Karl Staller verarbeitet Sozialkritik im Theater

Vor kurzem brachte der Matreier sein drittes Stück auf die Bühne. Uns erzählte er von ersten Kontakten mit dem Theater, seinen Vorbilden und vom Schreiben auf der Alm.

Im Brotberuf ist Karl Staller, der neben der Fliesenleger-Lehre auch die Ausbildung zum Zimmerer und Tischler absolviert hat, Unternehmer. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Franz führt er einen Fliesenleger-Betrieb im Matreier Ortsteil Kienburg. Die Freude daran, abseits vom beruflichen Alltag die eigene Kreativität ausleben zu können, wurde ihm sprichwörtlich in die Wiege gelegt. In seiner Familie spielten Gesang und Musik immer schon eine wichtige Rolle. Daraus und aus dem Zusammenspiel seines Handwerkes mit der Faszination Theater entwickelte sich schließlich auch der Wunsch, schriftstellerisch tätig zu werden.

Felix Mitterer und Peter Turrini bezeichnet Karl Staller als große Vorbilder im Autoren-Bereich, Otto Schenk und Karl Merkatz nennt er spontan, wenn man ihn nach seinen Lieblingsschauspielern fragt. Gerne besucht er, gemeinsam mit seiner Frau Maria, regelmäßig auch Theater- oder  Opernvorstellungen an großen Bühnen. Privat hört er Radio oder liest Bücher. Zum ersten Mal als Darsteller auf einer Bühne stand der heute 56-Jährige, als die Heimatbühne Matrei i.O. „Die Stumme“ zur Aufführung brachte. „In eine andere Rolle zu schlüpfen, jemanden zu verkörpern, der ich selbst nicht bin – dies war damals alles sehr faszinierend für mich“, erinnert sich Karl Staller an seine ersten Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zurück.

„Ich brauche zum Schreiben absolute Ruhe und will dabei allein sein. Deswegen schreibe ich fast ausschließlich auf der Alm – am liebsten im Winter. Einige der losen Zettel, auf denen ich meine Gedanken niederschreibe, landen auf der Hütte auch gleich wieder im Holzherd.“

Von Regisseur und Spielleiter Reinhard Auer, der das dramaturgische Talent des Matreiers erkannte, kam die Anregung, dass Karl Regiekurse und Spielleiter-Workshops besuchen solle. So war es eine logische Entwicklung, dass der Iseltaler schließlich begann, selbst Theaterstücke zu schreiben. 2008 verfasste er das Schauspiel „Mutter, wie viele Schritte darf ich machen?“ und verarbeitete darin Themen wie Kuckuckskinder und Außenseiter. „Zu Beginn war meine schriftstellerische Arbeit natürlich von Unsicherheit begleitet“, erzählt er. Umso mehr spornte ihn eine gute Kritik des bekannten Kärntner Theaterwissenschaftler Dr. Alfred Meschnigg an.


Sein Stück „Mutter, wie viele Schritte darf ich machen?“ wurde inzwischen in das Stückgut des Theaterverbandes Tirol aufgenommen. 2010 wurde die von Karl Staller verfasste Komödie „Das wird ein Fest werden“ von der Heimatbühne Matrei zur Aufführung gebracht. Auch darin verarbeitete er sozial- und gesellschaftskritische Inhalte. Um das, was ihn bewegt, aufs Papier zu bringen, benötigt der Matreier Ruhe und Einsamkeit. „Aus diesem Grund ziehe ich mich gerne auf die Alm zurück, auch im Winter. Wenn ich zwei Stunden allein durch den Schnee stapfe, bis ich die Hütte am Brunnerberg erreiche, dann entstehen bunte Bilder und Ideen in meinem Kopf. Auf losen Zetteln schreibe ich diese in der Hütte nieder.“

In seinem neuesten Stück „Der Larvenschnitzer“ hat der Vater zweier Töchter die Geschichte eines gehörgeschädigten Menschen in einen Krimi verpackt. „Der Protagonist, der begabte Schnitzer Hilarius Beinkofer, verliert bei einem Unfall sein Gehör. Seine Gefühle und wie negativ sein Umfeld, vor allem seine Familie, auf ihn reagiert, versuche ich in dem Stück darzustellen, ebenso wie den inneren Rückzug Beinkofers und das ,Sich Abkapseln‘ von der Gesellschaft“, beschreibt der Autor den Hintergrund des Krimis. Dass er diesen im Umfeld des traditionellen Krampus-Brauchtums spielen lässt, bezeichnet er als rein dramaturgisches Element. „Die Krampusse oder Kleibeife, wie wir im hinteren Iseltal sagen, sind natürlich ein sehr prägendes Element unserer Region. Es hätte genauso gut aber jeder andere Brauch sein können.“

Bei der Uraufführung seines dritten Werkes führte der Theaterbegeisterte auch Regie. Viele Einzel- und Teilproben standen auf dem Programm des Spielleiters und der Darsteller der Hinterbergler Theatergruppe, bevor „Der Larvenschnitzer“ am 14. Jänner 2017 seine Premiere in Ainet feierte. Bei der Regiearbeit ist es Karl Staller besonders wichtig, dass die Darsteller in ihrer Rolle „aufgehen“ und mit den von ihnen dargestellten Charakteren verschmelzen. Mimik und Gestik stellen, neben Gesang und Musik, auch bei der von ihm sehr geschätzten Oper wesentliche Elemente dar, so der Matreier. Und wie bei der Oper seien es vor allem die Emotionen, von der eine Aufführung lebe. „Als ich bei den Proben zu ,Der Larvenschnitzer‘ mein eigenes Stück erstmals live auf der Bühne sah, hat mich das sehr berührt. Ich war selbst davon überrascht, was man mit schauspielerischer Leistung aus einem Text herausholen kann“, meint er abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

11. Februar 2017 um