, die mit einfachen Lego-Spielen wenig zu tun haben. Die durchdachte Zahnradtechnik ermöglicht es, mit nur einem Motor viele Funktionen mit mechanischer Umschaltung umzusetzen. Manche Bausätze sind mit bis zu zwölf Motoren ausgestattet, andere können über Handy App gesteuert werden“, lässt er dazu wissen. Viel Freude bereiten dem Gaimberger die von ihm gebauten, voll funktionsfähigen Kinderautos, mit denen seine Enkelinnen Emma und Lina am eigenen Grundstück in Gaimberg erste Fahrversuche absolvieren. Karls Sammlung umfasst inzwischen unglaubliche 750 Modelle, darunter ca. 40 Großmodelle im Maßstab 1:8, 20 Holzbaumodelle sowie 30 Lego-Technic-Modelle. Die Vielfalt seines Hobbys und der ständige Lernprozess sind es, die den scheinbar Unermüdlichen antreiben und begeistern.

 

Viel Unterstützung erhält Karl von seiner Familie.

 

Karl Schiller mit seinen beiden Enkelinnen, die sichtlich begeistert sind vom Hobby ihres Großvaters

 

„Jedes Modell ist eine neue Herausforderung und ein neues Abenteuer. Mich faszinieren die verschiedenen Modellbautechniken, die Perfektionierung jedes einzelnen Modells ist mein größtes Ziel. Wenn alles funktioniert, sich die Räder drehen und die Mechanik reibungslos läuft, dann sind das für mich sehr schöne Momente.“

 

Text: Redaktion, Fotos: Martin Lugger und privat

26. Juli 2024 um